Regierungsgegner demonstrieren und stoßen mit der Polizei in Lima (Peru) zusammen. | AP

Proteste gegen Regierung Weitere Tote bei Unruhen in Peru

Stand: 19.01.2023 13:54 Uhr

Bei Protesten gegen die Regierung sind in Peru erneut Menschen ums Leben gekommen. In Lima wird eine Großdemonstrationen mit Teilnehmern aus dem ganzen Land erwartet. Die angespannte Lage hat auch für den Tourismus schwere Folgen.

In Peru sind im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Absetzung von Präsident Pedro Castillo erneut Menschen ums Leben gekommen. Wie die nationale Ombudsstelle bestätigte, starb eine 51-jährige Frau bei einer Straßenblockade im nördlichen Verwaltungsgebiet La Libertad.

Zwei weitere Todesopfer werden aus der Stadt Macusani gemeldet. Sie seien durch Schüsse getötet worden, sagte der Arzt Iván Fernández von der örtlichen Gesundheitsbehörde. Nach den Todesfällen setzten Demonstranten eine Polizeiwache und ein Justizgebäude in Brand. Nach Polizeiangaben mussten die Beamten per Helikopter aus der brennenden Wache fliehen.

Macusani ist die Hauptstadt der Provinz Carabaya, die zur Verwaltungsregion Puno im Süden Perus gehört. Laut der nationalen Ombudsstelle kamen bisher 50 Menschen während der Proteste ums Leben.

Behörden in Alarmbereitschaft

Nach Angaben des peruanischen Gesundheitsministeriums sind die Krankenhäuser wegen der Proteste in Alarmbereitschaft. In der Hauptstadt Lima werden im Laufe des Tages Proteste erwartet, zu denen Menschen aus sämtlichen Regionen des Landes unterwegs sind.

Von dem Marsch erhoffen sich die Aktivisten neue Impulse für die seit Wochen andauernde Protestbewegung, die sich nach der Absetzung Castillos entzündet hatte. Der ehemalige Dorfschullehrer und Gewerkschafter wurde am 7. Dezember vom Parlament abgesetzt und sitzt in Untersuchungshaft. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Übergangspräsidentin Dina Boluarte, die Auflösung des Kongresses und die Freilassung Castillos.

Bei seinem Amtsantritt im Juli 2021 hatte Castillo soziale Reformen angekündigt. Seine Amtszeit war jedoch von häufigen Kabinettswechseln und dem permanenten Machtkampf mit dem Parlament geprägt. Vor allem die ländliche und arme Bevölkerung solidarisiert sich mit Castillo.

Tourismus bricht ein

Die Proteste haben für den Tourismus schwere Folgen. 90 Prozent der Buchungen bis Ende März seien storniert worden, berichtete die peruanische Nachrichtenagentur "Agencia Andina" unter Berufung auf die Handelskammer der Region um Cusco. Die Stadt Cusco ist der Ausgangspunkt für Touren zur berühmten Inka-Ruinenstadt Machu Picchu, die Tausende Besucher am Tag empfangen kann.

Die peruanische Regierung hatte am Sonntag in Lima und unter anderem für die Gebiete um die Städte Cusco, Puno und Callao einen Ausnahmezustand erklärt. Das Auswärtige Amt riet von nicht notwendigen Reisen nach Peru und dringend von Reisen in die Regionen Cusco, Arequipa, Puno, Puerto Maldonado und Apurímac ab.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Januar 2023 um 17:00 Uhr.