Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva auf dem Klimagipfel COP27 in Sharm El-Sheikh, 16. November 2022.  | EPA

Konferenz in Ägypten Warum stocken die Klimaverhandlungen?

Stand: 17.11.2022 09:40 Uhr

Die Verhandlungen auf dem 27. Weltklimagipfel im ägyptischen Sharm El-Sheikh kommen nicht voran. Während Brasiliens künftiger Staatschef Lula da Silva wie ein Popstar gefeiert wird, bremsen China und Saudi-Arabien.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Annalena Baerbock weiß: Allzu bald kommt sie aus Sharm el Sheikh nicht mehr weg: "Ich hab jedenfalls meinen Koffer nicht auf Freitagnachmittag gepackt, das sind ja die Erfahrungen die man schon mal gemacht hat." Die Verhandlungen ziehen sich mal wieder, es scheint derzeit kaum voranzugehen. Und demnach ist es unwahrscheinlich, dass die Weltklimakonferenz pünktlich am 18. November endet.

Anna Osius ARD-Studio Kairo

Dass Außenministerin Baerbock nun bilaterale Gespräche mit verschiedenen Ländern plant, ist kein Zufall: Beobachter sprechen von einer schwierigen Verhandlungsphase - einige Länder scheinen derzeit beim Klimaschutz und beim Thema klimabedingte Schäden und Verluste kräftig zu blockieren. "Wir wissen, dass es Länder gibt, die das anders sehen", sagt Baerbock. Länder, die das auch aus Eigeninteresse anders sähen. "Leider sind wir noch nicht da, wo wir am Ende hinkommen wollen."

China und Saudi-Arabien blockieren

Unter anderem China und Saudi-Arabien sollen Beobachtern zufolge Blockierer des Prozesses sein. Bei den aktuellen Verhandlungen geht es vor allem um die Einhaltung des angestrebten 1,5-Grad-Ziels bei der Erderwärmung - und um den Streitpunkt klimabedingter Schäden und Verluste.

Arme Länder fordern von reichen Ländern Ausgleichszahlungen, wenn sie durch den Klimawandel Schäden erleiden. Deutschland macht sich in diesem Bereich stark, verhandelt mit allen Seiten. Aber ob es am Ende eine Lösung, eine eigene Kasse dafür geben wird?

Lassen sich Deutschland und die EU instrumentalisieren?

Die Antwort weiß Baerbock nicht: "Ich weiß nicht, ob sie kommen wird und ob das jetzt der richtige Moment ist." Zurückhaltung statt Euphorie - so richtig weiter scheinen die Gespräche bislang nicht zu kommen. Ja, Deutschland und die EU wollten über das Thema reden, so Baerbock, und, ja, sie wüsste, dass andere Länder das instrumentalisieren würden. Das würde sie auch so deutlich sagen.

Optimismus klingt anders. Manche Länder denken offenbar nur an den eigenen Gewinn. Um wenigstens noch ein bisschen Klimaschutz-Hoffnung walten zu lassen, wiederholt die deutsche Verhandlungsführung fast wie schon ein Mantra den fest geplanten deutschen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas. Baerbock: "Für Deutschland gilt: Wir werden aus den Fossilen bis 2045 raus sein, das gilt auch für unsere Importe."

Umweltschützer warnen vor Gas aus Afrika

Doch Umweltschutzorganisationen sehen das anders: So habe sich Bundeskanzler Olaf Scholz beispielsweise für Gasförderprojekte im Senegal ausgesprochen, schimpfen Aktivsten wie etwa von der Organisation "Don't Gas Africa":

Gasinvestitionen in Afrika helfen den Menschen vor Ort nicht. Es ist bekannt, dass Deutschland durch Afrika fährt und Gasdeals abschließt. Ist das die Art wie Deutschland Afrika helfen will, sich zu entwickeln?

Lula da Silva wird wie ein Popstar gefeiert

Doch es gibt auch neue Hoffnungsträger im Bereich des Klimaschutzes: Der neu gewählte brasilianische Präsident Lula da Silva, der im Januar sein Amt antritt, wurde auf der Konferenz fast wie ein Popstar gefeiert. Für seine kämpferische Rede erntete er am Abend viel Applaus - Lula will den Regenwald retten und Brasilien völlig neu aufstellen: "Es gibt keine Klimasicherheit für die Welt ohne einen Schutz des Amazonas. Wir werden alles tun, um die Entwaldung und Zerstörung bis 2030 auf null zu senken."

Deutschland kündigte an, nach dem Amtsantritt Lula da Silvas die bislang eingefrorenen Waldhilfen für Brasilien wieder zugänglich zu machen. Brasilien möchte die 30. Weltklimakofnerenz im Jahr 2025 ausrichten.

Aktivisten fordern Politik zum Handeln auf

Unser Planet stirbt, rufen die Aktivsten, die symbolisch versuchen, eine Weltkugel wiederzubeleben. Es sind Ärzte und Krankenschwestern aus der ganzen Welt, die sich auf der Weltklimakonferenz zusammengefunden haben, um vor den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zu warnen.

Es müsse endlich etwas passieren, fordern die Aktivsten - die Politiker sollen jetzt handeln. Doch genau das scheint momentan auf der Weltklimakonferenz noch in weiter Ferne sein - eine wirkliche Rettung des Patienten Erde.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. November 2022 um 06:28 Uhr.