Soldaten ziehen am Flughafen Kabul einen Jungen aus der Menschenmenge auf eine Metallabsperrung. | AP

Rettungsmission in Afghanistan Abschluss bis Ende August "mathematisch unmöglich"

Stand: 22.08.2021 09:40 Uhr

Schnellstmöglich sollen Schutzbedürftige aus Afghanistan ausgeflogen werden, doch an ein baldiges Ende der Rettungsmission glaubt der EU-Außenbeauftragte Borrell nicht. Es sei problematisch, wenn die USA wie geplant Ende August abzögen.

Seit Tagen versuchen die NATO-Staaten nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan schnellstmöglich ihre eigenen Staatsbürger sowie afghanische Ortskräfte aus dem Land in Sicherheit zu bringen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell glaubt aber nicht, dass diese Evakuierungsmissionen allzu schnell abgeschlossen sein werden.

Vor allem das Ziel der USA, bis Ende des Monats alle schutzbedürftigen Personen aus Afghanistan auszufliegen, zweifelte Borrell stark an. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP betonte er:

Die Amerikaner wollen bis Ende des Monats 60.000 Menschen ausfliegen. Das ist mathematisch unmöglich.

Kritik an zu striktem Kontrollsystem

Borrell kritisierte die aus Sicht der EU zu strengen Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen des US-Militärs am Flughafen von Kabul. Dadurch werde der Zugang zu dem Gelände für Personen, die ausgeflogen werden sollen, zusätzlich erschwert. Die EU habe die USA bereits gebeten, hier etwas mehr "Flexibilität" zu zeigen.

Ein Ende des US-Evakuierungseinsatzes schon zum Monatsende hin wäre laut Borrell aber auch aus einem anderen Grund problematisch: "Wenn die Amerikaner am 31. August abziehen, haben die Europäer nicht die militärische Kapazität, den Militärflughafen zu besetzen und zu sichern, und die Taliban werden die Kontrolle übernehmen."

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell nach einem Treffen der EU-Außenminister | EPA

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell appellierte an die USA, ihre Evakuierungsmission in Afghanistan über den August hinaus zu verlängern. Bild: EPA

USA: Unterstützung durch kommerzielle Airlines?

Die USA erwägen einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, auch Maschinen von kommerziellen amerikanischen Fluggesellschaften im Rahmen ihrer Rettungsmission einzusetzen. Die US-Regierung soll Airlines dementsprechend vorgewarnt haben. Sollte es dazu kommen, sollen die Flugzeuge demnach aber nicht Afghanistan ansteuern, sondern Standorte im Nahen Osten und in Deutschland. Von dort könnten an Bord der Maschinen aus Afghanistan gerettete Personen in die USA gebracht werden.

Die Rettung von schutzbedürftigen Menschen aus Kabul wird derzeit vor allem durch die chaotischen Zustände rund um den Flughafen der afghanischen Hauptstadt erschwert. Bei dem Durcheinander wurden nach Angaben des britischen Militärs sieben afghanische Zivilisten getötet. "Die Bedingungen am Boden bleiben äußerst schwierig", teilte das Verteidigungsministerium mit.

Das Auswärtige Amt und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, teilten mit, dass der Zugang zum Flughafen aufgrund der gefährlichen Lage häufig nicht möglich sei. Immer wieder würden Gates geschlossen. Die afghanische zivile Luftfahrtbehörde machte deutlich, dass es weiter keine zivilen und kommerziellen Flüge geben werde.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. August 2021 um 23:25 Uhr und Inforadio am 22. August 2021 um 07:40 Uhr.

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Moderation 22.08.2021 • 11:14 Uhr

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