Ein Kind bekommt seine erste Corona-Impfung  in Tel Aviv.  | REUTERS

Covid-Impfungen in Israel Nun kommen die Kinder an die Reihe

Stand: 23.11.2021 04:38 Uhr

Israel versucht, sein hohes Tempo bei Impfungen beizubehalten. Ab heute können auch Kinder geimpft werden. Doch die Maßnahme ist umstritten, viele Eltern sind skeptisch.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Das Mädchen wirkt ängstlich beim Piks in den Oberarm. Die Mutter sitzt daneben und versucht die Tochter zu beruhigen. Israels größte Krankenkasse, Clalit, impfte schon am Tag vor dem offiziellen Beginn die ersten Kinder von Versicherten. 

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Die vier gesetzlichen Kassen des Landes, die über eigenes medizinisches Personal verfügen, organisieren auch diese Impfkampagne und bemühten sich im Vorfeld in vielen Interviews, den Eltern Sorgen zu nehmen.

Doron Droschnitzki, Experte für Kindermedizin bei der Leumit-Krankenkasse, sagte dem Sender Kanal 12, man dürfe natürlich Angst haben und zweifeln. Man müsse den Haus- oder Kinderärzten alle Fragen stellen, diese würden die nötigen Antworten geben. Denn, so Droschnitzki: "Die Gefahr einer fünften Welle ist real, und deshalb müssen wir vorbereitet sein."

Die Jüngsten schützen

Rund 1,2 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren gibt es in Israel. Im September, auf dem Höhepunkt der vierten Corona-Welle, als auch das neue Schuljahr begann, wurden fast 60.000 von ihnen positiv auf das Virus getestet.

Diese Zahlen führen die Experten an, wenn sie nun versuchen, skeptische Eltern zu überzeugen, von denen es viele im Land gibt. In Umfragen in den vergangenen Wochen gaben nur 40 bis 50 Prozent der befragten Eltern an, ihre Kinder impfen lassen zu wollen.

Einer, der nicht zögert, ist Ministerpräsident Naftali Bennett. Er kündigte schon vor einigen Tagen an, seinen neun Jahre alten Sohn David impfen zu lassen. Es sei "natürlich die Entscheidung der Eltern", räumte er ein, "aber ich fordere sie auf: Denken Sie an die Gesundheit ihrer Kinder und lassen sie sie impfen." Sei jüngster Sohn David jedenfalls werde "sicher so schnell wie möglich geimpft".

Die Experten versuchen, zu erklären

Dass Appelle wie dieser zögernde Eltern überzeugen, darf bezweifelt werden. Ein Berater-Gremium der Regierung aus mehr als 70 Experten sprach sich vor einigen Wochen mit breiter Mehrheit für die Kinder-Impfungen aus. Die Vorteile der Impfungen überwögen mögliche Risiken erklärten die Experten.

Das dürfte viele Eltern nicht überzeugen. Dabei sei es wichtig, die Kinder so schnell wie möglich zu impfen, erklärte Tami Elkalai von der Maccabi-Krankenkasse im Kanal 12-Interview. Je länger jetzt gewartet werde, desto schwerer werde es, eine weitere Welle zu beherrschen. Deswegen, so Elkalai, "muss der Zeitpunkt früh gesetzt werden. Das haben wir auch bei den Auffrischungsimpfungen der Erwachsenen gesehen."

Den Booster-Erfolg fortschreiben

Israel begann bereits im Sommer mit den Booster-Impfungen und sie sind, aus Sicht der Regierung, maßgeblich dafür verantwortlich, dass die vierte Corona-Welle gebrochen werden konnte. Die Impfquote insgesamt liegt aber weiterhin unter 70 Prozent. Das liegt unter anderem an der jungen Durchschnittsbevölkerung in Israel.

Auch deshalb kommt den Impfungen der Kinder eine besondere Bedeutung zu. Wenn sehr viele in der Altersgruppe 5 bis 11 nun geimpft werden, könnte das Land dem Ziel der Herdenimmunität näher kommen. Angesichts der großen Skepsis vieler Eltern sieht es danach aber momentan eher nicht aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. November 2021 um 06:00 Uhr.

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Moderation 23.11.2021 • 08:28 Uhr

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