In Fahrzeug der israelischen Armee steht vor einer Moschee in Nablus, Westjordanland.  | AFP

Razzia im Westjordanland Israel tötet Anführer der Al-Aksa-Brigaden

Stand: 09.08.2022 11:24 Uhr

Israel hat bei einem Militäreinsatz im Westjordanland ein führendes Mitglied der militanten Al-Aksa-Brigaden getötet. Nach palästinensischen Angaben kamen bei dem Angriff zwei weitere Palästinenser ums Leben, etwa 40 Menschen wurden verletzt.

Israel hat bei einem Militäreinsatz im Westjordanland ein führendes Mitglied der Al-Aksa-Brigaden getötet. Ibrahim al-Nablusi sei für eine Reihe von Anschlägen auf israelische Soldaten in der Gegend verantwortlich gewesen, teilten der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet sowie das Militär übereinstimmend mit. Bei der versuchten Festnahme seien auch Sprengsätze und weitere Waffen gefunden worden. Zudem sei ein weiteres Mitglied der militanten Organisation getötet worden.

Auch das palästinensische Gesundheitsministerium bestätigte den Tod von Al-Nablusi. Außerdem seien zwei weitere Menschen getötet und etwa 40 Personen durch Schüsse verletzt worden.

Furcht vor weiterer Konfrontation

Israelische Armee und Palästinenser beschossen sich in der Altstadt von Nablus, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Angesichts der Auseinandersetzungen brachte die israelische Armee den Verkehr in Nablus, einer der größten Städte im Westjordanland, zum Stillstand. Es wird befürchtet, dass die Tötung von Al-Nablusi zu weiteren Konfrontationen führen könnte.

Die Al-Aksa-Brigaden sind der militärische Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Es handelt sich jedoch um ein lockeres Netzwerk ohne klare Hierarchie; örtliche Gruppierungen agieren oft eigenständig.

Weitere Zusammenstöße im Westjordanland

Auch in anderen Teilen des Westjordanlands gab es Zusammenstöße zwischen der israelischen Armee und Palästinensern. Der Rote Halbmond erklärte, mindestens 30 Palästinenser seien dabei verletzt worden. Mindestens einer von ihnen befinde sich in einem ernsten Zustand. Die israelische Armee erklärte, Palästinenser hätten ihre Soldaten mit Steinen und Sprengsätzen beworfen. Die Soldaten seien jedoch unverletzt geblieben.

In den vergangenen Monaten gab es fast täglich Einsätze der israelischen Armee im Westjordanland. Dabei hatte die Armee insbesondere Kämpfer der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad im Visier. Mindestens 57 Palästinenser wurden seit Ende März im Westjordanland getötet.

Bomben auf Gaza, Raketen auf Israel

Zuletzt hatte die israelische Armee Ziele des Islamischen Dschihad im Gazastreifen bombardiert. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben 46 Menschen getötet, darunter 16 Kinder, und 360 weitere verletzt. Als Reaktion auf die Luftangriffe feuerte der Islamische Dschihad daraufhin nach Militärangaben mehr als 1000 Raketen auf israelische Ortschaften.

Der Einsatz gegen den Dschihad im Gazastreifen ist als Fortsetzung einer Kampagne im Westjordanland zu sehen, die schon seit Monaten andauert. Seit einer Serie von Anschlägen in Israel im Frühjahr, bei der nach israelischen Angaben 19 Menschen starben, führt die Armee dort verstärkt Anti-Terror-Einsätze durch.

Ägypten vermittelt Waffenruhe

Nach dreitägigen Kämpfen einigten sich Israel und der Islamischer Dschihad im Gazastreifen unter Vermittlung Ägyptens zuletzt auf eine Waffenruhe. Das israelische Militär hatte die Militäraktion "Morgengrauen" mit Luftangriffen gegen den Dschihad im Gazastreifen gestartet. Während der Operation wurden zwei Dschihad-Militärchefs getötet.

Die vermittelte Waffenruhe scheint seither zu halten. Israel behielt sich aber das Recht vor, im Falle einer Verletzung der Feuerpause "entschlossen zu antworten". Der Islamische Dschihad erklärte ebenfalls seine Bereitschaft zur Reaktion auf "jedwede Aggression".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2022 um 12:00 Uhr.