Eine arbeitslose Frau erntet übrig gebliebene Erdnüsse in der Nähe von Mandalay, Myanmar. | REUTERS

UN-Bericht zu Myanmar 25 Millionen Menschen droht Armut

Stand: 30.04.2021 11:14 Uhr

Der Hälfte der Bevölkerung Myanmars droht nach UN-Abgaben der Rückfall in Armut. Die Gewalt im Land und die Pandemie gefährden vor allem Frauen und Kinder. Trotz eines internationalen Sondergipfels geht das Töten weiter.

Die Hälfte der Bevölkerung von Myanmar ist infolge des Militärputsches und der Corona-Pandemie nach UN-Angaben von Armut bedroht. Für bis zu 25 Millionen Menschen bestehe das Risiko, bis 2022 unter die Armutsgrenze zu rutschen, heißt es in einem Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP). Am schlimmsten dürfte es demnach Frauen und Kinder treffen.

Die Coronavirus-Pandemie und die anhaltende politische Krise bildeten sich zusammen verstärkende Schocks, die die Schwächsten noch tiefer in die Armut zurückdrängten, sagte die für den Asien-Pazifikraum zuständige UNDP-Regionaldirektorin Kanni Wignaraja der Nachrichtenagentur Reuters. Die Entwicklungsfortschritte, die in dem Jahrzehnt während des demokratischen Übergangs erzielt worden seien, würden "innerhalb weniger Monate ausgelöscht", so Wignaraja.

Hunderte Tote, Tausende Festnahmen

Das Militär hatte am 1. Februar die zivile Regierung gestürzt. Seitdem kommt es im Land regelmäßig zu Protesten gegen die Junta, die mit massiver Gewalt reagiert. Nach Angaben von Aktivisten haben Sicherheitskräfte bislang mehr als 750 Menschen bei den Demonstrationen getötet. Tausende wurden festgenommen. Lieferketten funktionieren nicht mehr richtig, die Landeswährung steht unter Druck, heißt es in dem UNDP-Bericht. Auch steigen die Preise für Energie und das Bankensystem sei gelähmt.

Womöglich könne das Land auf den Stand von 2005 zurückfallen, als in Myanmar ebenfalls das Militär herrschte und die Hälfte der Bevölkerung arm war, sagte Wignaraja. Das Ausmaß der Krise erfordere eine dringende und internationale Reaktion. Die Europäische Union zeigte sich in einer an die Organisation südostasiatischer Staaten (ASEAN) gerichteten Erklärung zuletzt bereit, die Gruppe dabei zu unterstützen, die Demokratie in Myanmar wiederherzustellen.

Fünf-Punkte-Plan für Ende der Gewalt

Der Staatenverbund ASEAN, dem Myanmar angehört, hatte sich auf einem Sondergipfel in in Jakarta auf einen "Fünf-Punkte-Konsens" zur friedlichen Lösung des Konflikts in Myanmar geeinigt. Darin wurde unter anderem das Ende der Gewalt gefordert. Myanmars Juntachef Min Aung Hlaing hatte dem Plan zugestimmt. Wenige Tage nach dem Gipfel erklärte die Junta jedoch, bevor der Fünf-Punkte-Plan umgesetzt werden könne, müsse in Myanmar Stabilität hergestellt werden.

In den Provinzen Kachin und in Karen bombardierte die Luftwaffe zuletzt wieder Stellungen der Milizen ethnischer Minderheiten, die sich dem Widerstand gegen die Junta angeschlossen haben. "Das Töten von Zivilisten geht weiter. Politische Gefangene werden weiterhin gefoltert. Das Bombardement von Dörfern geht weiter", schrieb der Sprecher der Gegenregierung von Myanmar, eine Gruppe untergetauchter Abgeordneter, auf Twitter.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. April 2021 um 16:43 Uhr.