Plakat beim Kongress wirft Trump Lügen vor | AFP

USA Kurs auf "Trump Plus"?

Stand: 14.02.2021 22:11 Uhr

Das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ist gescheitert, und nun fragt sich die Öffentlichkeit in den USA, was aus Trump selbst wird. Seine Anhänger reden vom Comeback, seine Gegner glauben, er sei politisch erledigt.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Das "Ende eines traurigen Kapitels" der amerikanischen Geschichte: Mit diesen Worten kommentierte US-Präsident Joe Biden den Ausgang des Impeachment-Verfahrens. Nach dem Freispruch wird in den USA aber schon auf das nächste Kapitel geblickt - und die Frage, welche Rolle der entlastete Ex-Präsident darin spielen wird.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Senator Lindsey Graham hat unmittelbar nach dem Freispruch mit Donald Trump telefoniert: "Trump will jetzt weitermachen und die republikanische Partei wieder aufbauen", erzählt Graham. Er selber werde Trump kommende Woche in Florida besuchen und mit ihm in Mar-a-Lago Golf spielen.

Er habe zu Trump gesagt: "Mr. President, die 'Make America great again'-Bewegung muss weitergehen!" Die Partei müsse geeint werden für "Trump PLUS" im kommenden Jahr, bei den Parlamentswahlen. "Ohne Donald Trump ist das nicht möglich", findet Graham.

Es gibt auch andere Stimmen

Doch der Senator aus South Carolina steht nur für einen Teil der Partei. Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat während der Trump-Jahre, klang nach der Abstimmung ganz anders: Es bestehe kein Zweifel daran, dass Präsident Trump praktisch und moralisch dafür verantwortlich ist, den Sturm auf das Kapitol provoziert zu haben.

McConnell hatte zwar aus verfassungsrechtlichen Bedenken gegen eine Verurteilung Trumps gestimmt. Aber er verwies ausdrücklich, zur Verblüffung vor allem seiner Parteifreunde, auf die Möglichkeit, den abgewählten Präsidenten vor einem Strafgericht zur Verantwortung zu ziehen.

Die Demokraten sind zufrieden

Und so scheint völlig offen, welche Zukunft Trump in seiner Partei haben wird. Die Demokraten jedenfalls glauben, ein Ziel mit dem Impeachment erreicht zu haben: Trump’s Ruf weiter zu beschädigen. Die demokratische Senatorin Amy Klobuchar glaubt nicht an Trumps Rückkehr in die politische Arena:

Nein, sagt sie, und verweist auf aktuelle Umfragen: Eine knappe Mehrheit der Amerikaner hatte sich in allen Polls der vergangenen Tage für eine Verurteilung Trumps ausgesprochen. Hier sei das Impeachment ein Erfolg gewesen, meint Senatorin Klobuchar: Die Erinnerung an die Bilder vom Kapitol, die Angstschreie der Polizisten, hätten sich für immer das Gedächtnis der Nation eingebrannt. Trump sei erledigt.

 

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 14. Februar 2021 um 22:10 Uhr.