Taliban-Mitglieder sitzen bei einer Parade durch Kabul Mitte November 2021 bewaffnet auf einem Auto. | REUTERS

Ex-Sicherheitskräfte in Afghanistan Internationaler Appell an Taliban

Stand: 05.12.2021 04:43 Uhr

Human Rights Watch zufolge wurden wohl etwa 100 frühere afghanischen Sicherheitskräfte getötet oder sind verschwunden. Viele westliche Staaten haben diese möglichen Taliban-Vergeltungsmaßnahmen scharf kritisiert.

Mehr als 20 Staaten haben sich in einer gemeinsamen Erklärung "zutiefst besorgt" über mögliche Hinrichtungen von ehemaligen afghanischen Sicherheitskräften durch die Taliban gezeigt.

Die unterzeichnenden Länder beziehen sich dabei unter anderem auf Berichte der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die Anfang der Woche bekannt geworden waren. Demnach hätten die radikal-islamischen Taliban seit ihrer Machtübernahme in Afghanistan mehr als 100 frühere Polizei- und Geheimdienstangehörige getötet oder verschwinden lassen.

Zu den Staaten, die sich der Erklärung angeschlossen haben, zählen neben den USA auch Deutschland, Großbritannien, Australien, Japan und Kanada. Auch die Europäische Union zählt zu den Unterzeichnern.

"Schwere Menschenrechtsverletzungen"

In dem auf der Internetseite des amerikanischen Außenministeriums veröffentlichten Schreiben werfen die Länder, den Taliban vor, ihre mutmaßlichen Taten würden "schwere Menschenrechtsverletzungen" darstellen. Zudem würden solche Vergehen der den Sicherheitskräften versprochenen Amnestie widersprechen. Die Staaten fordern die Taliban auf, diese Zusicherung gegenüber ehemaligen Mitgliedern der afghanischen Sicherheitskräfte sowie früheren Regierungsbeamten einzuhalten.

Die Vorwürfe von Hinrichtungen oder dem Verschwinden von Personen müssten "unverzüglich und transparent" untersucht werden und mögliche Verantwortliche sollten zur Rechenschaft gezogen werden.

Human Rights Watch vermutet rund 100 Fälle

Human Rights Watch hatte seinen Bericht am Dienstag veröffentlicht. Er beruht auf Interviews mit Zeugen, Angehörigen, Vertretern der früheren Regierung und Taliban-Vertretern. Der Organisation zufolge könne dadurch belegt werden, dass mindestens 47 frühere Armeeangehörige in vier Provinzen Afghanistans getötet wurden oder verschwunden seien. Zudem liege die Vermutung nahe, dass es 53 weitere solcher Fälle gebe.

Die Taliban weisen Vorwürfe zurück, dass es zu Vergeltungsmaßnahmen an Sicherheitskräften komme. Die Taliban hatten Mitte August die Macht in Afghanistan übernommen und kurz darauf eine Amnestie für ehemalige Sicherheitskräfte angekündigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.