Eine goldene Oscarstatue steht vor einem Banner mit der Aufschrift "Academy". | AP

Verleihung wird nicht gezeigt Keine Oscars in Hongkong

Stand: 29.03.2021 12:57 Uhr

Internationales Kino spielt in Hongkong eine wichtige Rolle. Doch die diesjährige Oscar-Verleihung soll nicht gezeigt werden. Grund dürfte ein nominierter Film sein, der Chinas Regierung nicht passt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Angedeutet hatte sich der Schritt seit Wochen, nun ist es offiziell: Erstmals seit mehr als 50 Jahren wird die Oscar-Verleihung dieses Jahr in Hongkong nicht im Fernsehen zu sehen sein. Und das, obwohl internationales Kino im Kulturleben der früheren britischen Kolonie traditionell eine große Rolle spielt.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Offiziell ist die Wirtschaft der Grund

Der Hongkonger Sender TVB, der die Oscar-Gala seit Ende der 1960er-Jahre jedes Jahr übertragen hat, sagte der Zeitung "The Standard", die Entscheidung, die Verleihung der wichtigsten Filmpreise der Welt Ende April nicht zu zeigen, habe rein wirtschaftliche Gründe. Der eigentliche Grund dürfte aber sein, dass mit "Do Not Split" eine regimekritische Doku für einen Oscar nominiert wurde. Die 35-minütige Produktion geht ins Rennen um den Preis für die beste Kurz-Dokumentation. Der norwegische Dokumentarfilmer Anders Sømme Hammer beschreibt in dem Film die Vorgänge während der Pro-Demokratie-Demonstrationen in Hongkong vor zwei Jahren.

Zu Wort kommt darin unter anderem eine junge Hongkongerin, die im Herbst 2019 auf die Straßen ihrer Heimatstadt ging, um gegen den wachsenden Einfluss der kommunistischen Zentralregierung in Peking zu protestieren.

Chinas Staats- und Parteiführung macht seit Wochen Stimmung gegen den Film - sowohl über die staatlichen Medien, als auch verdeckt. Unter anderem die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte Anfang März berichtet, dass die Kommunistische Partei Druck auf die Medien Hongkongs macht, damit diese nicht über die Oscar-Chancen für den Kurzfilm berichten.

China schränkt Rechte in Hongkong stark ein

Das passt ins Bild: Politischer Druck und Selbstzensur haben in der chinesischen Sonderverwaltungsregion massiv zugenommen. Chinas Staats- und Parteiführung hat die Autonomierechte der früheren britischen Kolonie in den vergangenen Monaten in vielen Lebensbereichen de facto abgeschafft. Das in der Verfassung der eigentlich autonom regierten Stadt garantierte Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit wurde von China weitgehend ausgehebelt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. März 2021 um 15:12 Uhr.