Eine Frau kocht an einer offenen Feuerstelle in Maiduguri (Nigeria) | AFP

Weltbevölkerungsbericht Ohne Bestimmung über eigenen Körper

Stand: 14.04.2021 14:36 Uhr

Millionen Frauen werde die Selbstbestimmung über ihren Körper verwehrt, kritisiert der Weltbevölkerungsbericht. Sie dürften etwa nicht über ihr Sexualleben bestimmen. Das betreffe vor allem ärmere Länder.

Die Vereinten Nationen haben die fehlende Selbstbestimmung von Millionen Mädchen und Frauen über ihren eigenen Körper angeprangert. Die Daten dazu seien "alarmierend", betonte die Exekutivdirektorin des Bevölkerungsfonds UNFPA, Natalia Kanem, bei der Vorstellung des Weltbevölkerungsberichts 2021.

Die Studie analysiert die Lage in 57 vorwiegend armen Ländern. Darin heißt es, nur 55 Prozent der Mädchen und Frauen könnten selbst über ihre Gesundheitsversorgung, Familienplanung und ihr Sexualleben entscheiden. "Die Macht einer Frau, ihren eigenen Körper zu kontrollieren, entscheidet mit darüber, wie viel Kontrolle sie in anderen Bereichen ihres Lebens hat", hieß es.

Ungleichheit zwischen Geschlechtern

Die Autorinnen und Autoren des Berichts betonen, dass ein nachhaltiger Fortschritt nur erreicht werden könne, wenn die strukturelle soziale und wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den Geschlechtern beseitigt werde. Dazu gehöre auch die Macht jedes und jeder Einzelnen, Entscheidungen über den eigenen Körper zu treffen. Dabei müssten die Männer zu Verbündeten werden, die die Entscheidungen der Frauen respektierten.

Die 57 Länder, aus denen die Daten stammen, liegen in Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika und betreffen Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren.

Mali, Niger und Senegal am meisten betroffen

Die Zahlen variierten nach Region stark. Während etwa 76 Prozent der jugendlichen Mädchen und Frauen in Lateinamerika sowie in Ost- und Südostasien in allen drei Bereichen Gesundheitsversorgung, Familienplanung und Sexualleben autonome Entscheidungen träfen, seien es in Afrika südlich der Sahara weniger als die Hälfte. In Mali, Niger und Senegal, sind es demnach sogar weniger als zehn Prozent der Frauen, die die Entscheidungen selbst treffen.

Autonomie beim Sexualleben rückläufig

Zugleich bedeute Autonomie in einem Entscheidungsbereich nicht automatisch auch Selbstbestimmung in den anderen. So können laut Bericht nur 53 Prozent der Frauen in Äthiopien Geschlechtsverkehr ablehnen, aber 94 Prozent entscheiden alleine oder mit dem Partner über den Einsatz von Verhütungsmitteln. Verbesserungen bei der Entscheidungsfreiheit seien häufiger beim Thema Gesundheitsversorgung zu erkennen. Die Autonomie beim Sexualleben hingegen sei tendenziell rückläufig.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist eines von 17 Nachhaltigkeitszielen, die die Staatengemeinschaft 2015 vereinbart hat. Darin enthalten ist unter anderem die Vorgabe, dass alle Frauen Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und das Recht auf Familienplanung haben sollen. UNFPA ist die Organisation der Vereinten Nationen für sexuelle und reproduktive Gesundheit.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 14. April 2021 um 15:04 Uhr.