Nach dem Tod eines 20-jährigen Schwarzen durch die Schüsse eines Polizisten demonstrieren hunderte Menschen vor der Polizeistation in Brooklyn Center, Minnesota. | AFP

Nach Schüssen auf Afroamerikaner Wut, Empörung, Frust

Stand: 12.04.2021 18:12 Uhr

In der Nähe von Minneapolis hat ein Polizist den 20-jährigen Afroamerikaner Daunte Wright bei einer Verkehrskontrolle getötet. Daraufhin kam es erneut zu Protesten gegen Polizeigewalt.

Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Trotz Ausgangssperre haben sich mehrere hundert Demonstranten in der Nacht vor der Polizei Station in Brooklyn Center, einer Kleinstadt nördlich von Minneapolis, versammelt. Wieder protestierten sie gegen Polizeigewalt und den Tod eines jungen Afroamerikaners: Daunte Wright wurde gestern Abend bei einer Verkehrskontrolle von einem Polizisten erschossen. (Anmerkung d. Red.: Inzwischen haben die Behörden in Minnesota die Identität des Schützen bekanntgegeben, demnach handelt es sich um eine Polizistin.)

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

"Der Schuss traf den Fahrer, das Auto fuhr weiter und dann krachte es", schilderte John Harrington, der Beauftragte für öffentliche Sicherheit, die Geschehnisse. "Rettungskräfte wurde zum Unfallort gerufen, um die Opfer zu versorgen. Der Fahrer des Wagens ist gestorben."

Kontrolle wegen Lufterfrischer?

Die Polizisten hatten Wright wegen eines Verkehrsdelikts angehalten. Dabei hatten sie festgestellt, dass gegen ihn ein Haftbefehl vorliegt. Als sie ihn festnehmen wollten, versuchte der 20-Jährige, mit dem Auto zu fliehen. Während des Zwischenfalls hatte Wright seine Mutter Katie angerufen.

"Es war erst 20 Jahre alt und hat es nicht verdient, erschossen und auf diese Weise getötet zu werden", sagte Katie Wright, die sofort an den Unfallort geeilt war. "Er hat gesagt, die Polizei habe ihn angehalten. Ich habe ihn gefragt, warum und er hat gesagt, weil er Lufterfrischer an seinem Rückspiegel hängen hatte", so die Mutter des Opfers. Mit ihm im Auto saß Wrights Freundin. Sie wurde verletzt und kam ins Krankenhaus.

"Schmerz, Trauer und Trauma"

Die Proteste in Brooklyn Center hielten bis in die frühen Morgenstunden an. Einige Randalierer brachen in Geschäfte ein. Es kam zu Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschosse ein. Erst als die Nationalgarde eintraf, lösten sich die Proteste auf.

Die Black-Lives-Matter-Aktivistin Lisa Clemons versteht, was die Protestierenden bewegt. "Schmerz, Trauer und Trauma. Wir sind ja schon in einem Gerichtsprozess um George Floyd", sagte sie.

Keine zehn Meilen entfernt von den Unruhen, in Minneapolis, wird heute der Mordprozess gegen den ehemaligen Polizisten Derek Chauvin fortgesetzt. Vor knapp einem Jahr hatte er dem schwarzen Floyd mehr als neun Minuten lang sein Knie auf den Nacken gedrückt, so dass dieser keine Luft mehr bekam und starb. Der Vorfall hatte monatelange Proteste gegen Rassismus und Polizeibrutalität ausgelöst. 

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 12. April 2021 um 17:20 Uhr.