Hände einer Frau im Jemen halten Getreide. | EPA

UN zur Ernährungssicherheit "Rest der Welt nicht vergessen"

Stand: 18.05.2022 03:16 Uhr

Russlands Krieg gegen die Ukraine trifft Krisenregionen weltweit und bringt arme Länder in Not. Auf einer UN-Konferenz sollen nun Maßnahmen zur Verbesserung der globalen Ernährungssicherheit gefunden werden.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Die Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine reichen weltweit, und Washingtons UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield mahnt: "Während die Ukraine unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, können wir nicht den Rest der Welt vergessen."

Der Krieg trifft andere Krisenregionen und bringt arme Länder in Not. Die Ukraine war bis Kriegsbeginn der weltweit fünftgrößte Weizenexporteur sowie ein großer Mais-Produzent. Viele Länder, etwa in Nordafrika, sind abhängig von günstigem Weizen aus der Ukraine. Auch für die weltweite Ernährungshilfe ist das Getreide entscheidend.

Große Versorgungslücken

Doch seit Kriegsbeginn klaffen große Versorgungslücken. Die Zahl der hungernden Menschen steigt sprunghaft an, warnt der Chef-Ökonom des UN-Welternährungsprogramms WFP, Arif Hussain:

Schon vor dem Krieg in der Ukraine hingen 276 Millionen Menschen an unserer Nahrungsmittelhilfe. Durch die Krise in der Ukraine erwarten wir, dass nochmal 47 Millionen Menschen dazukommen. Alles zusammen sprechen wir von 320 Millionen hilfebedürftigen Menschen.

Besonders betroffen: Kinder. Die Zahl der Hungernden in Afghanistan, am Horn von Afrika oder in der Sahelzone sei so hoch wie noch nie, warnt das Kinderhilfswerk UNICEF. Weltweit seien 45 Millionen Mädchen und Jungen unter fünf Jahren von Auszehrung betroffen. Sie brauchten dringend eine hoch-nahrhafte Paste, um überleben zu können. Doch weil die so teuer geworden ist, bekommen viele Kinder sie nicht, erklärt UN-Sprecher Stephane Dujaric.

Rund zehn Millionen Kleinkinder haben keinen Zugang zu dieser Spezialnahrung. Der Preis dafür wird in den nächsten Monaten um 16 Prozent steigen, weil die Zutaten so teuer geworden sind.

Russlands Vorgehen verschärft die Krise

Viele UN-Mitglieder werfen Russland vor, den Krieg in der Ukraine auch über die Nahrungsmittel-Krise zu führen. US-Botschafterin Thomas-Greenfield:

Die zunehmende Ernährungsunsicherheit ist eine Folge von Russlands Krieg in der Ukraine, eine Folge von Russlands Maßnahmen, um zu verhindern, dass ukrainisches Getreide exportiert wird. Wegen des Krieges ist Russland auch nicht in der Lage, Nahrungsmittel, Dünger und andere landwirtschaftliche Produkte auf den Markt zu bringen.

Auch Bundesaußenministerin Baerbock hatte vergangene Woche beim Treffen der G7-Staaten gemahnt: Die Industrienationen dürften jene 141 Staaten nicht im Stich lassen, die in der UN-Vollversammlung den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilt hätten. Länder im Nahen Osten und in Afrika müssten dringend mit bezahlbarem Getreide versorgt werden.

Thema wird auch im Sicherheitsrat diskutiert

Neben US-Außenminister Blinken ist Baerbock Co-Gastgeberin der Konferenz - neben Senegal und UN-Generalsekretär Guterres. Mit ihm wird sich Baerbock auch am Rande zu einem Gespräch treffen. Rund 30 Länder kommen zu dem Ministertreffen. Thomas-Greenfield betont:

Wir wissen, dass die Ernährungssicherheit nicht mit dem Krieg in der Ukraine angefangen hat. Er hat die Situation nur noch verschärft. Afrikanische Kleinbauern sind besorgt über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft aber auch die Folgen der Corona-Pandemie auf die Lebensmittelproduktion.

Am Ende der Konferenz soll es eine Abschlusserklärung geben. Morgen wird das Thema dann im Sicherheitsrat diskutiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Mai 2022 um 06:26 Uhr.