Kreuzfahrtschiff "Grand Princess " | picture alliance / ASSOCIATED PR

US-Kreuzfahrtindustrie Der Dreck bleibt vor Kanadas Küste

Stand: 12.07.2022 11:34 Uhr

Alaska-Kreuzfahrten sind in den USA sehr beliebt. Doch die Umweltschutzauflagen sind streng - Abwässer verklappen die Schiffe deswegen unterwegs vor der malerischen Küste des Nachbarlandes Kanada.

Von Torsten Teichmann für das ARD-Studio Los Angeles

Im US-Bundesstaat Washington sind mehr als 6000 Quadratkilometer des Pazifiks zu abwasserfreiem Gebiet erklärt worden, in Alaska brauchen Reedereien eine Genehmigung, um die Ventile auf hoher See zu öffnen. Deshalb verklappen US-Kreuzfahrtschiffe, die zwischen den beiden Bundesstaaten unterwegs sind, Hunderte Millionen Liter Abwasser, Chemikalien und Jauche vor der auf dem Weg liegenden Küste Kanadas - während die Passagiere an Bord die Landschaft genießen.

Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

Die Kreuzfahrtroute nach Alaska ist das beliebteste Urlaubsvergnügen der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner - noch vor Reisen nach Orlando oder Las Vegas.

Toilettenschüssel der Kreuzfahrtindustrie?

Kanada sei wie eine Toilettenschüssel der Kreuzfahrtindustrie, sagt Anna Barford von der US-kanadischen Umweltschutzorganisation Stand.earth. Die Gruppe hatte zusammen mit anderen Vereinen eine entsprechende Untersuchung veröffentlicht. Sie wiederholen ihre Warnung, da die Passagierzahlen das Niveau aus der Zeit vor der Corona-Pandemie erreichen.

Nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF Kanada sind Brauchwasser aus Spülbecken, Duschen und Bordwäscherein, Kieljauche, die sich im Rumpf der Schiffe sammelt, und Abwässer aus Toiletten nur ein kleiner Teil der verklappten Flüssigkeiten. Die weitaus größte Menge entstehe beim Reinigen der Schiffsdieselabgase.

Kreuzfahrtschiffe seien mit Abstand für den größten Teil der Verschmutzung verantwortlich, obwohl sie nur zwei Prozent des gesamten Schiffsverkehrs ausmachten, erklärte der WWF.