Sally Buzbee, Chefredakteurin der Washington Post | AP

Bekanntgabe der Pulitzer-Preise Auszeichnungen in herausfordernden Zeiten

Stand: 10.05.2022 09:31 Uhr

In New York sind die Gewinner der Pulitzer-Preise bekanntgegeben worden - darunter ist die "Washington Post" für Berichte über den Sturm auf das Kapitol. Eine Sonderauszeichnung gab es für ukrainische Journalistinnen und Journalisten.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Im vergangenen Jahr dominierten zwei Themen die wohl wichtigsten Journalistenpreise der Welt: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die "Black lives matter"-Proteste gegen Rassismus und Polizei-Brutalität. In diesem Jahr fehlte das bestimmende Thema bei den Pulitzer-Preisen - obwohl sich mit dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 durchaus eines angeboten hätte.

Peter Mücke ARD-Studio New York

"Washington Post" für Kapitol-Berichte ausgezeichnet

Am Ende blieb es bei zwei Auszeichnungen für die Berichterstattung dazu. Darunter in der renommiertesten Kategorie "Public Service" - Dienst an der Öffentlichkeit - für die "Washington Post":

"Für seine überzeugend erzählten und anschaulich präsentierten Berichte über den Angriff auf Washington, die der Öffentlichkeit ein gründliches und unbeirrbares Verständnis über einen der dunkelsten Tage der Nation vermittelt haben", sagt Marjorie Miller, die neue Vorsitzende des Pulitzer-Preis-Komitees.

Die Journalistin der Nachrichtenagentur AP ist selbst Preisträgerin. 2005 gewann sie - damals noch Korrespondentin für die "Los Angeles Times" in Moskau - in der Kategorie Internationale Berichterstattung.

Sonderpreise für ukrainische Journalisten

Russlands Angriffskrieg in der Ukraine war dann auch Thema bei der Bekanntgabe der Preisträger in diesem Jahr. Miller sagt dazu:


"Das Pulitzer-Preis-Komitee widmet den ukrainischen Journalisten einen Sonderpreis für ihren Mut, ihre Ausdauer und ihre Engagement, die Wahrheit zu berichten während der gnadenlosen Invasion ihres Landes durch Wladimir Putin und während des Propagandakriegs in Russland. Trotz Bombardierungen, Entführungen und sogar Todesfällen in den eigenen Reihen haben sie nicht aufgehört, ein genaues Bild einer schrecklichen Realität zu liefern und damit der Ukraine und Journalisten auf der ganzen Welt Ehre gemacht.

In einer der 22 regulären Kategorien konnte die Berichterstattung aus der Ukraine in diesem Jahr noch nicht gewürdigt werden, da nur Veröffentlichungen aus dem Jahr 2021 in Frage kamen.

Es handle sich um "herausfordernde und gefährliche" Zeiten für Journalisten weltweit, sagte John Daniszewski, einer der Jury-Vorsitzenden zu Beginn der Bekanntgabe der Preisträger, die erneut als Livestream erfolgte: "In diesem Jahr habe der Krieg in der Ukraine bereits zwölf Journalisten-Leben gefordert. In Mexiko seien acht Journalisten ermordet worden. "In Afghanistan mussten Tausende Journalisten ins Exil gehen oder werden vom Taliban-Regime bedroht. In Myanmar und anderswo wurde unabhängiger Journalismus in den Untergrund gedrängt. Und weltweit - auch bei uns in den USA - ist die demokratische Zivilgesellschaft bedroht", fügte er hinzu.

Da passte es, dass ein in Afghanistan getöteter Fotograf, Danish Siddiqui, - zusammen mit Kollegen -posthum in der Kategorie Feature Fotografie ausgezeichnet wurde. Für die Bilder, die sie für die Nachrichtenagentur Reuters über das Ausmaß der Corona-Pandemie in Indien gemacht hatten.

Auszeichnungen auch für die "New York Times"

Dreimal zeichnete die Jury die Arbeit der "New York Times" aus – unter anderem für internationale Berichterstattung über die vielen zivilen Opfer bei US-Luftangriffen im Irak, Syrien und Afghanistan. Und in der nationalen Kategorie über Verkehrskontrollen, bei denen in den USA jedes Jahr Hunderte Menschen erschossen werden.

"Eine anspruchsvolle Arbeit, die zeigt, dass viele Todesfälle verhindert werden könnten. Und wie Polizeibeamte sich einer Bestrafung entziehen", sagt Miller.

Pulitzer-Preise auch in Literatur, Musik und Theater

Neben den 15 Preisen, die in journalistischen Kategorien vergeben werden, wurden auch wieder Pulitzer-Preise in Literatur, Musik und Theater verliehen. Für das beste Sachbuch wurde Andrea Elliott ausgezeichnet, die für "Invisible Child" acht Jahre lang ein obdachloses Mädchen in New York begleitete. Den Pulitzer-Preis für den besten Roman gewann Joshua Cohen für "The Netanyahus" – laut Jury ein "bissiger, sprachlich versierter historischer Roman, der sich um das Verhältnis zwischen Israelis und amerikanischen Juden in den 1960er-Jahren in den USA dreht".

Die Auszeichnungen werden im Sommer im Rahmen eines Mittagessens in der Bibliothek der New Yorker Columbia Universität übergeben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2022 um 08:00 Uhr.