Trump-Unterstützer an der "Trump-Ecke" vor Mar-a-Lago. |
Reportage

Mar-a-Lago Wo Trump weiter den Ton angibt

Stand: 27.02.2021 11:59 Uhr

Von Mar-a-Lago aus arbeitet Trump an seinem Comeback. Die Republikaner gehen bereits ein und aus. Fans jubeln ihm zu - doch nicht alle Nachbarn sind gleichermaßen begeistert.

Von Verena Bünten, ARD-Studio Washington

Der Verkehr läuft wieder rund um Mar-a-Lago, seit der Bürger Donald J. Trump dort lebt. Zu Zeiten, als der Präsident Trump noch am Wochenende dort zu Besuch kam, wurden aus Sicherheitsgründen Straßen und Wasserwege gesperrt - sehr zum Missfallen der umliegenden reichen Yachtbesitzer. Auch jetzt hält der Secret Service an den Toren seines Privatclubs Wache.

Verena Bünten ARD-Studio Washington

Der Hausherr selbst verlässt Mar-a-Lago höchstens zum Golfen, empfängt aber Gäste: Republikanische Größen wie Fraktionsführer Kevin McCarthy oder Lindsay Graham reisten schon an - ein Beleg für Trumps fortbestehenden Einfluss auf die Partei. Nachdem der Ex-Präsident während des zweiten Amtsenthebungsverfahrens ungewohnt still war, meldet er sich seit dem Freispruch wieder zu Wort und will die Republikaner weiter dominieren.

Reiche Nachbarn gehen auf Distanz

Palm Beach ist eine der teuersten Wohngegenden der Welt. Laurence Leamer lebt seit 25 Jahren hier, ging in Trumps Privatclub für Reiche ein und aus. "Trump hat sich mit dem Club ein eigenes Universum geschaffen, in dem er ständig von allen bestätigt wird", sagt Leamer. Er hat ein Buch über den "Präsidentenpalast Mar-a-Lago" geschrieben und darin unter anderem das Essen kritisiert. Jetzt haben er und seine ganze Familie Hausverbot.

Laurence Leamer | ARD Washington

Laurence Leamer schrieb ein Buch, in dem er Trumps Club kritisierte - nun hat er dort Hausverbot. Bild: ARD Washington

Einige der reichen Nachbarn wollten verhindern, dass Trump sich dauerhaft ansiedelt - aus Sorge, dass seine Rowdy-Anhänger mit dem Partyboot vorbeikommen. Hier schätze man Ruhe und Diskretion. "Trump ist so laut, so umstritten, das passt nicht zu dieser Insel. Er hat sich hier noch nie an die Regeln gehalten und wird das auch weiter nicht tun", beanstandet Leamer.

Per Anwalt hatten Anwohner auf eine Verpflichtung aus den Neunzigerjahren gepocht, nach der Trump Mar-a-Lago nur als Club, nicht als Privatresidenz betreiben darf. Doch die Gegenanwälte fanden ein Schlupfloch: Jetzt wird Trump wohl dauerhaft Wohnsitz gewährt - als Angestellter seines eigenen Unternehmens.

Donald Trumps Ferienclub Mar-a-Lago in Palm Beach. | AFP

Donald Trumps Ferienclub Mar-a-Lago in Palm Beach. Bild: AFP

Lokale Anhänger fühlen sich Trump nah

Während die High Society auf Distanz geht, kann sich Trump auf seine lokalen Kernanhänger verlassen: Willy Guardiola lebt eine halbe Stunde von Mar-a-Lago entfernt. Im Büro seines Blockhauses stehen Trump-Portraits neben Marienbildern: "Für mich ist er immer noch unser Präsident und er wird zurückkommen - stärker als zuvor", glaubt der überzeugte Christ und Abtreibungsgegner.

Jeden Freitag seit mehr als vier Jahren organisiert Guardiola ein Treffen der örtlichen Trump-Unterstützer, die an einer Straßenkreuzung Schilder schwenken. Neulich fuhr ihr Idol mit hochgereckten Daumen an der jubelnden Menge vorbei.

Menschen an einer Straße schwenken US-Flaggen und Trump-Fahnen | ARD Washington

Menschen an einer Straße schwenken US-Flaggen und Trump-Fahnen. Bild: ARD Washington

Guardiola hat konkrete Vorstellungen, wie Trump jetzt weitermachen soll: "Er muss die republikanische Partei auflösen und mit neuem Namen wieder aufbauen", sagt er. "Die Verräter müssen raus, stattdessen brauchen wir loyale Leute, die die Bibel und die Verfassung ehren. Amerika zuerst, Trump an zweiter Stelle!"

MAGA war erst der Anfang, kündigt Trump an

Mar-a-Lago will Trump auch zum Hauptquartier für sein politisches Comeback machen: Die "Make America Great Again"-Bewegung habe gerade erst begonnen, verkündete er. Damit stellt er die republikanische Partei vor ein Dilemma: Mit Trump drohen sie moderate Wähler der Mitte zu verschrecken.

Ohne Trump könnten sie breite Teile der Basis verlieren: Laut einer aktuellen Studie der Quinnipiac Universität in Connecticut wollen drei von vier republikanischen Wählern, dass Trump weiter eine wichtige Rolle in der Partei spielt. Erste Hinweise auf Trumps Zukunftspläne könnte es am Sonntag geben: Beim Konservativen-Gipfel CPAC hält er die erste Rede nach Ende seiner Präsidentschaft.

Über dieses Thema berichtete der Weltspiegel am 14. Februar 2021 um 19:20 Uhr.