Der russische Präsident Wladimir Putin mit seinem iranischen Amtskollegen Ebrahim Raisi und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan. | via REUTERS

Putin und Erdogan zu Gast in Teheran Offene Differenzen beim Dreiergipfel

Stand: 20.07.2022 05:01 Uhr

Russlands Präsident Putin hat sich mit seinen iranischen und türkischen Amtskollegen in Teheran getroffen. Dort wollte die Dreierkonstellation Einigkeit demonstrieren - doch beim Thema Syrien wurden Differenzen deutlich.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Viele im Westen würden sagen: Die bösen Jungs waren unter sich - gestern in Teheran. Der russische Präsident Putin, der die Ukraine angegriffen hat, sein iranischer Amtskollege Raisi und der Oberste Führer Khamenei, deren Land angeblich an einer Atombombe baut, und der problematische NATO-Partner Erdogan.

Karin Senz ARD-Studio Istanbul

Aber dass zwischen ihnen nicht pure Harmonie herrscht, zeigt sich schon gestern Morgen. Da empfängt Khamenei Erdogan. Der türkische Präsident will von seinen Partnern im Astana-Format, wie die Dreierkonstellation aus Russland, dem Iran und der Türkei zu Syrien heißt, ein OK für seine neue Offensive in Nordsyrien.

Daraus wird nichts. Laut Khameneis Webseite habe er ihm gesagt, ein solcher Militäreinsatz wäre schädlich für Syrien, die Türkei und die Region. Erdogan scheint das wenig zu beeindrucken. Am Abend erklärt er noch in Teheran: "Wir erwarten von unseren Astana-Partnern, dass sie unsere Bemühungen, für Stabilität in Syrien zu sorgen, ehrlich unterstützen."

Uneinigkeit bei türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien

Erdogan und Chamenei sitzen auf Distanz auf kargen Holzstühlen, einzige Deko ist ein Bild vom früheren Revolutionsführer Chomeini an der Wand und eine iranische Flagge - keine türkische - zumindest nicht zu sehen. Der russische Präsident Putin sitzt wenige Stunden später in der selben schmucklosen Szenerie.

Erdogan will, wie schon bei früheren Offensiven in Nordsyrien, gegen die Kurdenmiliz YPG vorgehen, die er für den syrischen Ableger der kurdischen PKK in der Türkei hält. Beide sind für ihn gefährliche Terrororganisationen.

Er beschwert sich am Abend in der Dreierrunde: "Von Euch Freunden hören wir immer wieder, dass Ihr die Sicherheitsbedenken der Türkei würdigt. Dafür bin ich auch dankbar. Aber Worte allein heilen keine Wunden. Dass die Terrororganisationen PKK und YPG mindestens 30 Kilometer Abstand zur türkischen Grenze halten, ist eine Voraussetzung, die vor einiger Zeit vereinbart wurde." Der türkische Präsident sieht diese Voraussetzung nicht erfüllt und besteht auf einen Angriff.

Putin will Geschlossenheit demonstrieren

Aber auch Putin lässt über seinen Sprecher mitteilen, man lehne einen türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien ab. Selbst gibt er sich deutlich versöhnlicher: "Ich bin zuversichtlich, dass unsere Länder stärker zusammenarbeiten werden, wenn es darum geht, letzte Brutstätten des internationalen Terrorismus auf syrischem Territorium zu beseitigen. Die Präsenz der Terrormiliz IS und anderer extremistischer Gruppen in Syrien muss für immer beendet werden."

Die YPG nennt er nicht. Für Putin scheint es wichtig, trotz der Differenzen Geschlossenheit zu demonstrieren. Versucht doch der Westen ihn wegen seines Angriffs auf die Ukraine zu isolieren. Da kommt es ihm recht, sich mit einem NATO-Mitglied zu zeigen. Und Erdogan nennt ihn an einer Stelle sogar explizit "verehrten Freund".

Der iranische Präsident Raisi betont, was sich später in einer Abschlusserklärung zum Teheraner Dreiergipfel in ähnlicher Form findet. Es sei notwendig, die territoriale Unversehrtheit und Integrität, die Achtung der nationalen Souveränität und Unabhängigkeit der Arabischen Republik Syrien zu wahren, heißt es darin. "Das Schicksal dieses Landes darf nur sein Volk selbst im syrisch-syrischen Dialog und ohne ausländische Einmischung bestimmen."

Gazprom investiert Milliarden im Iran

Greifbarer sind da schon diverse Abkommen, beispielsweise in Sachen Wirtschaft, die die Türkei und der Iran unterschreiben. Und Putin bringt die frohe Botschaft einer satten Investition mit nach Teheran. Mit 40 Milliarden Dollar will der russische Konzern Gazprom iranische Gas- und Ölfelder entwickeln.

Wobei - schon bald soll da nicht mehr Dollar stehen. Chamenei fordert, die US-Währung solle langsam aus dem Welthandel verschwinden. Demonstrativ führt der Iran gestern den Rubel für Devisenmakler ein. Das Signal der Drei in Teheran in Richtung Westen ist klar: Wir können auch ohne Euch.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juli 2022 um 06:30 Uhr.