Wähler stehen in Columbus (US-Bundesstaat Georgia) für die Stimmabgabe bei den Zwischenwahlen in den USA an | REUTERS

Eine Woche vor Midterms Ist das Rennen schon gelaufen?

Stand: 01.11.2022 20:47 Uhr

Die Republikaner rechnen fest mit einem Erfolg bei den Zwischenwahlen in den USA in mindestens einer Kammer. Doch viele Wähler haben schon abgestimmt - welche Botschaft kommt im Endspurt noch an?

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Die Republikaner haben gute Laune. "Das ist unser Jahr", sagt etwa Rick Scott, Senator aus Florida. Die Demokraten hätten nichts vorzuweisen. "Die Menschen mögen das nicht, was die Demokraten getan haben", sagte Scott bei CNN. "Sie mögen keine hohe Inflation, keine gestiegenen Benzinpreise, keine gestiegenen Preise fürs Essen".

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Und deshalb glaubt Scott, dass seine Republikaner sich nächste Woche Dienstag die Mehrheit im Senat holen werden, mit zwei zusätzlichen Sitzen.

Die Republikaner sind sich sicher, dass sich die öffentliche Meinung in ihre Richtung gedreht hat. Aber so einfach ist das nicht. "Das allgemeine Umfeld ist im Moment richtig schlecht für die Demokraten", sagt auch Politologe Charlie Cook. Aber die Republikaner werden einige Sitze nicht holen können, denn "sie haben einige exotische und womöglich problematische Leute aufgestellt. Wenn sie nicht 130 Stundenkilometer Rückenwind bekommen, werden sie einige Orte verlieren, die sie sonst gewonnen hätten", sagte Cook bei MSNBC.

Mehrheitswechsel im Repräsentantenhaus?

Das Abgeordnetenhaus dürften die Demokraten nicht halten können, ihre Mehrheit liegt hier bei nur fünf Sitzen. Anders ist es im Senat, wo es weniger um allgemeine Politik, sondern um starke Politiker-Persönlichkeiten geht.

Im hochumkämpften Pennsylvania, in Georgia und Arizona sieht die "New York Times" nun die Demokraten vorn, und in Nevada sieht sie beide Bewerber gleich auf. Damit könnten die Demokraten den Senat behalten. Angesichts der hohen Fehlerspanne bei den Umfragen könnte es aber auch genau anders kommen.

Obama muss ran

Die Demokraten jedenfalls werfen, um ihre Wählerschaft zu motivieren, alles in diese letzten Tage. Barack Obama, immer noch hochbeliebt, war gerade in Wisconsin, einem Staat, in dem Republikaner die Lüge von der manipulierten Wahl 2020 verbreiten.

"Wenn einer offen besessen davon ist, die jüngste Wahl umzudrehen, dann sollte er womöglich nicht damit betraut sein, die nächste Wahl zu überwachen", sagte er. Das ist der Appell der Demokraten: Die Wahl nicht als Abrechnung mit Joe Biden zu verstehen, sondern als Richtungsentscheidung, pro oder kontra Demokratie.

Ex-Präsident Obama bei einem Wahlkampfauftritt in Detroit (US-Bundesstaat Michigan) | AFP

Die Anhänger der Demokraten sehen Ex-Präsident Obama immer noch gerne. Doch kann er mehr als Zweckoptimismus verbreiten? Bild: AFP

Wahlrecht im Fokus

Und diese Botschaft greift auch Liz Cheney auf. Die stockkonservative Republikanerin hat es sich mit ihrer Wählerschaft verscherzt, weil sie sich nach dem 6. Januar gegen Trump gestellt hat. Nun macht sie Wahlwerbung für die Konkurrenz. 

Sie wüsste nicht, dass sie je für einen Demokraten gestimmt hätte, aber wenn sie in Arizona leben würde, dann würde sie es unbedingt tun, sagt Cheney in einem neuen Fernsehspot. Die Kandidatin fürs Gouverneursamt und ihr Innenminister in Arizona wollen beide die Wahl nur anerkennen, wenn sie damit einverstanden sind. Eine Gefahr für die Demokratie, meint Cheney.

Was kommt noch an?

Fragt sich, ob all diese Anstrengungen, finanziell und personell, noch ankommen. Am Montagnachmittag, Ortszeit, hatten schon rund 23 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner gewählt, persönlich oder per Briefwahl. Das könnte etwa ein Fünftel aller Stimmen sein.

Hilft das den Demokraten? Oder deutet es auf einen Sieg der Republikaner hin? Darüber zerbrechen sich die Experten nun die Köpfe.

 

 

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. November 2022 um 22:15 Uhr.