Waldbrände wüten in Lytton, British Columbia, Kanada | AP

Kanada Extremhitze entfacht mehr als 100 Waldbrände

Stand: 03.07.2021 07:53 Uhr

- Kanadische Armee für Kampf gegen Feuer in British Columbia mobilisiert +++ NEU: mittlerweile mehr als 170 Waldbrände in British Columbia, rund 12.000 Blitzschläge am Freitag, Zahl der Hitzetoten im US-Bundesstaat Oregon auf 94 gestiegen +++ Ottawa (AFP) - Im Zuge der extremen Hitzewelle im Westen Kanadas sind bereits mehr als 170 Waldbrände ausgebrochen. Es gebe mindestens 174 Feuer in der Provinz British Columbia, teilten die Behörden am Samstag (Ortszeit) mit. Verteidigungsminister Harjit Sajjan entsandte Soldaten zur Unterstützung der Einsatzkräfte. Sie bereiteten Militärflugzeuge zur Brandbekämpfung und Evakuierung von Ortschaften vor. Auch im Norden des US-Bundesstaats Kalifornien kämpfte die Feuerwehr gegen große Waldbrände an. Von den mindestens 174 Waldbränden in British Columbia seien 78 in den vergagenen zwei Tagen ausgebrochten, teilten die Behörden der ostkanadischen Provinz mit. Allein am Freitag seien rund 12.000 Blitzschläge gezählt worden, sagte der Einsatzleiter der Brandbekämpfung in British Columbia, Cliff Chapman, dem Sender CBC. Besonders stark betroffen von den Bränden war die Gegend um die Stadt Kamloops, 350 Kilometer nordöstlich der Metropole Vancouver.  Wegen der Brände war am Freitag der Krisenstab der kanadischen Regierung unter Leitung von Premierminister Justin Trudeau zusammengetreten. "Wir werden da sein, um zu helfen", versicherte der Regierungschef anschließend. Trudeau sprach sich dazu nach eigenen Angaben mit dem Regierungschef von British Columbia, John Horgan, sowie mit Bürgermeistern und Anführern von Ureinwohnern in den bedrohten Gebieten ab. In verschiedene Orte würden Soldaten entsandt, um bei Bedarf logistische Hilfe zu leisten und die örtlichen Einsatzkräfte zu unterstützen, kündigte Verteidigungsminister Sajjan an. "Diese Waldbrände zeigen, dass wir in der ersten Phase eines langen und schwierigen Sommers sind", erklärte der kanadische Minister für öffentliche Sicherheit, Bill Blair.  Angesichts extremer Hitze und Trockenheit herrsche in ganz British Columbia enorme Brandgefahr, warnte Provinzregierungschef Horgan. Er appellierte deshalb an die Einwohner, die Anweisungen der Behörden zu befolgen. Etwa tausend Menschen flohen in British Columbia bereits vor den Flammen, einige von ihnen wurden vermisst. Die Ortschaft Lytton rund 250 Kilometer nordöstlich von Vancouver war in der Nacht zu Donnerstag evakuiert worden, als sich dort ein Feuer rasend schnell ausbreitete.  Das 250-Einwohner-Dorf wurde nahezu völlig zerstört. Dorfbewohner Gordon Murray sagte dem Sender CBC am Samstag, er habe sich vor seiner Flucht nur seine Haustiere und seine Brieftasche schnappen können. "Wir hatten für nichts anderes Zeit." Zuvor war in Lytton ein landesweiter Allzeit-Temperaturrekord von 49,6 Grad Celsius gemessen worden. Auch für die kommenden Tage wurden sehr hohe Temperaturen für British Columbia vorhergesagt. Die Hitzewarnung wurde auch auf die Provinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba, Teile der Nordwest-Territorien und das nördliche Ontario ausgeweitet.  Die Gerichtsmedizin von British Columbia teilte am Freitag mit, dass es dort innerhalb einer Woche 719 Todesfälle gegeben habe, "dreimal mehr" als in einem vergleichbaren Zeitraum. Die leitende Gerichtsmedizinerin der Provinz, Lisa Lapointe, machte dafür unter anderem die hohen Temperaturen verantwortlich.  Die Behörden warnten indessen auch vor Überschwemmungen durch schmelzende Schneekappen in den Bergen oder Gletscher - ausgelöst durch die extreme Hitze.  Weiter südlich, in den US-Bundesstaaten Washington und Oregon, herrschten ebenfalls rekordverdächtige Temperaturen. In Oregon stieg die Zahl der Hitzetoten auf 94. In Nordkalifornien waren hunderte Feuerwehrleute im Einsatz, um drei Waldbrände einzudämmen. Durch die Feuer wurden bereits fast 40.000 Hektar niedergebrannt, darunter auch ein beliebtes Touristengebiet. Die extrem hohen Temperaturen werden durch das Phänomen der "Hitzekuppel" ausgelöst. Das heißt, der Hochdruck in der Atmosphäre hält die heiße Luft in der Region fest. Der globale Klimawandel führt zum häufigeren Auftreten von Hitzewellen. yb AFP - 04.07.2021 05:53:04

