Migranten aus Zentralamerika kommen an der US-Grenze zu Mexiko an (Archivbild). | AFP

US-Appell an Flüchtlinge "Nicht der richtige Zeitpunkt"

Stand: 17.03.2021 08:57 Uhr

Die Zahl der Menschen, die versuchen, über Mexiko in die USA zu gelangen, steigt deutlich an. Für die neue US-Regierung ist das organisatorisch, aber mehr noch politisch ein Problem. Sie reagiert auch mit Appellen.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die Biden-Regierung hat Teile des Kongresszentrums in Downtown Dallas im US-Bundesstaat Texas angemietet. Bis zu 3000 Teenager könnten dort unterkommen; Jugendliche und Kinder, die ohne gültige Papiere in die USA geflohen sind.

Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

Das US-Gesundheitsministerium habe außerdem humanitäre Organisationen aufgefordert, die Regierung lokal zu unterstützen, erklärt Dave Woodyard von der Caritas im Lokalfernsehen. Seine Organisation habe davon "erst vor wenigen Stunden" erfahren, sagt er. Aber es sei ihre Aufgabe, Menschen zu helfen, die Unterstützung brauchen - egal, wie sie in die Situation geraten sind.

Die US-Grenzpolizei hat Schwierigkeiten, mit der steigenden Zahl an Kindern und Jugendlichen mitzuhalten, die über die Grenze zu Mexiko in die USA kommen. Insgesamt wurden im Februar 100.000 Menschen aufgegriffen, die versuchten, in die USA zu fliehen.

Doch unverändert, wie in der Zeit von US-Präsident Donald Trump, werden Erwachsene und die meisten Familien umgehend zurückgeschickt. Nur unbegleitete Minderjährige dürfen bleiben. Bis zum Wochenende hatte der Grenzschutz 4200 Kinder und Jugendliche in Wachen und Auffanglagern aufgenommen, die nicht für Kinder gedacht sind.

Der Minister äußert eine Bitte 

Der Minister für Heimatschutz, Alejandro Mayorkas, nennt die Situation schwierig. Eine Lösung brauche Zeit: "Unsere wichtige Botschaft lautet: Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, zur Grenze zu kommen."

Mayorkas stellt sich heute im Repräsentantenhaus den Fragen der Abgeordneten im Ausschuss für Heimatschutz. Und er wird erklären müssen, wie die neuen Aufnahmezentren für Kinder helfen sollen.

Arbeiterunterkünfte für Jugendliche

Im Landkreis von Midland in Texas zum Beispiel, über 320 Kilometer von der Grenze zu Mexiko entfernt, hat die Biden-Regierung eine ehemalige Unterkunft für Ölarbeiter angemietet. 700 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren sind dort vorübergehend unterkommen.

Es ist ein Deal mit einem privaten Betreiber. Bürgermeister Patrick Payton kritisiert, er sei nur kurzfristig informiert worden: "Wir wussten von nichts. Und wir fingen an zu telefonieren. Das ist das seltsamste und respektloseste Vorgehen seit sehr langer Zeit."

Vorlage für die Republikaner

Republikaner aus Washington wie der Abgeordnete August Pfluger greifen genau diese Stimmung auf. Sie sprechen von einer Krise und sagen, Präsident Joe Biden würde bei Einwanderern falsche Hoffnungen wecken: "Schlechte politische Entscheidungen sorgen dafür, dass so viele Menschen an die Grenze kommen. Und wir haben nicht die Mittel, uns um sie zu kümmern."

Es gebe kein Geld, klagte Pfluger und nutzte seinen Auftritt in Midland, um erfolgreich Wahlkampfspenden für die Republikaner zu sammeln, berichtet die Lokalzeitung. Das Thema Einwanderung polarisiert.

Um eine humanitäre Krise zu vermeiden, investiert das US-Gesundheitsministerium in Unterkünfte für Kinder und Jugendliche, bevor diese zu Verwandten in den USA weiter reisen. Die Fläche im Kongresszentrum von Dallas hat die Regierung zunächst für 90 Tage angemietet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. März 2021 um 08:48 Uhr.