Die Artemis-Rakete der NASA mit dem Orion-Raumschiff an Bord  auf der Rampe 39B des Kennedy Space Center, Cape Canaveral | AP

Artemis-I-Mission der NASA Der Countdown läuft

Stand: 04.08.2022 12:20 Uhr

Keine drei Jahre soll es mehr dauern, bis wieder Astronauten vom Mond zur Erde blicken werden. Davor muss jedoch die dafür notwendige Rakete getestet werden. Das sogenannte Artemis-I-Programm hat die NASA nun vorgestellt.

Von Florian Mayer, ARD-Studio Washington

NASA-Chef Bill Nelson versuchte erst gar nicht, bei der Pressekonferenz zur anstehenden Mondmission seiner Behörde mit seiner Begeisterung hinterm Berg zu halten. Nur noch 26 Tage bis die stärkste Rakete, die die NASA jemals ins All geschossen habe, von der Startrampe 39B im Kennedy Space Center abhebe, so Nelson. Von ihr starteten auch schon Saturn-V-Raketen zum Mond und Space-Shuttle-Flüge.

Florian Mayer ARD-Studio Washington

Am 29. August soll dort wieder Geschichte geschrieben werden: Das Artemis-Programm, das nach 50 Jahren wieder Menschen auf den Mond bringen soll, wird dort seinen Anfang nehmen. In zwei Wochen soll die neu entwickelte Rakete mit dem Namen SLS und der ebenfalls neu entwickelten Raumkapsel Orion an der Spitze zur Startrampe gebracht werden, erklärte Mike Sarafin, Chef der Artemis-I-Mission.

Überprüfung bis ins kleinste Detail

Artemis I wird allerdings noch keine Menschen zum Mond bringen. Es ist ein Testflug, bei dem sowohl die Rakete als auch die Raumkapsel bis ins kleinste Detail überprüft werden. Funktioniert der Start reibungslos? Zünden die Booster-Raketen? Zündet der Hauptantrieb? Trennen sich die Booster-Raketen wie geplant, und löst sich die Raumkapsel zum richtigen Zeitpunkt von der Rakete? Alles müsse perfekt zusammenarbeiten, um Orion auf den Weg zum Mond zu schicken, betonte Sarafin.

Um die Systeme der Orion-Kapsel im All betreiben zu können, nutzt die NASA ein von der europäischen Raumfahrtbehörde ESA entwickeltes Modul. Und laut NASA-Chef Nelson ist man bei der ESA schon total aus dem Häuschen: "Vor ein paar Wochen war ich in Europa und sie waren gaga", erzählte er stolz.

Keine Passagiere, keine Landung

42 Tage wird die Kapsel im All bleiben, dabei den Mond in einer Ellipse umrunden - am nächsten Punkt zum Mond nur 100 Kilometer von seiner Oberfläche entfernt, am weitesten über 6000 Kilometer. Eine Landung auf dem Mond gibt es also noch nicht, auch keine Menschen an Bord. Das Ziel dieses ersten Fluges lautet ausschließlich, Daten und Erkenntnisse zu sammeln.

Passagiere sind aber trotzdem an Bord: Eine Puppe mit dem Namen Commander Moonikin Campos wird im Kommandositz der Kapsel Platz nehmen. Ausgestattet mit zahlreichen Sensoren soll die Kraft, die auf die Astronautinnen und Astronauten beim Start und Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wirkt, gemessen werden, erklärte Bhavya Lal vom NASA-Hauptquartier.

Härtetest zum Schluss

Commander Moonikin fliegt aber nicht alleine. Zwei weitere ähnlich ausgestattete Puppen fliegen auch mit, um die Auswirkung von Strahlung auf dieser Mission zu erforschen. Ganz besonders im Fall von Astronautinnen, auf die sich Strahlung anders auswirkt als auf Männer. Deshalb sind auch an Bord: Helga and Soha.

Der Härtetest folgt zum Schluss. Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre von Orion wird härter als alles, was die NASA bisher in der bemannten Raumfahrt durchgeführt hat. Die Kapsel wird mit 32-facher Schallgeschwindigkeit auf die Erdatmosphäre treffen, berichtet Nelson. Das entspricht rund 40.000 Kilometern pro Stunde. Die Unterseite der Kapsel wird dabei noch heißer als die des Space Shuttles.

Die NASA-Wissenschaftler wollen deshalb ein ganz besonderes Augenmerk auf diese kritische Phase am Ende der Mission haben. Passiert hier ein Fehler, verglüht das Milliarden US-Dollar teure Projekt in der Erdatmosphäre, und der Traum vom Flug zum Mond rückt wieder in die Ferne.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. August 2022 um 11:11 Uhr.