Festgenommene Demonstranten winken in Yangon Menschen zu, während sie in einem Bus sitzen. | AP

Proteste in Myanmar Militärjunta lässt Hunderte Inhaftierte frei

Stand: 24.03.2021 09:19 Uhr

Die Militärjunta in Myanmar geht seit Wochen mit Gewalt gegen Demonstranten vor - viele wurden getötet, etliche inhaftiert. Jetzt sind überraschend mehr als 600 Menschen laut Berichten freigekommen.

Die Militärjunta in Myanmar hat übereinstimmenden Berichten zufolge mehr als 600 festgenommene Demonstranten freigelassen. "Wir haben heute 360 Männer und 268 Frauen aus dem Insein-Gefängnis entlassen", sagte ein hoher Beamter des berüchtigten Gefängnisses in Yangon der Nachrichtenagentur AFP. 

Dabei soll es sich überwiegend um Studenten handeln, die zuvor in Polizeistationen und Gefängnissen festgehalten worden seien, berichteten die Nachrichtenportale "Myanmar Now" und "Eleven Myanmar". Sie gehörten offenbar zu den mehreren Hundert Studentinnen und Studenten, die Anfang März festgenommen worden waren, weil sie gegen den Staatsstreich gegen die gewählte Regierung der Partei von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi protestiert hatten.

Ein Grund für die Freilassung ist bislang nicht bekannt. Die Militärmachthaber und die Behörden äußerten sich zunächst nicht dazu.

Festgenommene Demonstranten winken in Yangon Menschen zu, während sie in einem Bus sitzen. | AP

Bei den Freigelassenen soll es sich überwiegend um Studenten handeln, die zuvor festgehalten wurden. Bild: AP

15 Busse mit Freigelassenen

Auf Fotos war zu sehen, wie sie in Bussen saßen und von Menschen am Straßenrand gefeiert wurden. Viele Insassen winkten fröhlich und zeigten mit drei Fingern das Zeichen der Protestbewegung. Die Hilfsorganisation für politische Gefangene AAPP sprach von etwa 15 Bussen mit Freigelassenen.

Auch der in Myanmar inhaftierte AP-Journalist Thein Zaw soll freigelassen werden. Man habe ihn informiert, dass er noch am Mittwoch freikommen werde, teilte er seiner Familie mit. Eine offizielle Bestätigung stand noch aus. Thein Zaw war in Haft gekommen, als er Proteste gegen den Putsch vom 1. Februar fotografierte. Am Mittwoch sollte es eine Anhörung zu seiner Untersuchungshaft geben. Ihm und anderen Medienmitarbeitern wird vorgeworfen, gegen ein Gesetz zur öffentlichen Ordnung verstoßen zu haben. Darauf stehen bis zu drei Jahre Gefängnis.

Jüngsten Schätzungen der AAPP zufolge sind seit dem Umsturz in Myanmar mindestens 275 Menschen getötet worden, mehr als 2800 wurden zumindest vorübergehend festgenommen.

Seit Wochen reagieren Polizei und Militär mit massiver Gewalt auf jeden Widerstand. Am Dienstag seien allein in Mandalay im Norden des Landes mindestens fünf Menschen erschossen worden, darunter ein sieben Jahre altes Mädchen, das das auf dem Schoß seines Vaters gesessen habe, sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur dpa. Ein Soldat habe im Stadtteil Chanmyathazi auf den Vater gezielt, aber das Kind am Bauch getroffen, schrieb "Myanmar Now".

Sorge über anhaltende Gewalt gegen Kinder

Die UN zeigten sich in New York "zutiefst besorgt über die anhaltende Gewalt gegen Kinder" und forderten, das Leben junger Menschen zu schützen. Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks Unicef sollen seit dem Putsch mindestens 23 Kinder getötet und elf weitere schwer verletzt worden sein.

Das Militär hatte am 1. Februar die Macht in dem südostasiatischen Land übernommen. Der Putsch beendete eine zehnjährige Phase des demokratischen Wandels in dem südostasiatischen Land. Die Junta sieht sich seitdem massiven Protesten gegenüber und reagiert mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten.

Aung San Suu Kyi sitzt seit dem Putsch im Hausarrest und wird von der Justiz verschiedener Vergehen beschuldigt. Eine Gerichtsverhandlung für Suu Kyi wurde auf den 1. April verschoben, teilte ein Berater ihres Anwalts mit. Die Demonstranten fordern eine Wiedereinsetzung ihrer zivilen Regierung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. März 2021 um 09:00 Uhr in den Nachrichten.