Ein chinesischer Militärhubschrauber fliegt am 4. August 2022 in der Provinz Fujian an der Insel Pingtan vorbei. | AFP

Manöver nach Pelosi-Besuch Chinas Raketen treffen Meer vor Taiwan

Stand: 04.08.2022 11:51 Uhr

China ist über den Besuch der US-Demokratin Pelosi in Taiwan äußerst verärgert und hat seine Drohung wahr gemacht. Das Militär übt nun rund um Taiwan und setzt dabei auch scharfe Munition ein.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Ostasienstudio in Tokio

Das taiwanische Außenministerium spricht von mehreren ballistischen Raketen, die die chinesische Volksbefreiungsarmee zum Auftakt ihrer mehrtägigen Militärübung abgefeuert hat. Sie sollen nordöstlich und südwestlich von Taiwan ins Meer geflogen sein, berichten lokale Medien. Zumindest einige Geschosse sind nach Augenzeugenberichten von der Insel Pingtan, rund 120 Kilometer von Taiwan entfernt, abgefeuert worden.

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

Die Sprecherin des Außenministeriums Joanne Ou sagt selbstbewusst und mit fester Stimme: "Unsere Regierung ist noch entschlossener, die Souveränität und territoriale Integrität unserer Nation zu schützen. Angesichts des aktuellen Szenarios wird unsere Regierung nicht nur ihre Selbstverteidigungsfähigkeiten aktiv stärken, sondern auch enge Beziehungen zu gleichgesinnten Ländern wie den Vereinigten Staaten pflegen. Gemeinsam werden wir die auf Regeln basierende internationale Ordnung verteidigen, eine weitere regionale Eskalation vermeiden und gleichzeitig die Sicherheit der Straße von Taiwan sowie die Freiheit, die Offenheit, den Frieden und die Stabilität in der indopazifischen Region energisch schützen."

China verlängert Manöver

Die chinesische Volksbefreiungsarmee gab unterdessen bekannt, dass die Manöver um einen Tag verlängert und um eine neue Zone erweitert werden sollen.

Karte China mit Peking, Hongkong und Taiwan

Für Song Guo-cheng, Forscher am Institut für Internationale Beziehungen der Nationalen Chengchi-Universität, sind die Manöver Teil eines größeren Plans der Volksrepublik: "Die Dimensionen (der Militärmanöver) sind viel größer als bei denen von 1996. Wichtigstes Ziel der Übung ist die Abriegelung des Meeres, für das Szenario, wenn Taiwan einmal offiziell angegriffen werden sollte."

Experte: Taiwan braucht US-Truppen im Land

Auch wenn Taiwan sein Verteidigungsbudget enorm aufgestockt hat und fast unermüdlich bei den USA neue Waffen kauft und es Beistandsbekundungen wie zuletzt von Nancy Pelosi, der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, gab - die jüngste Eskalation zeigt aus seiner Sicht: Es braucht noch viel mehr.

"Nicht nur die militärische Zusammenarbeit zwischen Taiwan und den USA muss vertieft werden. Sie muss Standard werden, und das könnte eine (amerikanische) Truppenstationierung auf der Insel beinhalten, und eine langfristige Positionierung amerikanischer Marinekonvois", betont Song Guo-cheng im Fernsehender TVBS.

Angesichts der Eskalation mahnt er zur Eile: "Wir müssen selbst unsere Kriegsvorbereitungen ausbauen. Wir brauchen sofort eine Strategie der asymmetrischen Verteidigung. Egal ob als Igel oder Stachelschwein, wir müssen die Angreifer wissen lassen, was sie ihr Krieg kosten würde."

Dahinter steht die Hoffnung, dass sich China von Taiwan abwenden würde - so wie ein Adler, der eine Maus fallen lässt und dann den Appetit verliert. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus.

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. August 2022 um 12:00 Uhr.