Ein afghanischer Mann hebt während der Anti-Pakistan-Proteste in Kabul seinen Arm. | via REUTERS

Afghanistan Warnschüsse bei Protesten gegen Pakistan

Stand: 07.09.2021 13:55 Uhr

Wegen der mutmaßlichen Unterstützung der Taliban haben in Kabul Hunderte Menschen gegen Pakistan demonstriert. Dabei fielen Warnschüsse. US-Außenminister Blinken will mit den Taliban über weitere Evakuierungsflüge verhandeln.

Bei einer Protestkundgebung in Kabul haben Kämpfer der radikalislamischen Taliban Warnschüsse abgegeben. Hunderte Männer und Frauen zogen durch die afghanische Innenstadt und riefen gegen das Nachbarland Pakistan gerichtete Sprechchöre, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Sicherheitskräfte der radikalislamischen Taliban versuchten, die Demonstranten zu kontrollieren.

Die Demonstranten hielten Schilder, auf denen "Pakistan - Pakistan - raus aus Afghanistan" oder "Freiheit" stand. Ein ausländischer Journalist twitterte ein Video, auf dem Taliban in die Luft schießen, um Demonstranten zu vertreiben. Einem BBC-Reporter zufolge behaupteten die Demonstranten, Pakistan habe den Taliban bei ihrer Eroberung der Provinz Pandschir geholfen, die nach tagelangen Gefechten an die Islamisten gefallen war. Viele erwähnten zudem den Besuch des Chefs des pakistanischen Geheimdienstes ISI, Faeez Hamid, der sich mit der Taliban-Führung in Kabul traf.

Viele Afghanen, auch bisherige Regierungsvertreter, äußern die Überzeugung, dass Pakistan die Taliban unterstützt und ihnen bei ihrer jüngsten Militärkampagne geholfen hat, mit der sie das Land gewaltsam übernommen haben. Islamabad bestreitet dies. Der lokale TV-Sender Tolo News teilte auf Twitter mit, die Taliban hätten einen Kameramann festgenommen und seine Kamera beschlagnahmt.

USA wollen über weitere Evakuierungen verhandeln

Die USA sind mit den Taliban in Kontakt, um über weitere Evakuierungen aus verhandeln. Ziel sei es, dass weitere Charter-Flüge das Land sicher verlassen könnten, sagte US-Außenminister Antony Blinken bei einem Besuch im Golf-Emirat Katar. Die Taliban hätten zugesagt, all diejenigen aus Afghanistan ausreisen zu lassen, die Reisedokumente besäßen. "Die internationale Gemeinschaft beobachtet das genau, um zu sehen, ob die Taliban ihre Versprechen einhalten." Blinken reist nach seinem Stopp in Katar nach Deutschland, wo er den US-Militärstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz besuchen will.

Der US-Außenminister lobte die Rolle Katars bei der Evakuierung Zehntausender Schutzsuchender aus Afghanistan in den vergangenen Wochen. Zahlreiche Länder hätten dabei ihre Hilfe angeboten, sagte Blinken. "Aber kein anderes Land hat mehr getan als Katar." Ihm zufolge wurden mehr als 58.000 Afghanen und Bürger anderer Staaten nach Katar ausgeflogen.

Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani zeigte sich nach dem Treffen mit Blinken erneut optimistisch, dass der Flughafen in Kabul "sehr bald" wieder den Betrieb aufnehmen kann. Sein Land habe ein technisches Hilfsteam nach Afghanistan geschickt, erklärte er. Mittlerweile könnten Charter-Flüge wieder landen. Jetzt sollten humanitäre Hilfsflüge als Test beginnen. Es gebe jedoch noch kein Abkommen mit den Taliban, wie der Flughafen betrieben werden solle. Den Taliban zufolge wurden Inlandsflüge bereits wieder aufgenommen.

UN fehlen Hunderte Millionen Euro für Afghanistan-Hilfe

Die Vereinten Nationen und ihre Partner warten noch immer auf internationale Gelder zur Versorgung von Millionen notleidenden Menschen in Afghanistan. Bis Ende des Jahres müssten Geber 606 Millionen US-Dollar (511 Millionen Euro) für die humanitäre Hilfe in dem krisengeschüttelten Land bereitstellen, teilten die UN mit. Der Sprecher des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe, Jens Laerke, äußerte die Hoffnung, dass die UN auf der internationalen Afghanistankonferenz am kommenden Montag in Genf weitere Finanzmittel einsammeln können.

Bis Mitte vergangener Woche waren nur 40 Prozent der benötigten Gelder für die Afghanistanhilfe 2021 bei den UN eingegangen. Die UN und ihre Hilfswerke wie das Welternährungsprogramm wollten auch nach der Machtübernahme der radikalislamistischen Taliban in Afghanistan der Bevölkerung beistehen, sagte der Sprecher. Die UN appellierten wiederholt an die Taliban, den Helfern uneingeschränkten Zugang zu den Menschen zu geben.

Die Extremisten hatten Mitte August die alte Regierung gestürzt. Rund die Hälfte der 38 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Afghanistans sind laut UN auf humanitäre Hilfe in Form von Lebensmitteln, Wasser oder Medikamenten angewiesen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung wisse nicht, wie es an die nächste Mahlzeit kommen solle.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. September 2021 um 22:30 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Bender Rodriguez 07.09.2021 • 21:40 Uhr

Schabernack nicht einmal

Schabernack nicht einmal Absurdistan, wenn die sich einig sind. Das ist ja gerade , daß es Afghanistan als solches nur auf dem Papier gibt. Ähnlich den deutschen Kleinstaaten, vor einer Identitätsfindung. Die fühlten sich ja auch nicht alle als Deutsche.