Polizisten stehen vor dem Zivil- und Sitzungsgericht in Ahmedabad (Indien). | EPA

Nach Anschlägen von 2008 Indien verurteilt 38 Menschen zum Tode

Stand: 18.02.2022 13:48 Uhr

Ein indisches Gericht hat 38 Islamisten wegen einer Anschlagsserie von 2008 zum Tod verurteilt. Weitere elf erhielten lebenslange Haftstrafen. Es ist das erste Mal, dass so viele Menschen in einem Fall die Todesstrafe erhielten.

Ein Gericht in Indien hat 38 Menschen im Zusammenhang mit einer Serie von Bombenanschlägen im Jahr 2008 zum Tode verurteilt. Elf weitere Menschen wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, sagte Staatsanwalt Amit Patil.

Es ist das erste Mal in Indien, dass so viele Menschen in einem Fall zum Tode verurteilt wurden. Indien vollstreckt die Todesstrafe zumeist nur in Fällen von schweren Terroranschlägen. Die Verurteilten können bei höheren Gerichten Berufung einlegen.

Insgesamt waren 78 Menschen wegen der Anschlagsserie vor einem Sondergericht angeklagt worden. 49 von ihnen wurden bereits am 8. Februar für schuldig befunden. Das Gericht hörte in knapp zehn Jahren mehr als 1000 Zeuginnen und Zeugen an und sprach schließlich 28 Angeklagte frei. Eine Anklage wurde fallengelassen.

56 Menschen bei Anschlägen getötet

Bei den Anschlägen im Juli 2008 wurden innerhalb von rund 70 Minuten mit rund 20 Bomben 56 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt. Die Bomben detonierten an verschiedenen Orten in der Stadt Ahmedabad im Bundesstaat Gujarat, darunter in Bussen und Autos sowie in zwei Krankenhäusern, wohin Verletzte gebracht worden waren. Die militant-islamistische Gruppe Indian Mujahideen hatte damals in E-Mails an mehrere Medien Verantwortung für die Anschläge übernommen.

Im Bundesstaat Gujarat gab es schon mehrfach Gewalt zwischen der hinduistischen Mehrheitsbevölkerung und Muslimen, der größten religiösen Minderheit. Nach Polizeiangaben planten auch die nun Verurteilten die Bombenanschläge als Antwort auf Unruhen im Jahr 2002, bei denen mehr als 1000 Menschen, vorwiegend Muslime, getötet wurden. Dem damaligen Regierungschef des Bundesstaates Gujarat und heutigen Premierminister Indiens, Narendra Modi, wurde vorgeworfen, damals nichts gegen die Gewalt der Hindus unternommen zu haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2022 um 12:00 Uhr.