Demonstrant in Myanmar | AP

Gewalt in Myanmar Ausnahmezustand und abgelehnter UN-Besuch

Stand: 09.04.2021 19:51 Uhr

Seit mehr als zwei Monaten protestieren die Menschen in Myanmar gegen den Militärputsch. Nun spricht die Armee über einen verlängerten Ausnahmezustand und lehnte einen Besuch der UN-Vermittlerin ab.

Proteste, Tote und kein Einlenken der Militärjunta: Die Lage in Myanmar ist festgefahren. Erneut demonstrierten Zivilisten gegen den Militärputsch und forderten eine Rückkehr zu mehr Freiheit. Ein Wunsch, dem die Armee vorerst nicht entsprechen will. Der Ausnahmezustand könnte um "sechs Monate oder länger" ausgedehnt werden, sagte ein Sprecher der Militärführung.

Gleichzeitig versicherte Zaw Min Tun, dass "freie und faire Wahlen" innerhalb von zwei Jahren durchgeführt würden - auch wenn die demokratischen Standards in Myanmar nicht wie in westlichen Ländern seien.

Militärsprecher Zaw Min Tun | AFP

Sieht die Schuld für die Gewalt in Myanmar bei den Demonstranten - Militärsprecher Zaw Min Tun. Bild: AFP

UN-Vermittlung nicht erwünscht

Internationale Vermittlungsversuche lehnt die Junta ab. Die in der Region weilende UN-Sondergesandte für Myanmar, Christine Schraner Burgener, wurde nicht empfangen, wie die Diplomatin auf Twitter mitteilte. Sie sei bereit für einen Dialog, schrieb die Schweizerin. "Gewalt führt niemals zu friedlichen, nachhaltigen Lösungen."

Schraner Burgener wird nach einem Besuch in der thailändischen Hauptstadt Bangkok auch in China erwartet. Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats kritisierten Mitglieder des Gremiums die Blockadehaltung des Militärs.

Ende April soll ein gemeinsamer Gipfel der ASEAN-Staaten stattfinden, zu denen unter anderem Myanmars Nachbarland Thailand und Indonesien gehören. Die Gruppe hatte zuletzt ungewöhnlich scharfe Kritik an der Junta geübt. Beobachtern zufolge ist das Bündnis angesichts der Krise jedoch tief gespalten.

Armeesprecher: "Wir schießen mit Disziplin"

Bei den Protesten gegen den Militärputsch vom 1. Februar sind bislang mindestens 614 Zivilisten getötet worden. Die örtliche Hilfsorganisation für politische Gefangene (AAPP) meldete zudem fast 3000 Festnahmen. 

Die Armee gibt den Demonstranten die Schuld an der Eskalation. Das harte Vorgehen sei nur eine Reaktion auf deren Krawalle. "Es wird Tote geben, wenn die Ausschreitungen niedergeschlagen werden, aber wir schießen mit Disziplin", sagte Sprecher Zaw Min Tun.

Seit dem Putsch von Anfang Februar gibt es immer wieder Berichte über brutale Militärgewalt. Die Armee schießt mit scharfer Munition auf Demonstranten, zudem ist von schwerer Folter die Rede. Laut einer ARD-Mitarbeiterin hat die Armee ihre Kontrollen zuletzt noch einmal verschärft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. April 2021 um 18:00 Uhr.