Der russische Außenminister hält im September 2022 eine Rede vor der UN-Vollversammlung. | AFP

Lawrow auf UN-Vollversammlung "Westen will Russland zerstückeln"

Stand: 24.09.2022 21:43 Uhr

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sieht sein Land klar im Recht - mit dem Krieg gegen die Ukraine, mit den dortigen Scheinreferenden. Dem Westen - allen voran den USA - warf er eine zerstörerische Sanktionspolitik vor.

Die Rede des russischen Außenministers Sergej Lawrow auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York war ein Generalangriff auf die USA und ihre Verbündeten.

Lawrow warf den westlichen Staaten "Russophobie" vor - eine Angst vor Russland, deren Ausmaß "grotesk" sei. Mit seiner Kritik zielte Russlands Außenminister vorrangig auf die Sanktionen, welche die USA und weitere Staaten infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erlassen haben. Ziel des Westens sei es nicht nur, Russland "eine militärische Niederlage" zuzufügen", sondern es "zu zerstören, zu zerstückeln". Die Ukraine würde der Westen in seinem "Kampf gegen Russland" nur benutzen.

Die Welt als "Hinterhof" der USA

Der Westen wolle die Welt wieder in zwei Blöcke einteilen, so Lawrow weiter. Überall würden Trennlinien eingeführt, die auf eine Konfrontation hinausliefen. "Entweder bist du für oder gegen uns" - eine dritte Möglichkeit lasse der Westen einem nicht. Die USA verhielten sich wie der "Gesandte Gottes auf Erden - ohne irgendwelche Verpflichtungen, außer dem heiligen Recht, überall und jederzeit ungestraft zu handeln". Die Vereinigten Staaten wollten "die ganze Welt in ihren Hinterhof zu verwandeln".

Neben seinen scharfen Worten Richtung Westen verteidigte Lawrow erneut das Vorgehen seines Landes in der Ukraine. Moskau habe "Verantwortung für seine Bürger übernommen". In diesem Zusammenhang wies er auch Kritik an den Scheinreferenden in mehreren von Russland besetzten Gebieten in der Ostukraine zurück. Der "Wutausbruch" des Westens über diese Abstimmungen sei unbegründet. Die Bewohner der Regionen wollten zu Russland gehören.

UN-Sicherheitsrat will über mögliche Annexion beraten

Der Westen spricht diesen sogenannten Referenden jegliche rechtliche Grundlage ab. Auch UN-Generalsekretär António Guterres hatte eine mögliche Annexion der Gebiete als Verletzung des Völkerrechts bezeichnet.

Am Dienstag soll sich der UN-Sicherheitsrat mit dem Thema beschäftigen. Das Treffen hatten die USA und Albanien beantragt. Die Ukraine hatte zuvor in einem Brief vom wichtigsten Gremium der Vereinten Nationen eine solche Sitzung gefordert.

China ruft zu diplomatischen Bemühungen auf

Vor Lawrow hatte sich auch Chinas Außenminister Wang Yi vor der UN-Vollversammlung geäußert. China gilt als wichtiger Handelspartner Russlands. Zudem hofft Moskau, in der Volksrepublik künftig einen noch größeren Abnehmer für Energieressourcen wie Öl und Gas zu finden, nachdem westliche Staaten sich von russischer Energie unabhängig machen wollen.

Bislang hat China die russische Invasion in der Ukraine nicht klar verurteilt. Wang sprach sich in seiner Rede in New York nun dafür aus, durch diplomatische Bemühungen eine friedliche Lösung zu finden - auch, "ein Übergreifen der Krise zu verhindern". Er appellierte an Moskau und Kiew, Gespräche aufzunehmen. Bei einem solchen Dialog müssten jedoch die "legitimen Sicherheitsbedenken aller Parteien" berücksichtigt werden.

Mit Informationen von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. September 2022 um 21:40 Uhr.