Passanten auf einer Straße in der iranischen Hauptstadt Teheran. | EPA

Neuer Höchststand Fast 40.000 Neuinfektionen im Iran

Stand: 08.08.2021 18:51 Uhr

Noch nie seit Beginn der Pandemie war die Zahl der Neuinfektionen und der Corona-Toten im Iran so hoch. Die Delta-Variante bringt Krankenhäuser an Kapazitätsgrenzen. Die Impfkampagne kommt nur schleppend voran.

Der Iran verzeichnet neue Höchststände in der Corona-Pandemie. Das Gesundheitsministerium in Teheran meldete 542 Todesfälle und fast 40.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Die Zahl der Toten war damit höher als auf dem Höhepunkt im vergangenen November. Mit insgesamt 4,1 Millionen nachgewiesenen Infektionen und 94.000 Corona-Toten ist der Iran das Land mit den höchsten Werten im Nahen Osten. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Dunkelziffer noch höher liegt.

Ursache des rapiden Anstiegs an Neuinfektionen ist die Delta-Variante des Virus. Das brachte auch Krankenhäuser und Pflegepersonal an die Grenzen. In vielen Städten sind die Intensivstationen und Notaufnahmen mit neuen Corona-Patienten überfüllt, noch nie gab es so viele in kritischem Zustand. Allein am Sonntag wurden weitere 6462 schwere Fälle gemeldet.

Regierung verweigert den Lockdown

Das Gesundheitsministerium hatte letzte Woche einen zweiwöchigen Lockdown gefordert und auch der Oberste religiöse Führer Ayatollah Ali Khamenei, der in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort hat, wies Beamte an, die Möglichkeit eines vollständigen Lockdowns des Landes zu diskutieren. Die Regierung zögerte bisher, eine solche Maßnahme umzusetzen, da sie den Schaden für die Wirtschaft fürchtet, die unter den jahrelangen amerikanischen Sanktionen zu leiden hat.

Auch die nur schleppend verlaufende Impfkampagne des Irans hat bisher keine Erleichterung gebracht. Lediglich 3,3 Prozent der Gesamtbevölkerung von etwa 80 Millionen Menschen sind vollständig geimpft. Das geht aus Regierungsquellen hervor, die vom Projekt Our World in Data der Universität Oxford zusammengestellt wurden.

Erst knapp drei Prozent der Bevölkerung geimpft

Der Iran setzt dabei auf ein Vakzin aus heimischer Entwicklung, COVIran Barekat. Damit wurde am Sonntag auch der neue Präsident des Landes, Ebrahim Raisi, geimpft. Er erhielt eine erste Dosis des Impfstoffs und forderte die Gesundheitsbehörden auf, die Impfungen zu beschleunigen, bevor das Winterwetter einsetze, wie staatliche Medien berichteten.

Der Iran ist von der Corona-Pandemie besonders hart betroffen, auch weil US-Sanktionen die Wirtschaftskrise verschärft und die Einfuhr von Impfstoffen erheblich erschwert haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. August 2021 um 18:00 Uhr.