Abimael Guzmán | AP

Peru Ex-Guerillachef Guzmán gestorben

Stand: 12.09.2021 10:10 Uhr

Jahrzehntelang versetzte der "Leuchtende Pfad" die peruanischen Bauern in Angst und Schrecken. In ihrer Blütezeit war die Guerilla in der Hälfte des Landes aktiv. Ihr ehemaliger Anführer Guzmán ist nun gestorben.

Der ehemalige Anführer der peruanischen Guerillaorganisation "Leuchtender Pfad" ("Sendero Luminoso") ist tot. Abimael Guzmán sei im Alter von 86 Jahren im Hochsicherheitsgefängnis auf dem Marinestützpunkt Callao gestorben, teilte die Gefängnisverwaltung mit. Als Todesursache wurden nur allgemein "Komplikationen in seinem Gesundheitszustand" genannt.

Die Verfassung des früheren Rebellenführers hatte sich in den vergangenen Monaten immer weiter verschlechtert. Er aß kaum noch und wurde zwischenzeitlich im Krankenhaus behandelt.

"Der Terroristenführer Abimael Guzmán, der für den Verlust unzähliger Leben unserer Landsleute verantwortlich ist, ist tot", schrieb Präsident Pedro Castillo auf Twitter. "Unsere Verurteilung des Terrorismus ist fest und unumstößlich. Nur in der Demokratie werden wir ein Peru der Gerechtigkeit und Entwicklung für unser Volk aufbauen."

Etwa 70.000 Menschen starben im Bürgerkrieg

Guzmán arbeitete in den 1960er-Jahren zunächst als Professor für Philosophie an der Universität von Ayacucho. Später ging er in den Untergrund und gründete die maoistische Rebellenorganisation "Leuchtender Pfad". Die verarmte Andenregion Ayacucho wurde zum zentralen Aktionsgebiet der Gruppierung. Von dort aus proklamierte der "Leuchtende Pfad" 1979 den "Volkskrieg" gegen die politische und wirtschaftliche Elite des Landes.

In dem folgenden Bürgerkrieg starben Schätzungen zufolge rund 70.000 Menschen. Guzmán wollte in Peru ein marxistisches System nach dem Vorbild von Mao Zedong durchsetzen. Er war nicht nur ein Anhänger des Maoismus, sondern machte sich auch die brutalen Methoden des Anführers der Roten Khmer in Kambodscha, Pol Pot, zu eigen.

Massaker an indigener Landbevölkerung

Obwohl der "Leuchtende Pfad" vorgab, sich für die indigene Landbevölkerung einzusetzen, ging er gerade gegen sie mit äußerster Brutalität vor. So ordnete Guzmán 1984 in dem Andendorf Soras ein Massaker an der Bevölkerung an, weil sie ihm die Unterstützung verweigert hatte. 117 Menschen wurden dabei getötet. Anfang der 1990er-Jahre war die Guerilla in der Hälfte des peruanischen Staatsgebiets aktiv.

Unter dem Präsidenten Alberto Fujimori (1990-2000) verschärften die peruanischen Sicherheitskräfte den Kampf gegen die Guerillagruppe und wandten dabei stark repressive Methoden an.

Guzmán wurde 1992 gefasst und auf einer Marinebasis in Callao nahe der Hauptstadt Lima eingesperrt. In der Haft heiratete der einstige Guerillakommandant im Jahr 2010 seine langjährige Mitstreiterin Elena Yparraguirre. Diese war Vizechefin des "Leuchtenden Pfads". Sie verbüßt in einem Gefängnis in Lima ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe. 

"Der größte Völkermörder unserer Geschichte ist tot"

Der "Leuchtende Pfad" wurde nie vollständig besiegt, heute gehören ihm jedoch nach Schätzungen nur noch wenige Hundert Mitglieder an, die sich dem Drogenhandel widmen. Sie sind vor allem in den Tälern der Flüsse Apurímac, Ene und Mantaro (Vraem) aktiv, wo staatliche Institutionen nur schwach vertreten sind. Das Gebiet ist ein wichtiges Anbaugebiet für die Koka-Pflanze. Neben Kolumbien und Bolivien ist Peru der größte Kokain-Produzent der Welt.

"Das Problem des Terrorismus ist nicht mehr dasselbe wie früher, jetzt ist er im Vraem angesiedelt, wo wir Überreste haben, aber er ist eng mit dem Drogenhandel verbunden, und was dieses Gebiet braucht, ist die Präsenz des Staates in allen Sektoren", sagte Verteidigungsminister Walter Ayala. Erst im Mai hatten mutmaßliche Kämpfer des "Leuchtenden Pfades" in Zentralperu 16 Menschen getötet.

"Der größte Völkermörder in unserer Geschichte ist tot, aber nicht seine Terrorbande", schrieb der Bürgermeister der Hauptstadt Lima, Jorge Muñoz, auf Twitter. "Er hat für die von ihm begangenen Gräueltaten nicht genügend Zeit abgesessen. Die Peruaner müssen sich heute mehr denn je gegen die neuen Angriffe des ruchlosen radikalen Wahnsinns zusammenschließen."

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 12. September 2021 um 07:39 Uhr.