Demonstranten tragen einen Verwundeten. | EPA

Militärgewalt in Myanmar Erneut viele Tote bei Protesten

Stand: 14.03.2021 16:55 Uhr

Unermüdlich und unter hohem Risiko gehen die Menschen in Myanmar gegen die Militärjunta auf die Straße. Erneut wurden offenbar mindestens 16 Demonstranten erschossen. Unterstützung erhält die Bevölkerung von einer Gegenregierung aus dem Untergrund.

Bei Protesten gegen die Militärherrschaft in Myanmar sind offenbar mindestens 16 weitere Demonstranten ums Leben gekommen. 14 Menschen seien im Verwaltungsbezirk der Wirtschaftsmetropole Yangon von Sicherheitskräften getötet worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf lokale Medien. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP wurden zudem eine 24-Jährige in der zweitgrößten Stadt Mandalay und ein Demonstrant in Hpakant im Norden Myanmars erschossen. Bereits am Samstag waren mindestens 13 Todesfälle bekannt geworden.

Seit das Militär Anfang Februar die Macht an sich gerissen und die zivile Regierung abgesetzt hat, kommt es in Myanmar beinahe täglich zu Massendemonstrationen. Bei den Protesten werden die Freilassung und Wiedereinsetzung der gestürzten De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi gefordert. Die Sicherheitskräfte gehen brutal gegen die Demonstranten vor und setzen dabei offenbar auch gezielt tödliche Gewalt ein. Seit dem Putsch sind nach UN-Angaben schon mehr als 80 Menschen getötet worden.

Abgetauchte Abgeordnete organisieren Protest

Eine Gruppe gewählter Abgeordneter, die seit der Machtergreifung des Militärs im Untergrund lebt und eine Art Gegenregierung gebildet hat, mobilisiert unterdessen die Bevölkerung. Das Land erlebe gerade seine "dunkelste" Zeit, aber das Licht des Sonnenaufgangs sei nah, sagte Ex-Parlamentspräsident Mahn Win Khaing Than am Samstagabend in einem Video. Die Menschen sollten mit ihrer "Unbesiegbarkeit" Widerstand leisten und weiter gegen die "unrechtmäßige Diktatur" auf die Straße gehen.

Than gehört der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) an, also der Partei von Aung San Suu Kyi. Nach dem Putsch am 1. Februar schloss er sich mit anderen im November gewählten Abgeordneten zusammen, um sich der Militärregierung entgegenzustellen. Die Gruppe nennt sich Committee Representing Pyidaungsu Hluttaw (CRPH) und soll das legitime Parlament Myanmars repräsentieren, das auf Birmanisch Pyidaungsu Hluttaw heißt. Die Militärregierung warf den abgetauchten Abgeordneten "Hochverrat" vor, was mit bis zu 22 Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. März 2021 um 09:58 Uhr und 12:00 Uhr.