Aus einer Quelle in Kalifornien wird Wasser abgepumpt und in ein Verteilungssystem geleitet | AFP

Dürrefolgen in den USA "Sie wollen Wasser fördern wie Öl"

Stand: 23.07.2021 04:14 Uhr

In Kalifornien sichern sich Hedgefonds Wasserrechte. In Florida füllen Firmen Wasser, das ihnen nicht gehört, in Flaschen ab. Dürren machen es zu einem immer knapperen Gut - und der Kampf darum härter.

Von Kerstin Klein, ARD Studio Washington

Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, als Michelle Colson die Quellen entlang des Santa Fe Rivers im Norden Florida vor drei Jahren entdeckte. Türkis leuchtende Lagunen, glasklares Wasser. Für Michelle: ein besonderer Ort. Seitdem kämpft die 27-Jährige für diese Quellen - als Michelle Colson und als Meerjungfrau "Michi". Denn mit dem Wasser der Quellen machen große Konzerne so richtig Geld. Und: Die Allgemeinheit geht leer aus.

Kerstin Klein ARD-Studio Washington

In Florida ist Wasser Gemeingut. Man darf das Wasser auf und unter seinem Grundstück aber nutzen. Am Santa Fe River legt eine Familie dieses Nutzungsrecht jedoch sehr weit aus. Seit 20 Jahren pumpt sie - mit Genehmigung - Wasser der Quellen ab und leitet es, ohne dass sie bisher jemand daran hindert, an Konzerne weiter. Gegen eine Gebühr.

Erst Nestlé, dann Beteiligungsgesellschaften

Lange war der Abnehmer der Lebensmittelgigant Nestlé. Der Konzern füllte das Quellwasser in Flaschen ab und verkaufte es in Supermärkten. Jetzt heißt der Abnehmer Blue Triton und ist ein Zusammenschluss zweier Private Equity Firmen. Denn an die hat Nestlé vor kurzem sein gesamtes Wassergeschäft in Nordamerika verkauft.

Michelle und ihre Mitstreiter fragen sich: Wie kann das sein? Warum verschenkt der Staat Florida sein Wasser? Nimmt nicht wenigstens Geld dafür? Und warum können Firmen Wasser, das ihnen nicht gehört, überhaupt verkaufen und damit Profit machen? Sie haben Klage eingereicht und wollen erwirken, dass die Abpumpgenehmigung der Familie widerrufen wird. Doch die wurde - im Gegenteil - gerade erst erneuert.

Quellen des Santa Fe Rivers | ARD-Studio Washington

Der Santa Fe River in Florida: Wer darf auf das Wasser zu welchem Zweck zugreifen? Bild: ARD-Studio Washington

Aktivistin Michelle Colson in einem Meerjungfrauenkostüm | ARD-Studio Washington

Michelle Colson fürchtet, das Wasser könne vor allem von Unternehmen abgezweigt werden - und kämpft als Aktivistin dagegen. Bild: ARD-Studio Washington

Dauer-Dürre - in Kalifornien schon Alltag

Am anderen Ende der USA, in Kalifornien, kämpfen die Menschen derweil mit der schlimmsten Dürre seit 20 Jahren. Eine Zukunft ohne ausreichend Wasser - hier ist sie schon zu erahnen. Farmer Mas Masumoto musste bereits ein Viertel seiner Anbaufläche aufgeben. Das Wasser reichte schlicht nicht mehr für alles. Dabei ist der Grundwasservorrat unter seinem Land noch vergleichsweise gut.

Im Westen der USA gilt ein anderes Wasserrecht als im Osten. Grob vereinfacht gesagt, dürfen Landbesitzer hier das Wasser auf und unter ihrem Grund nicht nur nutzen. Unter bestimmten Umständen können sie es sogar handeln, es weiter verkaufen. Zum Beispiel in die wachsenden Städte. Und weil das Wasser vor allem im Westen immer knapper wird, rennen dort gerade Immobilienmakler Farmern wie Masumoto die Bude ein. Unter deren Kunden: auch jede Menge Hedgefonds.

Farmer Mas Masumoto auf einen dürren Feld  | ARD-Studio Washington

Farmer Mas Masumoto kämpft gegen die Dürre in seiner Umgebung - und will nicht an Investoren verkaufen. Bild: ARD-Studio Washington

Investoren sichern sich Wasserrechte

Auch die Investoren, die Hedgefonds, betreiben Landbau. "Sie diversifizieren ihr Portfolio", erzählt ein Immobilienmakler. Aber: Sie sichern sich eben auch Wasserrechte. Für Farmer Masumoto scheint das der eigentliche Plan zu sein. "Sie wollen das Wasser fördern, wie Öl. Manche Investoren kommen, um das Wasser zu verkaufen. Und damit berauben sie das Land allen Lebens. Sie sehen keine toten Pflanzen - die sehen nur Geld", urteilt er.

Auch Masumoto könnte seine Farm wohl für mehr als drei Millionen Dollar verkaufen - das will er aber nicht. Er möchte sie eines Tages an seine Tochter übergeben. Daher hofft er, dass die Politik die Regeln schnell genug verschärft, dafür sorgt, das Wasser nicht endgültig zur Ware wird.

Michelle Colson in Florida hat genug davon, auf die Politik zu hoffen, ständig darum zu betteln, dass sich etwas ändert. Sie strebt jetzt selbst in die Politik, will Teil des lokalen Wasser-Boards werden, vielleicht für den Senat von Florida kandidieren. Wenn die aktuellen Politikerinnen und Politiker nicht in der Lage seien, das Wasser zu beschützen, dann brauche es eben neue.

Die Weltspiegel-Reportage "Amerikas Kampf ums Wasser" finden sie ab sofort in der ARD-Mediathek.

Über dieses Thema berichtet die ARD in der Sendung Weltbilder am 24. August 2021 um 23:00 Uhr.