Der iranische Regisseur Rasoulof auf den Filmfestspielen in Cannes. | REUTERS

Vorwurf der Anstiftung zur Unruhe Berlinale-Gewinner Rasoulof im Iran verhaftet

Stand: 09.07.2022 13:08 Uhr

Der iranische Regisseur und Berlinale-Gewinner Rasoulof ist im Iran verhaftet worden. Er hatte im Mai Korruption, Diebstahl, Ineffizienz und Unterdrückung in seinem Heimatland angeprangert.

Mohammad Rasoulof und sein Kollege Mostafa Aleahmad sind der iranischen staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge verhaftet worden. Der Vorwurf laute "Anstiftung zur Unruhe". Sie hätten nach dem verheerenden Einsturz eines Hochhauses "Unruhe gestiftet und die psychologische Sicherheit der Gesellschaft gestört".

Kritik an Sicherheitsbehörden nach Hochhauseinsturz

Ende Mai hatte Rasoulof zusammen mit anderen Filmemachern die Sicherheitskräfte im Iran kritisiert. Hintergrund war das Vorgehen gegen heftige Unruhen. Diese waren ausgebrochen, nachdem am 23. Mai ein im Bau befindliches Hochhaus eingestürzt war und dabei mindestens 43 Menschen getötet wurden. Der Vorfall zählt zu den schlimmsten Unglücken im Iran in den vergangenen Jahren, die Proteste gegen die Behörden wurden gewaltsam niedergeschlagen.

Unter dem Hashtag #put_your_gun_down hatte die Gruppe um Rasoulof in einem offenen Brief die Sicherheitskräfte aufgerufen, angesichts von "Korruption, Diebstahl, Ineffizienz und Unterdrückung" im Zusammenhang mit dem Gebäudeeinsturz "die Waffen niederzulegen".

Berlinale-Leitung protestiert gegen Verhaftung

Die Macher der Berlinale protestierten gegen die Verhaftung. "Es ist erschütternd, dass Künstler für ihren friedlichen Einsatz gegen Gewalt in Haft kommen", teilte das Leitungsduo Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian der Nachrichtenagentur dpa mit. Sie forderten die iranischen Behörden auf, die beiden Regisseure umgehend freizulassen.

Der 50-jährige Rasoulof hatte 2020 mit seinem Film "Es gibt kein Böses" den Goldenen Bären auf der Berlinale gewonnen. Da er nicht aus dem Iran ausreisen durfte, konnte er den Preis jedoch nicht persönlich entgegennehmen. Sein Reisepass war bereits 2017 eingezogen worden, nachdem sein Film "Kampf um die Würde" in Cannes uraufgeführt wurde. Bereits 2011 war Rasoulof im Iran verhaftet worden, da er angeblich ohne Genehmigung gefilmt hatte. Damals wurde er ursprünglich zu sechs Jahren Haft verurteilt, später wurde die Strafe auf ein Jahr auf Bewährung verringert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2022 um 02:00 Uhr in den Nachrichten.