Die Jacht "Madame Gu" | AFP

Russische Oligarchen in den VAR "Dubai stellt keine Fragen"

Stand: 03.05.2022 16:32 Uhr

In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind russische Oligarchen trotz des Krieges willkommen: Sie müssen keine Sanktionen fürchten, der Luftraum ist offen - gezahlt werden kann, wie es bequem ist.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo, zurzeit Dubai

Es sind die Objekte der absoluten Luxusklasse, die jetzt für Rekordpreise weggehen: acht Schlafzimmer, Terrasse mit Meerblick, Garten, Swimmingpool. In den Bestlagen von Dubai wie der künstlichen Insel "Palm Jumeirah" sollen nur noch fünf bis sechs solcher Villen auf dem Markt sein, sagt der Immobilienmakler Kas Syed. Vor allem russische Investoren griffen in großem Maßstab zu.

Daniel Hechler ARD-Studio Kairo

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine seien Luxusimmobilien in der Glitzermetropole der Vereinigten Arabischen Emirate im Preis um etwa 50 Prozent gestiegen, einige gar um 100 Prozent. Erst kürzlich habe ein Investor für eine opulente Villa 70 Millionen Euro hingeblättert. "Das Problem ist nicht die Nachfrage, sondern das Angebot", sagt Kas Syed. "Das ist sehr beschränkt, was offensichtlich auf die Preise durchschlägt."

Sicherer Hafen für dubioses Geld

Die Emirate gelten schon länger als sicherer Hafen für Geld aus dubiosen Quellen. Zwar hat der Staatenbund die Regeln für Geldwäsche in den vergangenen Jahren verschärft. In der Praxis aber scheinen die Schlupflöcher zahlreich, Kontrollen rar.

Makler Kas Syed jedenfalls akzeptiert so ziemlich alle erdenklichen Zahlungsformen: "Sie können in jeder Währung zahlen, die sie wollen: Dirhams, Dollar, Krypto-Währung, online-Überweisungen. Sie können auch Tauben schicken. Wir akzeptieren es." Wohl auch deshalb landeten die Emirate im März auf der "Grauen Liste" der Organisation zur Bekämpfung von Geldwäsche FATF.

Nun erlebt Dubai einen Boom: Oligarchen aus dem Umfeld von Kremlchef Wladimir Putin sind in den Emiraten willkommen, solange sie das nötige Kleingeld mitbringen. In wenigen Wochen sollen sie fast 300 Millionen Euro in Dubai investiert haben. Syeds Kollegin Jennifer Soltanpour verspricht absolute Diskretion: "Dubai stellt keine Fragen. Jeder ist willkommen. Keiner muss sich vor irgendetwas fürchten. Es ist für jeden offen."

Enge Bande zwischen den Emiraten und Russland

Im Westen werden die Konten russischer Oligarchen eingefroren, Villen und Jachten beschlagnahmt. In den Emiraten gelten solche Sanktionen nicht: Hier können sie unbesorgt auf Einkaufstour gehen, der Luftraum ist offen für russische Jets. Wer eine Immobilie für 1,4 Millionen kauft, erhält ein Fünfjahres-Visum.

Wirtschaftlich sind die Emirate und Russland eng verflochten. Der Staatenbund hat in Russland etwa drei Milliarden Euro investiert. Auch im Energiesektor kooperieren beide eng. Wohl auch deshalb verhalten sich die Emirate im Krieg gegen die Ukraine neutral, wollten im UN-Sicherheitsrat Russlands Angriffskrieg nicht verurteilen.

Das eröffnet Maklern wie Kas Syed ungeahnte Möglichkeiten. Seit Wochen steht sein Telefon nicht mehr still. Gut ein Drittel mehr Anfragen erreichten ihn. Im Büro arbeiten sie am Limit. Noch aber sei der Ansturm zu bewältigen.

"Jachten im Überfluss"

Irina Ustina kam vor zwei Monaten aus Moskau nach Dubai und entschloss sich kurzerhand zu bleiben. Die 33-jährige Unternehmerin ist eine von etwa 40.000 Russinnen und Russen in den Emiraten. Bald schon dürften es weit mehr sein.

Nun sucht sie nach vielversprechenden Investitionsmöglichkeiten in ihrer neuen Heimat. Kas Syed steht ihr zur Seite, begleitet sie zum Jachthafen, führt sie auf ein elegantes Schiff. Neben Immobilien ein weiteres Spielfeld für vermögende Investoren.

"Es gibt Jachten im Überfluss. Alles von sechs bis 25 Metern ist verfügbar und kann überall gekauft werden", versichert Syed.

Die Jacht "Titan" des russichen Milliardärs Alexander Abramow im Hafen von Dubai. | AFP

Der Wert des Jacht "Titan" des russischen Milliardärs Abramow wird auf 100 Millionen Euro geschätzt - Anfang April ankerte sie im Hafen von Dubai. Bild: AFP

"Viele mögen dieses Land sehr"

Ustina will den Markt zunächst einmal sondieren und hält sich bedeckt: "Die Emirate sind ein reiches Land mit vielen Möglichkeiten. Man kann Geschäfte machen, die Sonne genießen, das Meer, Palmen, die schöne Aussicht. Viele mögen dieses Land wirklich sehr."

Die wenigsten Russen in Dubai wollen mit Journalisten sprechen, schon gar nicht die Superreichen. Im Straßenbild aber sind sie durchaus präsent und von Vermögensberatern und Maklern umworben. Kas Syed erwartet nach den mageren Jahren der Coronakrise jetzt wieder glänzende Geschäfte - im Windschatten eines schmutzigen Krieges.

Villa auf der künstlichen Insel Palm Jumeirah auf Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) | REUTERS
Was im Grundbuch von Dubai steht

Mehr als 5000 Bürger der russischen Föderation besitzen mehr als 9700 Immobilien wie Villen und Luxus-Apartments in Dubai. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf ein Abbild des Grundbuchs von Dubai mit Stand von Anfang 2020. Unter ihnen befänden sich demnach rund 100 Mitglieder der politischen Elite Russlands, Beamte, dem Kreml nahestehende Geschäftsleute und deren Familienangehörige, Duma-Abgeordnete und weitere durch die EU, USA und Großbritannien sanktionierte Politiker. Durch die Investitionen hätten sie ihr Geld womöglich schon damals vor drohenden Sanktionen in Sicherheit gebracht, heißt es in dem Bericht. Dubai hat sich den internationalen Sanktionen gegen vermögende Russen bislang nicht angeschlossen.