Debatte zu den Folgen des Ukraine-Kriegs im UN-Sicherheitsrat | AP

Folgen des Ukraine-Kriegs Welternährungsprogramm warnt vor Katastrophe

Stand: 30.03.2022 07:14 Uhr

Das UN-Welternährungsprogramm warnt vor einer Nahrungsmittelknappheit infolge des Ukraine-Kriegs. Vor allem für Krisenregionen wie Jemen oder Ostafrika bedeute dies eine "Katastrophe". Westliche Staaten geben Russland die Schuld daran.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine wird nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) katastrophale Folgen für die Lebensmittelversorgung weltweit haben. Der WFP-Direktor David Beasley sagte vor dem UN-Sicherheitsrat in New York, die bereits hohen Lebensmittelkosten seien noch einmal gestiegen. Der Krieg habe "eine Katastrophe zusätzlich zu einer Katastrophe" verursacht. Das WFP kürze bereits die Lebensmittelhilfen für Bedürftige.

Als Beispiel nannte Beasley den Jemen, wo die Hilfe für acht Millionen Menschen um die Hälfte reduziert worden sei. Der Krieg werde globale Auswirkungen haben, "die über alles hinausgehen, was wir seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben", sagte Beasley. Millionen Menschen seien betroffen, wie in Ägypten und im Libanon, die beide einen großen Teil ihres Getreides aus der Ukraine beziehen. Die Ukraine und Russland produzieren gemeinsam 30 Prozent des weltweiten Weizenangebots, 20 Prozent des Maisangebots und 75 bis 80 Prozent des Sonnenblumenöls. Das Welternährungsprogramm kauft nach Angaben seines Direktors etwa die Hälfte seines Getreides aus der Ukraine.

Millionen Hilfsbedürftige in Ukraine

Auch die Ukraine selbst ist betroffen: Derzeit versorgt das Welternährungsprogramm etwa eine Million Menschen dort mit Nahrungsmitteln. In den kommenden vier Wochen sollen es 2,5 Millionen sein, bis Ende Mai vier Millionen und bis Ende Juni etwa sechs Millionen.

Der WFP-Direktor warnte aber gleichzeitig, die Konzentration auf die Ukraine dürfe nicht dazu führen, dass die internationale Gemeinschaft Afrika und den Nahen Osten vernachlässige. Das würde unter anderem auch zu einer massiven Einwanderung nach Europa führen.

Schwere Vorwürfe gegen Russland

Bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrates erhoben westliche Staaten massive Vorwürfe gegen Russland. "Wladimir Putin hat diesen Krieg begonnen. Er hat diese weltweite Nahrungsmittelkrise verursacht", sagte US-Vizeaußenministerin Wendy Sherman im UN-Sicherheitsrat. Der französische UN-Botschafter Nicolas de Rivière erklärte, Putins Krieg "erhöht das Risiko von Hungersnöten".

Die Stellvertreterin des UN-Generalsekretärs für humanitäre Angelegenheiten, Joyce Msuya, warnte, dass der Konflikt in der Ukraine "die Lage für die größten humanitären Krisen der Welt, wie in Afghanistan, im Jemen und am Horn von Afrika, noch weiter zu verschlimmern" drohe. "Diese Länder kämpfen bereits mit Ernährungsunsicherheit, der Fragilität ihrer Volkswirtschaften, steigenden Preisen für Lebensmittel, Treibstoff und Düngemittel, die die aktuelle und kommende Saison hart treffen werden", warnte die UN-Vertreterin.

Russland sieht Schuld im Westen

Der russische Botschafter Wassili Nebensia erklärte dazu: "Die wahren Gründe für die schweren Turbulenzen auf den weltweiten Lebensmittelmärkten sind keinesfalls auf die Handlungen Russlands zurückzuführen, sondern vielmehr auf die unkontrollierte Hysterie der vom Westen gegen Moskau verhängten Sanktionen".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. März 2022 um 07:00 Uhr.