Anhaltende Trockenheit und weiterhin hohe Temperaturen führen in Kanada und den Vereinigten Staaten zu zahlreichen Waldbränden. Allein in der kanadischen Provinz British Columbia wurden 136 Feuer verzeichnet, wie Cliff Chapman vom Wildfire Service mitteilte.

Innerhalb eines Tages habe es 12.000 Blitzschläge gegeben. Die meisten Waldbrände seien dadurch ausgelöst worden. Die Temperaturen seien nach der Rekordhitze von circa 45 Grad Celsius inzwischen gesunken, aber immer noch überdurchschnittlich hoch, sagte Chapman.

Armee in Alarmbereitschaft

Wegen der Feuer hält sich die Armee zur Unterstützung der örtlichen Einsatzkräfte bereit. In verschiedene Orte von British Columbia würden Soldaten entsandt, um bei Bedarf logistische Hilfe zu leisten, teilte Verteidigungsminister Harjit Sajjan nach dem Treffen eines Krisenstabs unter Führung von Premierminister Justin Trudeau in Ottawa mit.

"Wir werden da sein, um zu helfen", versicherte auch der Premier bei einer Pressekonferenz. Trudeau sprach dazu nach eigenen Angaben bereits mit dem Regierungschef von British Columbia, John Horgan, sowie mit Bürgermeistern und Anführern von Ureinwohnern in den bedrohten Gebieten.

1000 Menschen vor den Flammen geflohen

Die am Pazifik gelegen Provinz British Columbia leidet seit Tagen unter extremer Hitze und Trockenheit. Besonders stark betroffen ist die Gegend um die Stadt Kamloops, 350 Kilometer nordöstlich von Vancouver. Etwa 1000 Menschen flohen bereits vor den Flammen, viele von ihnen wurden vermisst.

Die Ortschaft Lytton rund 250 Kilometer nordöstlich von Vancouver war in der Nacht zu Donnerstag evakuiert worden, als sich dort ein Feuer rasend schnell ausbreitete. Der Ort wurde nahezu völlig zerstört. Zuvor war in Lytton ein landesweiter Allzeit-Temperaturrekord von 49,6 Grad gemessen worden.

Hunderte Tote

In British Columbia trug die Hitzewelle nach Angaben der Behörden zu Hunderten Todesfällen bei. Innerhalb einer Woche seien in der Provinz 719 plötzliche und unerwartete Todesfälle gemeldet worden - dreimal mehr als üblich, teilte die Gerichtsmedizin mit. Die Behörde geht davon aus, dass der starke Anstieg mit der extremen Hitze zusammenhängt.

Auch im US-Bundesstaat Kalifornien verschärfte heißes und trockenes Wetter die Feuerlage. Im Norden brannten drei größere Feuer, die Tausende Menschen zeitweise in die Flucht schlugen. Am Freitag konnten viele Bewohner jedoch in ihre Häuser zurückkehren. Mehrere Gebäude in der ländlichen Region seien aber zerstört worden, berichtete der "San Francisco Chronicle".

Die Vegetation sei bereits so ausgetrocknet, wie man es gewöhnlich erst Ende August sehe, sagte eine Forstbehörden-Sprecherin vom Shasta Trinity National Forest.

Über dieses Thema berichtete am 03. Juli 2021 die tagesschau um 05:05 Uhr und Inforadio um 07:33 Uhr.