Ein umgestürzter Baum in Sarasota, Florida  | Getty Images via AFP

Hurrikan "Ian" erreicht die USA Sturmflut und Stromausfälle in Florida

Stand: 29.09.2022 11:57 Uhr

Der Tropensturm "Ian" hat an Floridas Westküste meterhohe Überschwemmungen und schwere Schäden verursacht. Floridas Gouverneur sagte, der Sturm dürfte auf die Liste der fünf schwersten Hurrikans in Florida kommen.

Der Wirbelsturm "Ian" hat an der Westküste Floridas für starke Überschwemmungen und Sturmfluten gesorgt. Nach Angaben von Floridas Gouverneur Ron DeSantis erreichten sie zum Teil eine Höhe von rund dreieinhalb Metern und sind "lebensgefährlich". Fotos und Videos in sozialen Medien zeigten im Bereich der Städte Fort Myers Beach, Cape Coral und Naples heftige - teils meterhohe - Überschwemmungen.

Trotz Abschwächung des Sturms war auf seinem Weg ein mehr als 100 Kilometer breiter Landstreifen heftigen Unwettern ausgesetzt. Das Zentrum des Sturms befand sich nach Angaben des Hurrikanzentrums in der Nacht rund 90 Kilometer südöstlich von Orlando. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Regen durch Straßen peitschte, von Autos nur die Dächer aus den Fluten herausragten und Trümmer durch die Luft flogen. Ein Krankenhaus in Port Charlotte steht unter Wasser.

Mehr als zwei Millionen Haushalte ohne Strom

Mehr als 2,4 Millionen Haushalte waren zeitweise ohne Strom, wie die Website "Poweroutage" zeigte. Das seien rund 20 Prozent der Haushalte im Bundesstaat, schrieb der Sender CNN. Der Bezirk mit den meisten Ausfällen sei Lee County, in dem Fort Myers und Cape Coral liegen. 90 Prozent der Haushalte dort seien ohne Strom. US-Medien gingen davon aus, dass die Zahl der Stromausfälle zunächst weiter steigen werde.

Einer der stärksten Hurrikans der US-Geschichte

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde habe "Ian" inzwischen die niedrigste Stärke eins von fünf, teilte das Hurrikanzentrum mit. Nach Einschätzung DeSantis, dürfte "Ian" dennoch auf die Liste der fünf schwersten Hurrikans in Florida kommen. Mehrere Medien berichten mittlerweile sogar, der Sturm gehöre zu den stärksten in der US-Geschichte.

Der Wirbelsturm hatte über dem Golf von Mexiko auf seinem Weg Richtung Florida bedeutend an Kraft zugenommen und lag mit Windgeschwindigkeiten von rund 240 Kilometern pro Stunde nur knapp unterhalb der Schwelle zur höchsten Hurrikan-Kategorie fünf. "Ian" war mit einer Stärke von vier nahe der Stadt Cape Coral auf Land getroffen. Aktuell befindet sich der Wirbelsturm weiter über Florida - Experten zufolge rund 110 Kilometer südlich von Orlando.

Gefahr besteht weiterhin

Für 2,5 Millionen Menschen in der Region galten Evakuierungsanweisungen. Andernorts wurden Menschen eindringlich davor gewarnt, ihre Häuser zu verlassen - um etwa die Schäden zu begutachten. Auch wenn der Wirbelsturm abziehe, bestehe weiter Gefahr durch Trümmer, kaputte Stromleitungen und dergleichen. "Sie haben dann unterbrochene Stromleitungen, weiterhin Überflutungen, Generatoren könnten bei falscher Anwendung lebensgefährlich sein", erklärte der Gouverneur. Bei früheren Wirbelstürmen habe es häufig in den Tagen nach einem Hurrikan zehn Mal so viele Tote gegeben als während des Sturms selbst.

Bergungen starten, sobald es das Wetter zulässt

"Ian" könnte auch heute bei der Ankunft an der Ostküste des Bundesstaats noch zerstörerische Hurrikanstärke haben, warnten die Meteorologen. Anrufe bei Rettungsdiensten von Hunderten Menschen in Florida, die ihre Häuser vor der Ankunft des Sturms nicht verlassen hatten, mussten zunächst unbeantwortet bleiben, schrieb die Zeitung "Miami Herald".

Gouverneur DeSantis erklärte, die Behörden stünden für Bergungs- und Reparaturarbeiten bereit, sobald das Wetter diese zulasse. Auf Twitter schrieb er, rund 7000 Soldaten der Nationalgarde und 179 Flugzeuge oder Hubschrauber könnten eingesetzt werden. Zudem hielten sich bereits mehr als 40.000 Monteure der Versorgungsunternehmen bereit, um Stromleitungen zu reparieren.

In einer Ansprache erklärte der Gouverneur außerdem, Tausende Menschen bräuchten nun Hilfe beim Wiederaufbau.

24 Stunden heftige Regenfälle

Der Direktor des Nationalen Hurrikanzentrums, Ken Graham, betonte, es werde nach dem Eintreffen an Land vermutlich 24 Stunden dauern, bis der Wirbelsturm über Florida hinweggezogen sei.

Meteorologen zufolge wird "Ian" in den kommenden Stunden weiter über Florida ziehen. Im Laufe des Donnerstags soll der Sturm dann den Atlantik erreichen, bevor er voraussichtlich nach Norden weiterziehen werde. Die Menschen in den Bundesstaaten Georgia, South und North Carolina sowie Virgina bereiteten sich auf die Ankunft des Sturms vor.

Gouverneur: Werden "sehr hässliche Tage"

Floridas Gouverneur DeSantis hatte die Bevölkerung in seinem Bundesstaat zuvor auf schwere Schäden durch den nahenden Hurrikan "Ian" vorbereitet. "Dies ist ein großer, starker Sturm", sagte DeSantis. Die nächsten ein bis zwei Tage würden "sehr hässlich", bis der Wirbelsturm über Florida hinweggezogen sei, sagte der republikanische Politiker. "Das wird eine harte Strecke."

UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete "Ian" als "ein weiteres Beispiel dramatischer Klima-Aktivitäten, wie wir sie auf der ganzen Welt mit zunehmender Frequenz und zunehmender Zerstörung sehen".

Sturm war bereits auf Kuba getroffen

Am Dienstag war "Ian" als Hurrikan der Kategorie drei von fünf in Kuba auf Land getroffen. In dem Staat mit gut elf Millionen Einwohnern fiel der Strom zeitweise landesweit aus. Zwei Menschen seien nach dem Einsturz ihrer Häuser gestorben, teilte die Regierung mit.

Ein Boot mit Migranten aus Kuba sank unterdessen am Mittwoch vor der Küste Floridas. Die US-Küstenwache suchte zunächst nach 23 Menschen, wie sie auf Twitter mitteilte. Drei wurden dabei gerettet. Zuvor hatten vier Migranten von dem Boot schwimmend eine vorgelagerte US-Insel bei Key West in stürmischen Wetterverhältnissen erreicht.

Mit Informationen von ARD-Washington-Korrespondent Ralf Borchard.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 29. September 2022 um 05:39 Uhr.