Eine Luftaufnahme von großflächigen Waldbränden in Pocone, Pantanal-Region, Bundesstaat Mato Grosso, Brasilien, Archivbild/August 2020 | AFP

Trotz Wirtschaftskrise Regenwälder werden schneller zerstört

Stand: 31.03.2021 14:30 Uhr

Vergangenes Jahr ist noch mehr Regenwald zerstört worden als zuvor - besonders in Brasilien. Laut einer Studie ging eine Fläche so groß wie die Niederlande verloren. Experten kritisieren einen "Klima-Notstand".

Trotz der globalen Wirtschaftsflaute wegen der Corona-Pandemie hat sich die Zerstörung des tropischen Regenwaldes im vergangenen Jahr weiter beschleunigt.

Aus einer Studie der Universität von Maryland und der Organisation Global Forest Watch geht hervor, das rund um den Globus 4,2 Millionen Hektar tropischen Primärwaldes vernichtet wurden. Dies entspricht der Fläche der Niederlande und war eine Zunahme um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Spitzenreiter ist Brasilien

Mit Abstand am größten war der Untersuchung zufolge das Ausmaß der Zerstörung von tropischem Regenwald in Brasilien. Dort wurden demnach 1,7 Millionen Hektar solcher Waldgebiete durch Feuer oder Abholzung vernichtet - eine Zunahme um 25 Prozent im Vergleich zu 2019. Der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro hatte Finanzmittel für Umweltschutzprogramme gekürzt und die Öffnung von Schutzgebieten für Landwirtschaft und Bergbau vorangetrieben.

An zweiter Stelle in dieser Negativbilanz folgt die Demokratische Republik Kongo. Die dort vernichtete Fläche tropischen Primärwalds war der Untersuchung zufolge etwa ein Drittel so groß wie in Brasilien. Auch in Bolivien, Peru und Indonesien wurden Waldgebiete zerstört.

Zahl der Waldbrände nahm zu

Die Studie basiert auf Satellitendaten. Laut Global Forest Watch werden die Flächen hauptsächlich für die Landwirtschaft abgerodet.

Als besonders besorgniserregend fiel den Forschern auf, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Waldbrände im Vergleich zu 2019 nochmals zugenommen hat. Wie Global Forest Watch schreibt, werden die meisten Waldbrände im tropischen Regenwald durch Menschen ausgelöst und entstehen nicht auf natürliche Weise. Gleichwohl habe auch extreme Hitze und Dürre Brände in Brasilien, Australien und Sibirien verursacht.

"Staaten haben ihr Ziel verfehlt"

Die Expertin Frances Seymour vom World Resources Institute (WRI) bezeichnete das Ausmaß der Zerstörung der Regenwälder als "Klima-Notstand". Die Plattform Global Forest Watch wird vom WRI betrieben.

2020 sollte ein Meilenstein im Kampf gegen die Entwaldung werden, erklären die Autoren der Studie. Dazu hätten sich viele Unternehmen, Länder und internationale Organisationen verpflichtet. Die anhaltende Zerstörung an tropischen Primärwäldern mache aber deutlich, dass die internationale Gemeinschaft diese Ziele verfehlt habe.

2,64 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt

Die tropischen Regenwälder sind für den Schutz des Erdklimas von entscheidender Bedeutung. Die Bäume können Kohlendioxid aufnehmen und speichern. Wenn sie jedoch abbrennen, absterben oder abgeholzt werden, gelangt das Treibhausgas wieder in die Atmosphäre.

Laut WRI wurden im vergangenen Jahr durch die Vernichtung dieser Wälder 2,64 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt - das entspricht den Emissionen von 570 Millionen Autos.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2021 um 08:00 Uhr.