In einem Waffengeschäft schauen sich Kunden Waffen an. | dpa

US-Bundesstaat Texas Tragen von Waffen bald ohne Genehmigung erlaubt

Stand: 17.06.2021 15:07 Uhr

Laut US-Gesundheitsbehörde sterben in den USA durchschnittlich 100 Menschen pro Tag durch eine Schusswaffe. Trotzdem wird es im Bundesstaat Texas ab September möglich sein, eine Waffe auch ohne Genehmigung zu tragen.

Das Tragen von Waffen ist im südlichen US-Bundesstaat Texas ab dem 1. September ohne Genehmigung erlaubt. Das entsprechende Gesetz wurde vom republikanischen Gouverneur Greg Abbott unterzeichnet. Demzufolge darf in der Öffentlichkeit eine Waffe tragen, wer mindestens 21 Jahre alt ist und keiner ausdrücklichen Beschränkung zum Tragen von Waffen unterliegt.

Dadurch werde Texanern der Zugang zu Waffen und das Tragen zum eigenen Schutz erleichtert, wurden republikanische Gesetzesbefürworter von US-Medien zitiert. Bislang war in dem Staat eine Genehmigung für Handfeuerwaffen verpflichtend. Dafür mussten Texaner unter anderem Fingerabdrücke abgeben, ein mehrstündiges Schießtraining absolvieren sowie eine schriftliche und praktische Prüfung ablegen, wie "Texas Tribune" berichtete. Das offene und verdeckte Tragen von Gewehren war demnach ohne Genehmigung erlaubt.

Gegner warnen vor Zunahme von Waffengewalt

Die Neuregelung war im Mai vom republikanisch dominierten Senat und dem Repräsentantenhaus in Texas verabschiedet worden. Die Befürworter argumentierten, dass die Verfassungen der USA und des Bundesstaates Texas das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit zulassen. Abbott hatte angekündigt, dass er das Gesetz in Kraft setze, wenn es von beiden Kammern des Parlaments beschlossen worden sei.

Gegner des umstrittenen Gesetzes kritisierten, das nun abgeschaffte Training habe zum Schutz der Öffentlichkeit beitragen. Sie warnten vor einer Zunahme von Waffengewalt und verwiesen etwa auf den Schusswaffenangriff in der texanischen Hauptstadt Austin, bei dem in der vergangenen Woche ein Mensch getötet und 13 verletzt wurden, sowie auf die Schießerei in einem Supermarkt in El Paso 2019, bei dem es 22 Tote und 23 Verletzte gab.

Die Abgeordnete Veronica Escobar warf Abbott auf Twitter vor, "die Opfer von Waffengewalt zu verraten". Die Demokratin Vikki Goodwin hatte vergeblich an den Gouverneur appelliert, sein Veto gegen das Gesetz einzulegen. 

100 Schusswaffentote pro Tag

Mit der Unterzeichnung des Gesetzes folgt Texas einer Reihe weiterer konservativ geführter Bundesstaaten, die ähnliche Maßnahmen verabschiedet haben. In den USA erlauben einige der 50 Bundesstaaten das offene oder verdeckte Tragen von Waffen, ohne dafür eine besondere Genehmigung oder Ausbildung zu erfordern.

Im Vergleich zu Europa ist das Waffenrecht in den USA allgemein sehr lax. Befürworter berufen sich auf den 1791 verabschiedeten zweiten Verfassungszusatz, der es ihrer Ansicht nach den US-Amerikanern erlaubt, Waffen zu tragen.

Die Gesundheitsbehörde CDC verzeichnete in ihrer jüngsten Statistik aus dem Jahr 2018 insgesamt 39.740 Schusswaffentote in den USA- also gut 100 Tote pro Tag. Bei rund 60 Prozent der Fälle handelte es sich um Suizid, bei rund 30 Prozent um Tötungsdelikte.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 04. Juni 2021 um 06:51 Uhr