Menschen waten durch den Rio Grande an der Grenze zwischen den USA und Mexiko | dpa

Flüchtlingskrise an US-Grenze Dürfen Haitianer nun doch einreisen?

Stand: 22.09.2021 19:47 Uhr

In den vergangenen Tagen hatten Tausende Haitianer versucht, von Mexiko aus in die USA zu kommen. US-Grenzschützer gingen teils mit enormer Härte gegen sie vor. Nun lassen US-Beamte Haitianer offenbar doch einreisen.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Die Lage an der texanisch-mexikanischen Grenze wird immer unübersichtlicher. Offenbar haben US-Beamte damit begonnen, Tausende Flüchtlinge aus Haiti nun doch in die USA einreisen zu lassen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP mit Verweis auf Mitarbeiter, die mit den Vorgängen vertraut seien, aber anonym bleiben wollten.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

"Barriere aus Stahl"

Die Haitianer seien in großem Stil freigelassen worden, viele mit der Auflage, sich innerhalb von 60 Tagen bei einer Einwanderungsbehörde zu melden. Das widerspräche der bisherigen Politik der US-Regierung, die angekündigt hat, alle illegal eingereisten Haitianer sofort zurückzuschicken.

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, ein Republikaner, warf der US-Regierung Unfähigkeit vor. Sie schaffe es nicht, die Migranten vor Ende der Woche abzufertigen, so Abbott gestern in Del Rio. Sie tue so, als ob es keine Krise gebe.

"Wir sind hier, um zu zeigen, dass es diese Krise gibt", so Abbott. Es herrsche totales Chaos und die Biden-Regierung müsse jetzt richtig reinhauen. Um die texanische Grenze zu sichern, kündigte Abbott eine "Barriere aus Stahl" an. Fahrzeuge von US-Behörden sollen am Ufer des Grenzflusses Rio Grande Menschen vom Überqueren abhalten.

Migranten, viele von ihnen aus Haiti, warten in Del Rio, Texas, darauf, in Busse umgeladen zu werden.  | AP

Migranten, viele von ihnen aus Haiti, warten in Del Rio, Texas, darauf, in Busse umgeladen zu werden. Bild: AP

Unter einer Brücke nahe der Grenzstadt bei Del Rio in Texas campieren zur Zeit noch etwa 8000 Menschen, die aus Mexiko illegal in die USA gekommen sind. Viele stammen aus Haiti und halten sich seit Jahren schon in Zentralamerika auf.

Die US-Regierung schiebt täglich Hunderte von ihnen per Flugzeug nach Haiti ab. Um das improvisierte Lager zu leeren, werden außerdem Flüchtlinge per Bus und Flugzeuge auf andere Städte verteilt. Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas hatte gestern angekündigt, dass sich in den nächsten Tagen viel verändern werde.

Ausschreitungen in einem Bus

Unterdessen geht die Diskussion über das Verhalten der Grenzschützer weiter. Am Wochenende waren Bilder und Videos von berittenen Polizisten veröffentlicht worden, die mit ihren Zügeln Menschen zu peitschen scheinen. Gestern verwies Brandon Judd, Präsident einer Grenzschützer-Gewerkschaft, auf die angespannte Lage und berichtete von Ausschreitungen in einem Bus: "Als diese Leute, die sich in Bussen südlich von Kingsville, Texas, befanden, herausbekamen, dass sie zurück nach Haiti geschickt werden sollten, übernahmen sie den Bus und flohen".

Heimatschutzminister Mayorkas hatte eine Untersuchung angekündigt. Die Regierung von Joe Biden hat die Szenen als "abstoßend und grauenhaft" bezeichnet.