Ampullen mit dem Johnson & Johnson-Impfstoff. | REUTERS

Corona-Impfstoff US-Experten raten von Johnson & Johnson ab

Stand: 17.12.2021 02:07 Uhr

Laut US-Experten sollen sich die Amerikaner nach Möglichkeit mit den Vakzinen von Pfizer und BioNTech sowie Moderna impfen lassen. Noch ist nicht klar, ob die Gesundheitsbehörden der Empfehlung folgen.

Die meisten Amerikaner sollten sich nach Einschätzung von Beratern der US-Gesundheitsbehörden mit den Impfstoffen von Pfizer/BioNTech und Moderna impfen lassen statt mit dem Vakzin von Johnson & Johnson.

Die Berater der US-Seuchenkontrollbehörde CDC erklärten am Donnerstag, Grund seien seltene Blutgerinnsel, die nach der Impfung mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson registriert worden seien. Die Behörden sprachen von neun bestätigten Fällen dieser Art.

CDC-Berater: Dinge haben sich seit der Einführung verändert

Die Direktorin der CDC, Rochelle Walensky, muss nun entscheiden, ob sie dem Rat der Berater folgt und eine entsprechende Empfehlung herausgibt. Bisher wurden in den USA alle drei zugelassenen Corona-Impfstoffe als gleichwertig behandelt, weil große Studien ergaben, dass sie alle einen starken Schutz bieten und die ersten Lieferungen begrenzt waren.

Der Impfstoff von J&J wurde zunächst als Option begrüßt, weil er nur einmal verabreicht werden muss. Die CDC-Berater erklärten jedoch am Donnerstag, dass es an der Zeit sei, anzuerkennen, dass sich seit der Einführung der Impfstoffe vor einem Jahr viel verändert habe.

Warnung vor Blutgerinnseln

Mehr als 200 Millionen Amerikaner gelten als vollständig geimpft, darunter etwa 16 Millionen, die die J&J-Impfung erhalten haben. Die Blutgerinnsel veranlassten die USA im April letzten Jahres, die Einmalimpfungen von J&J vorübergehend auszusetzen, während Wissenschaftler die Nebenwirkung untersuchten. Schließlich entschieden die Aufsichtsbehörden, dass die Vorteile eines einmaligen Impfstoffs schwerer wiegten als das sehr seltene Risiko - solange die Menschen informiert würden.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA erklärte in dieser Woche, die Blutgerinnsel seien immer noch selten, aber es seien seit dem Frühjahr weitere Fälle aufgetreten. Sie werden am häufigsten bei Frauen zwischen 30 und 49 Jahren registriert - nach Angaben der FDA etwa einmal bei 100.000 verabreichten Dosen.

Die beiden anderen Impfstoffe, die in den USA verwendet werden, von Pfizer/BioNTech und Moderna, werden nicht mit Blutgerinnseln in Zusammenhang gebracht. Der Impfstoff von AstraZeneca ist in den USA nicht zugelassen.

WHO: Kein Problem bei Erst- und Zweitimpfung mit zwei Impfstoffen

Die Weltgesundheitsorganisation sieht derweil kein Problem darin, Patienten bei der Erst- und Zweitimpfung gegen das Coronavirus unterschiedliche Impfstoffe zu verabreichen. Sie veröffentlichte dazu in Genf spezifische Empfehlungen. Über Vor- und Nachteile einer Auffrischimpfung mit einem unterschiedlichen Präparat als in der Grundimpfung liegen nach Angaben der WHO noch nicht genügend Studien vor.

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet bei ihrer Empfehlung danach, welcher der drei Impstofftypen bei der ersten Impfung benutzt wurde: ein mRNA-Impfstoff wie der von BioNTech/Pfizer oder Moderna, ein Vektorimpfstoff wie der von AstraZeneca oder Johnson & Johnson, oder ein inaktiver Impfstoff wie der der chinesischen Hersteller Sinovac und Sinopharm. Letztere haben eine Notfallzulassung der WHO, sind aber in der Europäischen Union nicht zugelassen.

Länder, die bei der ersten Impfdosis mRNA-Impfstoffe verwendet haben, könnten bei Folgeimpfungen Vektor-Impfstoffe in Betracht ziehen, empfiehlt der unabhängige Impfrat der WHO. Länder, die zunächst Vektorimpfstoffe verabreicht haben, könnten anschließend mit mRNA-Mitteln impfen. Länder, die zuerst inaktive Impfstoffe verabreicht haben, könnten Vektor- oder mRNA-Impfstoffe einsetzen.

Der Rats-Vorsitzende Alejandro Cravioto betonte auch, dass bei Erst- und Zweitimpfung der Einsatz des gleichen Impfstoffs immer noch am sinnvollsten sei. Die Kombination unterschiedlicher Impfstoffe sei dann relevant, wenn nicht genügend Material desselben Herstellers zur Verfügung stehe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2021 um 16:35 Uhr.