Rückkehrer aus Belarus auf dem irakischen Flughafen Erbil | dpa

Rückkehr aus Belarus in den Irak "Jetzt sind unsere Träume zerstört"

Stand: 19.11.2021 05:06 Uhr

Sie wollten der Armut im Irak entkommen oder ihr Kind medizinisch behandeln lassen - aber an der belarusisch-polnischen Grenze war für sie Schluss. Rückkehrer erzählen von ihren Erfahrungen.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio Kairo

Hunderte Irakerinnen und Iraker, unter ihnen viele kurdischer Abstammung, verlassen den Ankunftsbereich des Flughafens von Erbil, der Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion des Irak. Manche haben einen Koffer auf dem Rollwagen, andere nur Tüten bei sich. 432 Irakerinnen und Iraker hat Iraqi Airways von Belarus zurück in den Irak gebracht, die meisten nach Erbil, nur wenige fliegen weiter nach Bagdad.

Udo Schmidt

Sie sind froh, den furchtbaren Zuständen an der belarussisch-polnischen Grenze entkommen zu sei, aber eine glückliche Ankunft ist es trotzdem nicht. Falah Mahmoud ist einer der Zurückgekehrten. "Warum hast Du den Irak verlassen?", fragt ihn ein ARD-Mitarbeiter.

"Wir sind wegen der Umstände weg." Es sei nicht mehr wie in den Neunzigern, in denen der Vater das Geld für die Familie verdienen konnte. "Mein Sohn zum Beispiel ist 17 und findet keine Arbeit."

"Von allen betrogen worden"

Nein, fügt Falah Mahmoud hinzu, mit Politik habe er nichts zu tun, deswegen sei er nicht geflüchtet. In Belarus sei es furchtbar gewesen: "Wir sind von allen betrogen worden, von den Schmugglern an der Grenze und von der belarusischen Regierung. Wir durften nicht mal den Wald verlassen." Dann habe man sie an die Grenze zu Polen geschickt, von dort hätte sie wieder zurückgemusst.

Alle haben eine ähnliche Geschichte zu erzählen. Die Geschichte der Flucht und die Geschichte vom Scheitern, vom Ende der Hoffnungen, wie Abdullah Ahmed sagt: "Wir haben ein Visum für Belarus bekommen und sind los." Dann hätten sie gehört, dass sie weiter nach Europa könnten, um eine bessere Zukunft aufzubauen und seien an die Grenze gegangen. "Jetzt sind alle unsere Träume zerstört."

Viele haben im Wald gelebt, ganz knapp nur überlebt. Majid Hassan etwa: "Ich habe mich etwa zehn Tage im Wald aufgehalten. Bis ich sehr krank wurde. Ich war allein, jetzt bin ich wieder zurück." Sie hätten nichts mehr gehabt, kein Trinkwasser, an der polnischen Grenze seien sie zurückgeschickt worden.

Pläne wie es weitergehen soll, haben die wenigsten. Zumindest wollen sie nicht darüber reden.

"Ich werde es wieder versuchen"

Shereen Shaker erzählt dem ARD-Studio Kairo, dass sie wegen ihrer kranken Tochter aus dem Irak geflohen sei, nicht weil sie sich politisch verfolgt gefühlt habe. Ihr Kind brauche eine Behandlung, die es im Irak nicht gebe, auch nicht im kurdischen Teil des Irak. Hilfe gebe es nur in Deutschland.

"Ich werde es wieder versuchen", sagt sie noch, bevor sie in einen Bus steigt. "Obwohl ich jetzt 25.000 Dollar ausgegeben habe, um meine Tochter zu retten", fügt sie schnell hinzu und startet ohne Geld in eine ungewisse Zukunft.

Über dieses Thema berichtete BR24 Aktuell am 19. November 2021 um 06:35 Uhr.

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Moderation 19.11.2021 • 11:11 Uhr

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