US-Präsident Trump verlässt nach einem Briefing den Presseraum des Weißen Hauses | AFP

Trump vor Umzug Sachen packen, Fotos machen, begnadigen

Stand: 19.01.2021 18:50 Uhr

Ein paar Stunden bleiben noch, dann verlässt Trump das Weiße Haus. Bis zuletzt wird spekuliert, was er bis zum Abschied noch anstellen - und vor allem: wen er noch begnadigen wird.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Es ist Donald Trumps letzter voller Tag im Amt und die amerikanischen Medien spekulieren, wie er ihn wohl verbringt. Es gibt keinen öffentlichen Terminkalender mehr, keinen Ablaufplan dafür, wie er das Weiße Haus verlässt. "Er hat mit dem amtierenden Verteidigungsminister zusammengesessen, um darüber zu sprechen, wie sein Abschied am Mittwoch aussehen könnte", berichtet die "New York Times"-Korrespondentin Maggie Haberman in einem CNN-Gespräch. Über enge Kontakte im Weißen Haus kennt sie ein paar Details. Alles sei eingepackt, er mache noch Fotos mit seinen Mitarbeitern, sagt sie.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Ein bisschen Abschiedsevent auf einem Flughafen 

Soviel ist bekannt: Trump wird wohl am frühen Morgen zur Andrews Airforce Base außerhalb der Stadt fliegen, wo die Regierungsmaschine Airforce One steht. Dort bekommt er 21 Schuss Salut, vielleicht fliegen noch mal Jets über ihn hinweg. Eine Militärband wird für ihn spielen, also doch eine Art Zapfenstreich, denn es gab Gerüchte, das Pentagon habe das abgelehnt. Aber Trump ist es wichtig, dass sein Abschied ein Event wird.

Es sind Einladungskarten dazu aufgetaucht - man dürfe fünf Gäste mitbringen, heißt es da. Gibt es eine Rede? Eine Abschiedsbotschaft, vielleicht doch noch eine versöhnliche Geste? Heute werde es noch ein Video von ihm geben, heißt es.

Die Air Force One steht im Juni 2019 auf der Andrews Airbase bei Washington | REUTERS

Mit der Air Force One geht es von Washington aus nach Florida - zum Abschied gibt es noch ein bisschen Militärspektakel. Bild: REUTERS

Ein Abschiedsvideo von Melania Trump

Die First Lady Melania Trump dagegen hat bereits ihr Abschiedsvideo veröffentlicht. Es sei die Ehre ihres Lebens gewesen, sagt sie. Sie freue sich, etwas zur besseren Bildung im Land beigetragen zu haben. Und: "Seid leidenschaftlich in allem was Ihr tut, aber denkt daran: Gewalt ist niemals die Antwort."

Was sie nicht tun wird: ihrer Nachfolgerin die traditionelle Tour durch die Privatwohnung im Weißen Haus geben. Wenn die Bidens kommen, sind die Trumps schon weg und es ist der Protokollchef, der "Hallo" sagt.

Letzte Verfügungen

Bis dahin sind aber noch ein paar Stunden, in denen Präsident Trump die Macht hat. Vergangene Nacht hat er sie dazu genutzt, das Einreiseverbot für Europäer per Dekret aufzuheben. "Das kassieren wir sofort wieder", heißt es aus dem Biden-Team. Einen "Nationalen Garten für Amerikanische Helden" zu bauen, ordnete Trump in letzter Minute an, mit Hunderten Statuen von Thomas Jefferson über Elvis Presley zu Muhamed Ali und Martin Luther King. Auch die Idee wird sich totlaufen.

Etwas Wesentliches wird aber noch passieren: Trump wird etliche Begnadigungen aussprechen. Darauf wartet man in Washington mit Spannung. Wer wird dabei sein? Auch Familienmitglieder? Reiche Wahlkampfspender, die Probleme mit der Justiz haben? Einfache, unbekannte Leute, die eine Begnadigung verdient haben? Oder vielleicht sogar diejenigen, die ins Kapitol eingebrochen sind? "Das darf nicht passieren, die müssen mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden!", sagt Senator Lindsey Graham, der bis vor kurzem noch ultraloyal zu Trump stand.

 Und das wird es dann sein. Irgendwann am Mittwoch wird Trump in Florida ankommen - und alles ist vorbei.