Die Unterwasseraufnahme zeigt eine Braunalge. | picture-alliance / OKAPIA KG, Ge

UN schlagen Alarm Mehr "Todeszonen" in den Weltmeeren

Stand: 22.04.2021 10:11 Uhr

In immer mehr Unterwassergebieten ist kaum noch Leben möglich, weil es an Sauerstoff fehlt. Die Zunahme dieser "Todeszonen" nennen die UN "alarmierend". Auch Nord- und Ostsee sind betroffen.

Die Vereinten Nationen zählen in den Weltmeeren immer mehr sogenannte Todeszonen. Dabei handelt es sich um sauerstoffarme Unterwassergebiete, in denen kaum Leben möglich ist. Die Zahl dieser Zonen sei von 2008 bis 2019 von mehr als 400 auf etwa 700 gestiegen, heißt es im zweiten "World Ocean Assessment" der UN zum Zustand der Meere, der in New York vorgestellt wurde.

Besonders betroffen sind demnach neben dem Golf von Mexiko und dem Südchinesischen Meer auch die Ost- und die Nordsee. In einigen Meeresregionen tritt das Phänomen natürlicherweise auf. Eine Ursache sind Algenblüten: Nach dem Absterben sinken die Algen langsam nach unten und werden dabei von Bakterien abgebaut, die Sauerstoff verbrauchen. So können sich in der Tiefe riesige Zonen bilden, in denen es zeitweise kaum mehr Sauerstoff im Wasser gibt.

Algenblüten schwimmen auf einem Gewässer in Chile | EPA

Die Algenblüte hat in Chile gerade erst für ein massenhaftes Fischsterben gesorgt: Mehr als 5000 Tonnen Lachs sind Mitte April in einer Lachsfarm erstickt, weil zu wenig Sauerstoff im Wasser war Bild: EPA

Der Eintrag von Nährstoffen wie etwa Stickstoff und Phosphor in die Meere begünstigt solche Algenblüten. Sie werden von stark gedüngten Feldern abgeschwemmt und geraten durch die Gewässersysteme ins Meer.

Lage verschlechtert sich - bis auf einen Punkt

Die UN sehen eine Tendenz zur weiteren Verschlechterung der Lage: "Es wird geschätzt, dass sich der menschengemachte Stickstoffeintrag an den Küsten in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts verdoppeln wird", heißt es in dem Bericht. Zudem hätten durch den Klimawandel auch steigende Wassertemperaturen einen negativen Einfluss. UN-Generalsekretär António Guterres nannte die Befunde im Bericht alarmierend: "Die Belastungen durch viele menschliche Aktivitäten strapazieren weiterhin die Ozeane, zerstören wichtige Lebensräume - wie Mangrovenwälder und Korallenriffe - und behindern deren Fähigkeit, die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen", teilte er mit.

Guterres betonte die Rolle des CO2-Ausstoßes, durch den biologische Vielfalt in den Meeren zerstört und Küstenabschnitte wegen des steigenden Wasserspiegels bedroht würden. Eine positive Entwicklung sehen die Vereinten Nationen derweil bei der Anzahl der Vorfälle mit Schiffen. Die Unfälle auf den Weltmeeren seien in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Von 2014 bis 2018 seien jährlich im Schnitt 88 Schiffe "verloren gegangen", in den fünf Jahren zuvor seien es im Schnitt 120 gewesen. Fortschritte gebe es auch bei der Senkung von Luftverschmutzung durch Schiffsabgase. Zudem seien Vorfälle mit Öllecks nach wie vor selten.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 22. April 2021 um 10:37 Uhr.