Die republikanischen US-Abgeordneten Cheney und Kinzinger (v.l.). | AP

USA Republikaner strafen eigene Trump-Kritiker ab

Stand: 04.02.2022 21:12 Uhr

Die US-Republikaner haben zwei parteiinterne prominente Trump-Kritiker abgestraft. Mit der Rüge entziehen sie den beiden Abgeordneten die Unterstützung - und senden ein klares Signal.

Die US-Republikaner haben zwei prominente parteiinterne Kritiker von Ex-Präsident Donald Trump abgestraft. Das Nationalkomitee der konservativen Partei sprach eine formale Rüge gegen die Abgeordneten Liz Cheney und Adam Kinzinger aus. Deren Verhalten sei "zerstörerisch für das US-Repräsentantenhaus, die Republikanische Partei und unsere Republik". Von 168 anwesenden Mitgliedern hätten laut Reportern nur eine Handvoll Republikaner gegen die Rüge gestimmt.

Die Tochter des früheren Vizepräsidenten Dick Cheney und der Abgeordnete aus dem Bundesstaat Illinois waren nach der Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar 2021 zu den schärfsten Trump-Kritikern in den eigenen Reihen geworden. Sie stimmten gemeinsam mit den Demokraten für ein - letztlich erfolgloses - Amtsenthebungsverfahren gegen Trump und gehören derzeit als einzige Republikaner dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Angriffs auf das Parlament an. Teile der Republikaner haben deswegen sogar einen Parteiausschluss gefordert.

In ihrer Rüge wirft das Komitee Cheney und Kinzinger vor, den Demokraten dabei zu helfen, US-Bürger zu verfolgen, die am 6. Januar am "legitimen politischen Diskurs" teilgenommen hätten.

Republikaner fest im Griff Trumps

Nach der Kapitol-Erstürmung durch radikale Trump-Anhänger hatten sich große Teile der Republikanischen Partei von dem abgewählten Präsidenten abgewandt. Der Rechtspopulist konnte in den folgenden Wochen und Monaten seine Macht über die Partei aber zurückerobern. Der bei der Basis nach wie vor enorm beliebte 75-Jährige liebäugelt offen mit einer erneuten Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2024.

Die Republikaner gehen derweil hart gegen Trump-Kritiker in den eigenen Reihen vor. Kinzinger hat angesichts des Drucks bereits angekündigt, bei den Kongress-Zwischenwahlen im kommenden November nicht erneut für das Repräsentantenhaus zu kandidieren. Cheney wiederum hat bei den Vorwahlen ihrer Partei für die Kongresswahl einen von Trump unterstützten Herausforderer.

Cheney schießt gegen die Parteiführung

Schon vor der Abstimmung hatte Cheney die Parteiführung "wissentliche Geiseln Trumps" genannt, die einen Mann unterstützten, der öffentliche eingestanden habe, eine demokratische Wahl untergraben zu wollen. Sie erkenne diejenigen in ihrer Partei nicht wieder, die sich von der Verfassung abgewendet hätten, um stattdessen Trump zu unterstützen.

Radikale Trump-Anhänger hatten das Kapitol gestürmt, als dort der Wahlsieg des US-Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom November 2020 zertifiziert werden sollte. Der Sturm auf den Sitz des Kongresses mit fünf Toten sorgte weltweit für Entsetzen und gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der US-Demokratie.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2022 um 22:00 Uhr.