US-Präsident Joe Biden spricht auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. | AFP

Biden zu Afghanistan-Abzug "War Zeit, diesen Krieg zu beenden"

Stand: 31.08.2021 22:49 Uhr

US-Präsident Biden hat den Truppenabzug aus Afghanistan verteidigt. Er habe die Wahl gehabt, das Land zu verlassen oder die Situation eskalieren zu lassen. Dafür sei vor allem sein Vorgänger Trump verantwortlich.

Nach dem kompletten Abzug aller US-amerikanischen Soldaten aus Afghanistan hat US-Präsident Joe Biden seine umstrittene Entscheidung erneut verteidigt. "Es war an der Zeit, den Krieg zu beenden", sagte Biden in seiner Rede an die Nation im Weißen Haus. Der Truppenabzug zum 31. August sei nicht auf eine "willkürliche Frist" zurückzuführen. "Sie war so ausgelegt, um amerikanische Leben zu retten", so Biden.

Schuld an der Gesamtsituation sei sein Amtsvorgänger Donald Trump. Dieser habe eine Vereinbarung mit den Taliban geschlossen und den Abzug der US-Truppen zugesagt, so Biden. Er hätte somit lediglich die Wahl gehabt, die Soldaten aus Afghanistan abzuziehen oder den Konflikt eskalieren zu lassen.

Biden nennt Evakuierung einen "außergewöhnlichen Erfolg"

Der Präsident wies auch erneut Kritik zurück, der Abzug hätte geordneter abgewickelt werden können. Biden wertete die "Herausforderungen", mit denen man bei dem Abzug konfrontiert gewesen seien, als unvermeidbar. Eine frühere Evakuierung hätte seiner Ansicht nach ein ebenso großes Chaos am Flughafen verursacht.

Zudem betonte Biden, dass unter dem Strich 90 Prozent der US-Amerikaner, die Afghanistan verlassen wollten, in Sicherheit gebracht worden seien. Der Evakuierungseinsatz der USA sei ein außergewöhnlicher Erfolg. Es sei gelungen, mehr als doppelt so viele Menschen auszufliegen, wie zunächst erwartet. Nur die USA seien zu einer solchen Leistung in der Lage. Armee und Diplomaten hätten ihr Leben riskiert, um andere zu retten. 20 Soldaten seien dabei verletzt und 13 getötet worden. Ihnen und ihren Familien schulde die USA Dankbarkeit.

Kampf gegen den Terror geht weiter

Auch nach dem Abzug aus Afghanistan werde die USA weiter gegen den örtlichen Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vorgehen. Er warnte die Gruppe, die sich zum jüngsten Anschlag am Flughafen in Kabul bekannt hatte, die USA würden sie weiter verfolgen. "Wir sind mit euch noch nicht fertig", sagte Biden. Der Kampf gegen den Terror gehe auch nach dem Abzug aus Afghanistan weiter, wenn auch ohne Bodentruppen. Die USA würden Terroristen, die das Land angriffen, "bis zum Ende der Welt jagen und fassen", sagte Biden.

Biden machte zudem die frühere afghanische Regierung und die Sicherheitskräfte des Landes für die Machtübernahme der Taliban verantwortlich. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien entgegen den Erwartungen kein starker Gegner im Kampf gegen die Taliban gewesen. Die afghanische Regierung sei kollabiert, Präsident Aschraf Ghani sei außer Landes geflohen. Sie hätten damit "das Land ihren Feinden übergeben, den Taliban". Damit sei die Gefahr für die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten gestiegen.

Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge soll Biden die afghanische Armee vor der Machtübernahme der Taliban noch ausdrücklich gelobt haben. "Sie haben eindeutig das beste Militär", hatte Biden demnach in einem Telefonat mit Präsident Ghani im Juli gesagt.

Mit dem Abzug der letzten US-Soldaten vom Flughafen Kabul war in der Nacht zu Dienstag der internationale Afghanistan-Einsatz nach fast 20 Jahren zu Ende gegangen. Biden hatte im Juli angekündigt, dass alle US-Truppen bis zum 31. August abgezogen werden. Nach der Abzugsankündigung hatte der Siegeszug der Taliban rasant an Tempo zugelegt. Mitte August übernahmen die Islamisten, deren Regime der US-geführte Einsatz Ende 2001 gestürzt hatte, wieder die Macht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. August 2021 um 22:00 Uhr.