Kühe fressen Gras in einem Stall | picture alliance / Rupert Oberh

Kampf gegen die Klimakrise Schnelle Lösung durch weniger Methan?

Stand: 17.09.2021 15:08 Uhr

Im Kampf gegen die Klimakrise gibt es viele Zusagen, aber wenig Fortschritt. UN und USA wollen den Prozess nun mit einem neuen Gipfel beschleunigen. Vor allem der Ausstoß des Treibhausgases Methan soll sinken.

Von Werner Eckert, ARD-Umweltredaktion

Vor der Bundestagswahl reden hierzulande alle vom Klimaschutz - aber international tut sich derzeit wenig. Die Denkfabrik Climate Action Tracker CAT hat in dieser Woche vorgerechnet, dass seit Monaten kaum mehr neue Zusagen von Staaten zu konkreten Klimaschutzzielen für 2030 eingegangen sind.

Werner Eckert

Nach den deutlichen Ansagen der EU und der USA im April ist es still geworden: 70 Staaten - mehr als ein Drittel der Unterzeichner des Paris-Abkommens - liefern nicht. Ein Dutzend andere - darunter die Schweiz und Neuseeland - haben sogar schwächere Zusagen eingereicht als früher schon einmal. Die Welt ist weit entfernt vom gemeinsam angestrebten Ziel, den Temperaturanstieg auf möglichst 1,5 Grad zu beschränken.

Methan im Fokus

Da wollen jetzt US-Präsident Joe Biden und UN-Generalsekretär Antonio Guterres mit hochrangigen Treffen hinter verschlossenen Türen neuen Schub in die Sache bringen. Beim "Major emitters forum" will Biden heute noch vor allem das Treibhausgas Methan in den Fokus rücken.

Die USA und die EU haben gemeinsam ein "global methane pledge" ausgearbeitet, dem möglichst viele zustimmen sollen. Kern ist die Zusage, die Methan-Emissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent zu senken. Methan ist das zweitwichtigste Klimagas. Und weil es eine relativ kurze Wirkungszeit in der Atmosphäre hat, bringt eine Minderung schnelle Erfolge beim Klimaschutz.

Landwirtschaft als großer Verursacher

Deutschland wird dabei von der parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, vertreten. Unklar ist aber noch, ob Deutschland dem Kreis der Unterstützer überhaupt beitreten kann. Es hat nicht so viele Methan-Emissionen wie andere. Die entstehen vor allem durch Lecks in der Erdöl- und Erdgasproduktion. Dort sind sie einfach zu bekämpfen.

Bei uns entsteht Methan vor allem in der Landwirtschaft durch die Rinderhaltung. Das Klimaschutzgesetz sieht für die Landwirtschaft bis 2030 aber nur eine Absenkung der Treibhausgasemissionen von weniger als 20 Prozent vor. Die "global methane pledge" würde also eine deutliche Verschärfung darstellen.

Beratungen hinter verschlossenen Türen

Welche anderen Staaten vertreten sein werden und ob etwa Chinas Staats- und Regierungschef Xi Jinping teilnimmt, ist unklar. Er war beim ersten derartigen Treffen von Biden im April noch dabei. der US-Präsident hat allerdings aus diesem - damals öffentlichen - Ereignis wohl die Lehre gezogen, dass man so nur Schaufensterreden einfängt. Weil er dieses Mal etwas Substanzielles erreichen will, bleiben die Türen zu. Unklar ist auch, ob es anschließend überhaupt eine Bilanz des Treffens geben wird, oder ob es den Staaten überlassen bleibt, ihre Haltung früher oder später selbst zu veröffentlichen.

Biden will auch sonst Druck machen, dass die säumigen Länder ihre Klimaschutzverpflichtungen für 2030 noch vor dem UN-Klimagipfel in Glasgow liefern sollen. In die gleiche Richtung zielt das Treffen am Montag. Dazu hat UN-Chef Guterres gemeinsam mit dem britischen Premier Johnson eingeladen, er ist Gastgeber beim Klimagipfel in Glasgow. Auch dieses Treffen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Rand der UN-Vollversammlung stattfinden. Hier wird Bundeskanzlerin Merkel - wie andere auch- virtuell zugeschaltet sein.

Mehr Hilfen für Entwicklungsländer

Guterres macht Misstrauen für den mangelnden Fortschritt in den internationalen Klimaverhandlungen verantwortlich und sagte im Vorfeld, Vertrauensbildung sei das Ziel dieser Gespräche. Einige Schwellenländer müssten mehr tun, auf der anderen Seite müssten die Industriestaaten aber auch ihre Finanzzusagen endlich erfüllen. Sie haben sich verpflichtet, jährlich 100 Milliarden Dollar zu mobilisieren, um den ärmeren Staaten beim Weg in eine saubere Energie-Zukunft zu helfen. Bislang sind aber nur 80 Milliarden Euro zusammengekommen.

Hier soll der deutsche Staatssekretär im Umweltministerium, Jochen Flasbarth, gemeinsam mit dem kanadischen Umweltminister helfen. Sie sollen bis zum Klimagipfel in Glasgow die Lücke schließen. Damit hat sie der designierte Präsident dieser Konferenz, Alok Sharma, beauftragt. Guterres‘ Event soll da Hilfestellung leisten. Daneben gibt es auch eine öffentliche Veranstaltung, bei der Bundeskanzlerin Merkel per Video eine Botschaft übermitteln wird.

Die Klimakonferenz in Glasgow findet in den ersten beiden Novemberwochen statt. "Nach derzeitigem Stand riskieren wir dort einen Misserfolg", hatte Guterres in dieser Woche gewarnt.