Ein vereister Zitrusbaum in Edinburg, Texas. | AP

Eiseskälte in den USA Bibbern, wo der Pool sonst nie zufriert

Stand: 16.02.2021 08:14 Uhr

Eine arktische Kältefront hat fast die Hälfte der US-Bundesstaaten im Griff. Im südlichen Texas, das kein eisiges Winterwetter gewohnt ist, müssen Millionen Menschen bei Minusgraden ohne Strom ausharren.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

"Das ist das erste Mal in der Wettergeschichte dieses Senders, dass es eine Windkälte-Warnung gibt", sagt die Wetterfrau eines lokalen Fernsehsenders im texanischen Dallas fassungslos. Rekordttemperaturen von gefühlt minus 20 Grad Celsius werden derzeit im Bundesstaat im Süden der USA gemessen. In einer Region, die normalerweise für relativ warme Winter bekannt ist.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Swimmingpools sind zugefroren, Highways tief verschneit, Tausende Flüge gecancelt, Flughäfen geschlossen. Eisregen legte über die Hälfte der Windräder in Texas still. Mehr als vier Millionen Menschen haben keinen Strom - und das, wo die meisten Häuser elektrisch beheizt werden. Viele Menschen halten sich bei laufendem Motor in ihren Autos auf.

Der Bürgermeister der Stadt Houston, Sylvester Turner, schwor die Menschen darauf ein, dass es länger dauern könnte, bis der Strom zurückkommt: "Das sind keine vorübergehenden Stromabschaltungen, sondern Stromausfälle in riesigen Ausmaßen. Wenn Sie ohne Strom sind, müssen Sie damit rechnen, auch morgen noch ohne Strom zu sein."

Katastrophenfall in sieben Staaten

Die arktische Kaltfront lässt die Menschen in rund 25 US-Bundesstaaten bibbern. Vom südlichen Texas über die Großen Seen bis ins nördliche Maine an der kanadischen Grenze herrscht klirrende Kälte. In mindestens sieben Staaten ist der Katastrophenfall ausgerufen worden. In Minnesota wurde mit minus 39 Grad ein Kälterekord gemessen.

Andy Beshear, Gouverneur von Kentucky, warnte die Bevölkerung, wegen der komplett vereisten Straßen unbedingt zuhause zu bleiben: "Wir haben nicht ein Jahr Pandemie überstanden, damit wir jetzt Leute im Schnee- und Eissturm verlieren. Bitte seien Sie achtsam, dass weder Sie sich in dieser Woche verletzen, noch am Ende das Leben eines geliebten Menschen riskiert wird."

Folgen der Kältewelle auch in Mexiko spürbar

Die Ausläufer der Kältefront sind auch in Mexiko zu spüren. Im Norden des Landes blieben zeitweise fast fünf Millionen Menschen ohne Strom, weil Erdgasleitungen aus Texas eingefroren sind. Bereits am Sonntagabend hätten die ersten Gaskraftwerke abgeschaltet werden müssen, teilte der mexikanische Elektrizitätsdienst mit. Mexiko gewinnt etwa 60 Prozent seiner Elektrizität aus Erdgas.

Im Laufe des Montags gelang es den Angaben zufolge, etwa 65 Prozent der vom Stromausfall betroffenen Kunden in den Staaten Chihuahua, Coahuila, Nuevo Leon und Tamaulipas wieder zu versorgen. Der Elektrizitätsdienst versuchte, auf andere Energieträger wie Kohle und Wasserkraft zurückzugreifen und importierte verstärkt Strom aus den USA.

Komplexe Ursache für Kälte

Die Ursache für diesen extremen Wintereinbruch in fast der Hälfte der USA ist das ungewöhnliche Aufeinanderprallen eines Sturmtiefs mit viel Feuchtigkeit und eines Hochs mit eisiger Polarluft. Klima-Experte Dev Niyogi von der Purdue University in Indiana sprach im Sender PBS von einem historischen Wintersturm, für den es mehrere Gründe gab: "Sie rangieren von einfach nur schlechtem Wetter über Auswirkungen von La Niña bis hin zu den Folgen des Klimawandels. Die Antwort ist wahrscheinlich: Alle drei Faktoren spielen eine Rolle."

Der Wintersturm soll heute bis in den Nordosten der USA weiterziehen und auch dort für massive Schneefälle sorgen. Für die zweite Wochenhälfte ist bereits die nächste Kaltwetterfront angekündigt. Der einzig warme Ort der USA ist derzeit der Süden Floridas. Dort herrschen sommerliche 26 Grad.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Februar 2021 um 08:05 Uhr.