Baghus | dpa

Bericht über Vertuschung ziviler Opfer US-Militär weist Vorwürfe zurück

Stand: 15.11.2021 02:36 Uhr

Einem Bericht der "New York Times" zufolge soll das US-Militär verheimlicht haben, dass bei einem Luftschlag in Syrien viele Zivilisten ums Leben gekommen sind. Das Zentralkommando der Streitkräfte weist das zurück.

Die US-Armee hat einen Medienbericht über angebliche Vertuschung ziviler Opfer von Luftangriffen in Syrien zurückgewiesen. Der fragliche Einsatz gegen Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in 2019 sei "angemessen" gewesen, erklärte das Zentralkommando der US-Streitkräfte. Demnach waren "geeignete Schritte unternommen worden, um die Anwesenheit von Zivilisten auszuschließen".

Einem Bericht der "New York Times" zufolge waren bei einem Luftangriff des US-Militärs im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien im Jahr 2019 Dutzende Zivilpersonen getötet worden. Bis zu 80 Menschen - darunter auch mehr als ein Dutzend IS-Kämpfer - sollen demnach bei dem Angriff auf ein Lager im ostsyrischen Baghus unweit der irakischen Grenze ums Leben getötet worden sein.

Im Kampf gegen den IS sei es einer der Vorfälle mit den meisten zivilen Opfern gewesen, "aber er wurde vom US-Militär nie öffentlich eingeräumt", berichtete die "New York Times" ("NYT").

Luftangriff im März 2019

Die Zeitung beruft sich bei ihrem Bericht auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Quellen sowie teils geheime interne Berichte des US-Militärs zu dem Luftangriff vom 18. März 2019. Demnach sollen zwei aufeinander folgende Luftschläge von einer Spezialeinheit für den Kampf gegen den IS angefordert worden sein und die zuständige US-Kommandozentrale im Emirat Katar überrascht haben.

Die Zentrale hatte das Lager in Baghus - damals eine der letzten Stellungen des IS - demnach mit einer eigenen hochauflösenden Drohne unter Beobachtung und hatte an dem Ort des späteren Bombeneinschlags nur eine "große Ansammlung von Frauen und Kindern" gesehen, die sich an einem Flussufer befanden. Ein zuständiger Militärjurist in Katar soll den Luftangriff umgehend als mögliches Kriegsverbrechen gemeldet haben.

Untersuchung ohne offizielles Ergebnis

Eine gründliche Untersuchung des Vorfalls wurde nach Angaben der "NYT" jedoch mehrfach vom Militär verhindert. Die unabhängige Kontrollbehörde des Verteidigungsministeriums soll eine Untersuchung begonnen, aber nie ein relevantes Ergebnis veröffentlicht haben, hieß es.

Nachdem die Zeitung das für die Region zuständige US-Zentralkommando Centcom mit den Ergebnissen ihrer Recherchen konfrontierte, bestätigte das Militär den Luftschlag erstmals öffentlich, so die "NYT". Demnach sprach Centcom von einem militärisch gerechtfertigten Luftangriff. Einer Erklärung zufolge seien die Angriffe legitime Selbstverteidigung gewesen und man habe angemessene Schritte unternommen, um die Anwesenheit von Zivilisten auszuschließen.

"Wir verabscheuen den Verlust von unschuldigem Leben und ergreifen alle möglichen Maßnahmen, um dies zu verhindern. In diesem Fall haben wir den Angriff selbst gemeldet und nach unseren eigenen Erkenntnissen untersucht und übernehmen die volle Verantwortung für den unbeabsichtigten Verlust von Menschenleben", so das US-Zentralkommando.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 15. November 2021 um 06:35 Uhr.