Trump in einer Besprechung mit hochrangigen Militärs im Kabinettssaal des Weißen Hauses in Washington. | picture alliance / Consolidated

Zugriff auf Atomwaffen Wurde Trumps Macht eingeschränkt?

Stand: 15.09.2021 19:19 Uhr

Im Januar stürmten Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Trump das Kapitol. Laut einem neuen Enthüllungsbuch schränkte der oberste US-General anschließend Trumps Zugriff auf die Atomwaffen ein - und kontaktierte China.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Noch ist das Enthüllungsbuch von Reporter-Legende Bob Woodward - gemeinsam geschrieben mit "Washington Post"-Redakteur Robert Costa - gar nicht erschienen. Doch schon spricht der rechte Fox News-Moderator Tucker Carlson davon, dass es einen der beängstigendsten Vorgänge ans Tageslicht bringen könnte, der sich je in den USA ereignet hat.

Dem Buch zufolge habe US-Generalstabschef Mark Milley in aller Heimlichkeit den wichtigsten militärischen Gegner der USA kontaktiert, berichtet Carlson. "Peril", zu Deutsch "Gefahr", erscheint am 21. September und erzählt von mehreren Gelegenheiten, bei denen Milley - der ranghöchste Militärvertreter - am Präsidenten vorbei handelte. Offenbar, weil er Donald Trump für unberechenbar und letztlich gefährlich hielt.

Schock über Sturm auf Kapitol

Milley sei erschüttert gewesen vom Sturm auf das Kapitol und Trumps Rolle dabei, berichtet die CNN-Reporterin Jamie Gangel, die einen Vorabdruck des Buches kennt. Er habe den scheidenden Präsidenten für instabil gehalten, unberechenbar, in mentalem Verfall begriffen. In der Konsequenz habe Milley die Führungsebene des National Military Command Center, dass das Atomwaffen-Arsenal der USA kontrolliert, angewiesen, über alle Vorgänge zunächst ihn, den Generalstabschef, zu konsultieren, und nicht den Oberbefehlshaber, also Präsident Trump.

Bereits im Oktober letzten Jahres habe Milley, ohne dass Trump davon wusste, seinen chinesischen Amtskollegen in Peking angerufen und versichert, dass die US-Regierung stabil sei. Milleys Handeln wird so interpretiert, dass er Angst gehabt habe, Trump könne gegen Ende seiner Amtszeit einen atomaren Militärschlag gegen China anordnen.

Milley soll befragt werden

Trump konterte in seiner bekannten Art: "Der größte Unsinn, den ich je gehört habe." Wenn die Behauptungen über Milley sich als wahr herausstellen sollten, was Trump noch nicht glauben mag, dann sei das Landesverrat. 

Der Verdacht, dass der ranghöchste Militärberater des Präsidenten diesem so sehr misstraute, dass er geheime Schutzmaßnahmen ergriff: Das müsse dringend aufgeklärt werden, meint auch der frühere Militär Doug MacGregor, den Trump einst als Botschafter nach Berlin schicken wollte. "Milley muss direkt dazu befragt werden, das Parlament muss ihn vorladen", so MacGregor. Bislang schweigt Milley, der nach dem Regierungswechsel im Amt blieb und dem schon immer eine gewisse politischen Nähe zu den Demokraten nachgesagt wurde.

Trump als "verrückt" bezeichnet

In dem Buch wird laut den Berichten auch eine Mitschrift eines Telefonats von Milley und der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, der Demokratin Nancy Pelosi, zitiert. Pelosi sagte demnach in dem Gespräch vom 8. Januar zu Milley über Trump: "Sie wissen, dass er verrückt ist. Er ist seit langer Zeit verrückt." Darauf soll Milley, der 2019 von Trump ernannt worden war, erwidert haben: "Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. September 2021 um 06:00 Uhr.