Die neue US-Botschafterin bei den UN, Thomas-Greenfield, lauscht den Fragen bei ihrer Anhörung im US-Senat | dpa

US-Botschafterin bei UN "Ich lande direkt im Sprint"

Stand: 01.03.2021 02:08 Uhr

Wenn die neue US-Botschafterin bei den UN heute ihre erste Sitzung im Sicherheitsrat eröffnet, beginnt eine neue Ära. Linda Thomas-Greenfield will die USA zurück in die aktive UN-Diplomatie bringen. Leicht wird das nicht.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Gerade hat sie ihren neuen Job in New York aufgenommen, da geht es auch schon los für Linda Thomas-Greenfield. "Ich setze hier nicht nur im Lauf auf, ich lande direkt im Sprint." Die neue UN-Botschafterin der USA hat sich im Sicherheitsrat ein großes Ziel gesteckt. Sie hat versprochen: "Der Multilateralismus ist zurück. Die Diplomatie ist zurück. Und Amerika ist zurück. Wir sind bereit, mit der Arbeit zu beginnen."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Vier Jahre lang waren die USA bei den Vereinten Nationen praktisch abgetaucht. Der damalige Präsident Donald Trump hielt nichts von der Weltorganisation. Sein Nachfolger Biden leitete den Gegenkurs ein. Die USA traten dem UN-Klimapakt wieder bei und dem Menschenrechtsrat. Sie zahlen wieder Beiträge bei der Weltgesundheitsorganisation WHO und schreiben ihr eine zentrale Rolle im Kampf gegen Covid-19 zu.

Konfliktpotential vor allem mit Russland

Die neue Gesandte aus Washington soll all das vertreten - und vieles mehr, sagt Richard Gowan von der Denkfabrik International Crisis Group bei den UN: "Diese US-Regierung will die UN arbeitsfähig machen, ihr liegt etwas an internationaler Zusammenarbeit." Gerade, wenn es darum geht, die Blockaden zu lösen, mit denen besonders China und Russland viele Resolutionen im Sicherheitsrat abschmettern. Gowan glaubt: Thomas-Greenfield muss sich besonders auf Gegenwind aus Moskau einstellen. "Ich denke, dass es Russland sein wird, das den USA das Leben im Sicherheitsrat schwer macht. Vermutlich wird Russland gerade bei Themen wie dem Krieg in Syrien oder der Lage in der Ukraine auf Konfrontationskurs zu den USA und ihren Verbündeten gehen."

China hingegen habe mehr das Interesse, auf die USA zuzugehen. "Ich glaube, dass China und die USA auf eine gemeinsame Basis beim Klimawandel kommen. Und nach einer vielleicht sehr schwierigen Phase werden sie bei den UN auch bei Covid zusammenarbeiten."

Human Rights Watch: "China die Stirn bieten"

Anders sieht es bei den Menschenrechten aus, warnt auch der UN-Direktor für die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Louis Charbonneau. Er setzt große Hoffnungen auf die neue US-Gesandte: "Wir sehen China als existenzielle Bedrohung für die Menschenrechts-Mechanismen im System der Vereinten Nationen. Wir hoffen, dass Botschafterin Thomas-Greenfield dem etwas entgegensetzt."

Dafür müsse sie eine Allianz hinter sich bringen, sagt Charbonneau. "Sie muss die Koalition von Nationen zusammenbringen, die China die Stirn bieten. Und die verdammen, was die Chinesen etwa gerade in der Region Xingjang tun - dass sie Uiguren und andere Muslime in Lager stecken." Wogegen auch Deutschland protestiert.

Haltung der USA zu Frauenrechten

Noch etwas sollte Thomas-Greenfield wieder gerade rücken: Die Haltung ihres Landes zu den Rechten von Frauen. "Die Trump-Regierung hat jede Bezugnahme auf sexuelle Rechte und Verhütung sehr aggressiv bekämpft", sagt Charbonneau. So hatten die USA erzwungen, dass der Text für eine Resolution abgeschwächt wurde, die Deutschland angeschoben hatte: Darin wird das Vorgehen gegen sexuelle Gewalt in Konfliktgebieten gefordert. Alles ums das Thema Abtreibung nach Vergewaltigungen wurde gestrichen. "Auf eine gewisse Art waren die USA da in einer Koalition mit Ländern wie Russland, Iran, Saudi Arabien - sehr konservative Länder, die Rechte für Frauen und Mädchen ablehnen", meint Charbonneau.

Der März wird ein voller Monat im Sicherheitsrat für Linda Thomas Greenfield. Auf der Agenda stehen Themen von Sudan bis Afghanistan - aber auch die Lebensmittelnot in Konfliktländern wie dem Jemen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. März 2021 um 11.11 Uhr.