Patrick Lam (l), Herausgeber der Online-Publikation "Stand News", wird von Polizeibeamten in einen Lieferwagen eskortiert, nachdem sie in seinem Büro Beweismaterial durchsucht haben. | dpa

Nach Razzia in Hongkong "Stand News" stellt den Betrieb ein

Stand: 29.12.2021 13:05 Uhr

Bei einer Razzia in Hongkong hat die Polizei sechs Journalisten und ehemalige Mitarbeiter der Nachrichtenseite "Stand News" festgenommen. Das Onlinemedium sieht sich gezwungen, den Betrieb einzustellen.

Von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai

Es ist sechs Uhr morgens. Auf Online-Videos ist zu sehen, wie Polizistinnen und Polizisten der Nationalen Sicherheitsbehörde in Hongkong einen Redakteur der Nachrichtenseite "Stand News" zum Verhör bringen. Chan Long Shing ist gleichzeitig Vorsitzender der Hongkonger Journalistenvereinigung. Während er am Mittag wieder freigelassen wurde, werden sechs seiner Kollegen und ehemalige Mitarbeiter des pro-demokratischen Online-Magazins weiter von der Polizei festgehalten.

Eva Lamby-Schmitt ARD-Studio Shanghai

Bei den Festgenommenen handelt es sich um aktuelle und ehemalige Chefredakteure des Magazins und um Personen aus dem ehemaligen Vorstand. Wie chinesische Staatsmedien berichten, werden sie verdächtigt, aufrührerische Texte veröffentlicht und dafür eine Plattform geschaffen zu haben.

Die Hongkonger Regierung hat nach Angaben der Polizei das Vermögen des Medienunternehmens eingefroren - umgerechnet fast sieben Millionen Euro. "Stand News" selbst hat derweil angekündigt, den Betrieb einzustellen. Demnach wird das Magazin im Laufe des Tages alle Inhalte auf der Webseite und in den Sozialen Medien entfernen.

"Krieg gegen den unabhängigen Journalismus"

Ein Schock, sagt Cedric Alviani von Reporter ohne Grenzen in Ostasien. Das Magazin "Stand News" wurde erst im November von der Nichtregierungsorganisation für den Preis für Pressefreiheit 2021 nominiert - in der Kategorie Unabhängigkeit.

"'Stand News' in Hongkong ist ein sehr wichtiges, unabhängiges Medium", sagt Alviani. "Das Problem ist, dass es heutzutage in Hongkong wie auch in Festlandchina bei den Behörden als Verbrechen gilt, dass Reporter berichten, was passiert. Es ist ein Krieg gegen den unabhängigen Journalismus. Offensichtlich tolerieren sie nicht, dass Medien Dinge berichten, die nicht ins Narrativ passen."

Reporter ohne Grenzen fordert eindringlich von den demokratischen Staaten, die Journalisten in Hongkong nicht alleine zu lassen. Seitdem die chinesische Zentralregierung im vergangenen Jahr das sogenannte Sicherheitsgesetz für Hongkong beschlossen hat, gehen die Behörden in der eigentlich autonom regierten Sonderverwaltungsregion hart gegen Aktivisten und Journalisten vor.

Auslandskorrespondenten zeigen sich besorgt

"Wir wissen, wir sind gerade zwischen den Feiertagen, aber es ist sehr wichtig, dass demokratische Staaten auf die Festnahmen reagieren und dass sie der chinesischen Regierung und der Regierung in Hongkong signalisieren, dass sie es nicht tolerieren werden, wenn die Pressefreiheit in und außerhalb Chinas attackiert wird", so Alviani.

Auch der Foreign Correspondents Club in Hongkong, ein Zusammenschluss von Auslandskorrespondenten in der Stadt, zeigt sich zutiefst besorgt. Nach der inzwischen aufgelösten Zeitung "Apple Daily" ist "Stand News" ein weiteres großes Medienunternehmen in Hongkong, gegen das die Behörden vorgehen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 29. Dezember 2021 um 12:14 Uhr.