Linda Thomas-Greenfield | AP
Porträt

US-Botschafterin bei UN Eintopf-Diplomatie und Freundlichkeit

Stand: 30.01.2021 09:30 Uhr

Die neue US-Botschafterin bei den UN will ihr Land zurück in die internationale Diplomatie führen. Dabei setzt Thomas-Greenfield auf Freundlichkeit und einen ganz speziellen Küchen-Trick.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Ihr Rezept ist Soulfood aus den Südstaaten. Menschen in aller Welt hat Linda Thomas-Greenfield damit schon Überzeugt. "Gumbo-Diplomatie" nennt sie es - nach dem Eintopfgericht, in dem die armen Menschen in ihrer Heimat Louisiana ihre Reste verwertet haben.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Gumbo ist warm und gut und bringt Menschen zusammen: "Wo immer ich in der Welt stationiert war, bat ich Menschen von unterschiedlicher Herkunft und Glauben, mir dabei zu helfen, Zwiebeln zu schnibbeln und Gumbo zu kochen."

Das sei ihre Art, Barrieren zu durchbrechen und Verbindungen herzustellen, sagt die Diplomatie-Veteranin nach 35 Jahren auf vier Kontinenten. "Meine Eltern hatten wenig, in Louisiana, wo ich aufgewachsen bin. Aber sie gaben mir und meinen Geschwistern alles, was sie hatten." Ihre Mutter habe sie gelehrt, mit der Kraft der Freundlichkeit die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Die UN-Botschafterin der USA, Thomas-Greenfield, lacht während ihrer Anhörung im Senat | dpa

Linda Thomas-Greenfield hat Freundlichkeit zu ihrem Prinzip gemacht - aber auch Beharrlichkeit. Bild: dpa

Mit einem Lächeln in die Anhörung

Die 68-Jährige hat das nie vergessen. Lächelnd winkt sie auch im Senats-Ausschuss, der sie vor der Zustimmung zu ihrem neuen Posten grillt.

"Als ich 1982 im Auswärtigen Dienst anfing, war ich nicht die Norm", erinnert sie sich. Ihre Kollegen hatten auf "Ivy-League"-Unis studiert, den amerikanischen Elite-Universitäten. Sie dagegen hatte sich durch ein Bildungssystem der Rassentrennung gekämpft.

Im diplomatischen Dienst kämpfte sie als Frau um Posten, wurde Botschafterin in Liberia oder Vize-Unterstaatssekretärin für afrikanische Angelegenheiten unter Präsident Barack Obama.

Der UN-Sicherheitsrat in New York (Archivbild). | dpa

Im UN-Sicherheitsrat bewegte sich zuletzt wenig. Kann eine aktivere Rolle der USA hier etwas verändern? Bild: dpa

"Amerika ist zurück"

Die USA stehen für Thomas-Greenfield weiter für den großen Traum. Auf ihrem künftigen Posten will sie einen Kurswechsel einleiten: "Amerika ist zurück. Der Multilateralismus ist zurück. Die Diplomatie ist zurück."

Die USA sollten wieder eine führende Rolle bei den UN übernehmen, findet sie - als Gegengewicht zu Vetomächten wie China, die viele Werte der Vereinten Nationen missachteten: "Ihr Erfolg basiert auf unserem Rückzug. Den wird es mit mir nicht geben."

Mann in Kigali schaut auf eine Tafeln mit Namen der Opfer des Genozids von 1994 | dpa

Der Genozid von Ruanda bleibt auch für die UN ein düsteres Kapitel - im Land erinnert eine Gedenkstätte an die rund 800.000 Ermordeten. Bild: dpa

Das Trauma von 1994

Von allen diplomatischen Werkzeugen seien die Vereinten Nationen selbst das stärkste Instrument. Dabei hatte eines der größten Desaster der UN ihr Leben geprägt: der Völkermord in Ruanda an 800.000 Angehörigen der Volksgruppe der Tutsi, dem die Weltgemeinschaft im April 1994 untätig zusah.

In jenem April kam Thomas-Greenfield in die Hauptstadt Kigali. Ein Hutu-Kämpfer hielt sie für eine Tutsi und wollte sie ermorden. "Ich setzte mein diplomatisches Lächeln auf, das meine Mutter mir beigebracht hatte", erzählt sie. "Ich nutzte die Kraft der Freundlichkeit. Ich überlebte."

Die Frau, mit der der Täter sie verwechselt hatte, wurde ermordet. Das, sagt Thomas-Greenfield, habe ihr Leben für immer verändert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Januar 2021 um 05:26 Uhr.